Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-11-09 · Heft 46 (9.11.1857) · p. Seite 624

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 46 (9.11.1857)
Date
1857-11-09
Page
Seite 624 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3226039-3226086--16485-3245345
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

624 SejVr b rinne, in ihnen Dadurch Liebe und Eifer für die nigen reichen und benlilteiten Juden Viele Hungers sterben. Unter solchen Verhältnissen kann auch nicht daran gedacht werden, den intellectuellen und sittlichen Zustand der jüdischen Masse zu heben, ohne daß ihnen durch Erweiterung des Kreises, innerhalb welches sie ihre Thew tigkeit in Anwendung bringen können, die Möglichkeit einer besseren materiellen Existenz gewährt worden ist. So lange sie auf wenige Punkte beschränkt, von allen Masse selbst wegen ihrer Zustände nicht angeschuldigt werden. Vom Institute zur Förderung der isrueutischeu Literatur. Wir thun es ungern, das; wir auf einen Gegenstand wiederholt zurückkommen, der eigentlich durch sich selbst klar und allen Verständigen einleuchtend sein sollte. Aber gerade weil leidenschaftliche und gehässige Menschen sich und Anderen den richtigen Standpunkt so leicht verwirren und aus den Augen rücken, bedarf es wiederholt einfacher und schlagender Auseinandersetzung. Es wäre durchaus ein Jrrthum, wenn man annehmen wollte, daß „das Institut zur Förderung der israclitischcn Literatur" nur gegründet worden, um eine größere Zahl jüdischer Schriften drucken zu lassen. Vielmehr war dies eher ein Nebenzweck. Der Hauptzweck war: der jüdischen Literatur ein Publikum zu schaffen, indem man eine Zahl Schriften in die Hände zahlreicher jüdische Literatur erwecke und ihre Theilnahme am Judenthume selbst erhöhe, und bildend und veredelnd auf sie wirke. Man vergegenwärtige sich, welches der bisherige Zustand der jüdischen Literatur war. Sie bestand eigentlich nur für einen ganz kleinen Kreis; selbst die bedeutendsten Schriften fanden nur wenige Käufer; viele Welke schrieben die Schriftsteller nur für sich unter einreines erlebte — höchstens mit Ausnahme von eine zweite Auslage, selbst von wenigen Hundert E.rerüder ein jüdisches Werk verder Regel großen Schaden, und nahm So mußte es kommen, das; die und daß der größte Theil daß eine solche iib.rwar dies aber auch in religiöser Beziehung zu bedauern, weil die Literatur in unsrer Zeit das wirksamste Mittel ist, ans die Geister belebend zu wirken und die schlummernde Theilnahme zu wecken. Wir können diesen Zustand um so offener zeichnen, als unsre Schriften von dieser Regel eine der seltenen Ausnahmen machen und das Glück harten, seil 20 Jahren in weite Kreise zu dringen. Das Institut sollte also den Versuch unternehmen, in rascher unc unmittelbarer Weise ein g r o ß e s Publikum n Literatur in Verbindung zu setzen, und indem es immer weitere und größere Kreise für sich gewinnt, dieser Literatur ein Bauseld zu erobern, das ihr bio jetzt gänzlich gefehlt. Es ist dies dem Institute gej lungerr, jedoch nur gelungen im Verhältnis; zu dem bisj hengen Zustande. Denn wenn auch das Institut in sei-! neu ersten drei Jahren resp. 2500, 3400 und 3600 Abonnenten gewann, wenn es so bis zum Schluffe des dritten JahreS circa 90,000 Exemplare jüdischer Schriften in die Häuoe des Publikums zu bringen vermochte, wenn hieri durch überhaupt das Interesse an der jüdischen Literatur einen ganz neuen Aufschwung nimmt, wie es sich in sehr vielen Thatsachen bekundet, trenn außerdem das Institut eine Reihe von subveutionirten Schriften an das Licht fördert und dem Publikum empfiehlt: so bildet alles dies doch nur einen Anfang, Da alle obigen Zahlen sich min- : destens noch v e rdreisa ch en ließen, und bei allseitiger : Unterstützung auch tioch verdreifachen werden. Wenn es dem Zwecke des Instituts überhaupt entsprach, alle Zweige der jüdischen Literatur zu cultiviren, so lag es im Interesse des oben bezeichnelcn besonderen übrigen Theilen des Reiches wie abgeschnitten, in ungeheurer Zahl zusammengedrängt, in der Mehrzahl ohne Mittel eines artgemessenen Erwerbs, einer würdigen Thätigkeit sind, so lange können alle Anstrengungen, bildend aus sie einzuwirken, alle Verbesserungen des Schulwesens nur erfolglos sein. Als das wesentlichste Bedürfnis; für die russischen Juden, als die Grundlage ihrer Hebung und Besserung stellt sich also einfach die freie Niederlassung in den ü b ri g e n P r o v i n z e n d e s di e i ch es dar. Ohne diese, ohne daß sich die zusammengedrängtcit russischen Juden aus eine größere Landesfläche vertheilen und in Gewerk, Kunst und Handlung angemessene Berussthätigkeiten flnden können, werden verbesserte Schuleinrichtungen und einzelne Vergünstigungen nur auf die kleine Zahl der Bemittelten unter ihnen wirken, auf die große Masse keinen Einstuß üben und die Kluft nur um so weiter und fühlbarer machen. So lange aber diese j freie Niederlassung ihnen versagt bleibt, kann die jüdische \ mit der jibif ander; Katechismen und Fibeln — bei dem bescheidenen Abzüge plaren; jeder Buchhändler, legte, machte in ein zweites nicht an. jüdische Literatur völlig abstarb, des Publikums gar nicht wußte, Haupt eristire. Es

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.