Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 46 (9.11.1857)
- Date
- 1857-11-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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21. Jahrgang Allgemeine Jlf 46. Zeitung des Zudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner JDr. Ludwig Philippson in Magdeburg. Leipzig, den 9. November 1857. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, MontagS, und wird jährlich 78 Bogen in Quart incl. de- Titel-, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zwecke-, derselben die allgemeiuste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang: — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22*/a Ngr. (18 gGr.) für da- Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen. Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. Zeitung- - Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Was th»t den russischen Juden in bürgerlicher Beziehung besonders Roth? — Bom Institute zur Förderung der israelitischen Literatur. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hamburg, Hamburg, Hannover, aus Württemberg. Preußen: Posen. Frankreich: Nancy. Rußland: Brody. Tunis: Tu< nis. Indien: Bombay. Leitende Artikel. Magdeburg, 1. November. Was thnt den rnssifchen Juden in bürgerlicher Aeziehung besonders Noth? Wir haben in diesen Blättern seit einem Jahre mehrfache Vergünstigungen und wohlthätige Einrichtungen, welche die russische Regierung neuerdings theils in negativer Beziehung, durch Aufhebung drückender Ausnahmegesetze, theils in positiver Beziehung für die Juden des großen Czarenreiches getroffen hat, zu besprechen gehabt. Insbesondere sind auch die Anfänge gemacht, um in nachhaltiger Weise eine größere Volksbildung in der jüdischen Masse anzubahnen. Um so mehr wendet sich der Blick auf Erforschung derjenigen Mittel und Wege, auf welchen eine wahrhafte Besserung der äußeren und inneren Zustände dieser zahlreichen Stammes- und Glaubensgenossenschaft erwirkt werden könne, ja welche als die unumgänglichen Bedingungen der Besserung erscheinen mögen. Und in der That ist diese Frage nicht allzuschwer zu beantworten. Wir brauchen nur einen Blick auf die Landkarte zu werfen, und die Lage der Wohnsitze der russischen Juden zu beachten; wir brauchen uns dann nur zurückzurufen, daß es ihnen verboten ist, sich an anderen Orten des Kaiserreiches niederzulassen, ja daß es selbst mit großen Schwierigkeiten verbunden ist, die Erlaubniß zu Reisen in die übrigen Provinzen Rußlands zu erhalten — um alsbald das wesentlichste Bedürfniß, die Basis, auf welcher alle anderen Mittel zu ihrer Hebung erst wirksam werden können, zu erkennen. Die russischen Juden sind auf den schmalen Gürtel der südwestlichen Grenzprovinzen eingeengt, so daß nur noch eine geringe Zahl in Kur- und Liefland und in Beffarabien wohnt. In dieser verhältnißmäßig an Umfang unbedeutenden Landschaft sind nun bei zwei Millionen Juden eingeschlossen. In diesen Provinzen sind sie zugleich zumeist nur auf die Städte angewiesen, in deren vielen sie die größte Mehrzahl der Bewohner bilden. Wenn nun auch der russische Jude schon von Alters her nicht dem Handel allein, sondern Handwerken aller, auch der schwersten Art obliegt: so ist es doch klar, daß die Masse der Juden, welche als Stävtebewohner zwischen dem Edelmann und den Bauern in der Mitte steht, fast ganz brotlos, in das tiefste Elend versunken, und darum auch die Zahl der erwerblosen Herumtreiber sehr groß ist. Selbst mit dem besten Willen ist es zahllosen russischen Juden nicht möglich, sich durch ihrer Hände Arbeit zu ernähren, und müßten ohne die außerordentliche Barmherzigkeit der verhältnißmäßig we-