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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-11-02 · Heft 45 (2.11.1857) · p. Seite 617

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 45 (2.11.1857)
Date
1857-11-02
Page
Seite 617 (sequence 9)
Language
German
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617 faßte, daß er sein armes romanisches nnd ungarisches Volk nicht aufmerksam machen sollte, vor den Juden auf der Hut zu sein, weil sonst die Romanen und Ungarn bloßfüßig und auf der bloßen Erde liegen bleiben könnten, indem ihnen die Juden die Sandalen*) von den Füßen und die Decken von ihrer Lagerstätte nehmen und sie in ihrem eigenen Lande unstätt und flüchtig machen würden." Endlich folgt die größte Frechheit dieses Judenhetzers; er fordert nämlich die Bischöfe des Landes auf, gegen die Juden Hirtenbriefe an das Volk zu erlassen und die Geistlichkeit, daß sie durch Predigten, diese mächtigen Werkzeuge der Religion, dieses Uebel bekämpfen mögen. Wie ich höre, sollen die Israeliten in Klausenburg gegen die Redaction des Közlöny Hierwegen bereits die strafgerichtliche Untersuchung einleiten lassen, und sie thäten dies mit vollem Rechte, denn abgesehen von der Frechheit der verleumderischen Phrasen des bezüglichen Artikels, ist derselbe auch ganz geeignet, gegen den Juden Demonstrationen von den traurigsten Folgen hervorzurufen und scheint auch gegen die bestehende Regierung gerichtet zu sein, welche beschuldigt wird, im Vergleiche mit der früheren Regierung eine Null zu sein und die Völker Siebenbürgens ganz ihrem traurigen Schicksale überlassen zu haben. Philipp Lange. Wien, l 4. Oktober. (Privatmitth. Von einem zweiten Corrcsp.) Die Angelegenheit der Handelsschule ist in eine neue Phase getreten. Nachdem die meisten protestantischen und nur wenige jüdische Kaufleute, vor Allem aber der Chef eines katholischen Großhandlungshauses, erklärt haben, keine Einzahlungen zur Begründung der Anstalt zu leisten, fand eine Art von Transaction statt, vermöge welcher der Direktor und Professor der Geschichte jedes Mal ein Katholik fein müsse; die anderen Stellen hingegen wären an keine confessionelle Bedingung gebunden. Der Zweifel ist aber sehr rege, daß diese gewünschte *) Wenn Sie, Herr Z.ömlön, nicht Sandalen, sonder» Stiefel meinten, so muß ich Sie erinnern, daß die früher» Gesetze nicht gestatteten, daß ein Bauer Stiefel trage nnd um dieses Gesetz in Kraft zu erhalten, haben die „Auserkornen" ihren Wachposten so weise verwaltet, daß der Bauer froh war, wenn er sich ei» Paar Sandalen anschaffen konnte, und seit den wenigen Jahren der Befreiung aus diesem Aegypten war es den Erlösten noch picht möglich, sich zu stiefeln, und viel weniger zu spornen. Vermittelung werde angenommen werden. — Wahrend man so um die Jugend sehr besorgt ist, sie zu Kaufleuten zu bilde», macht das Alter einen kräftigen Nachwuchs sehr wünschenswcrth. Seit Juni d. I. sind 120 Firmen in Wien fallit geworden, und in den letzten Wochen nimmt der Ruin in erschreckender Weise überhand. Selbst Frauen nahmen verbrecherischen Antheil an den, dies Mal aber nach unten gehenden Schwingungen der Börse. Selbstmorde und Verhaftungen der bis jetzt unbescholten gewesenen Personen häufen sich. Es werden diese traurigen Zustände gewiß nicht ohne sittlichen Erfolg bleiben. Es ist der Lurus, die herausfordernde Arroganz zu weit getrieben. Der all». Zeit fertige Wiener Witz charakterisirt den Gesundheitszustand wie folgt: „Es herrscht jetzt in Wien eine Krankheit, die fast nie epidemisch vorkommt, die Fallsucht und daS Wechselfieber." — Der kaiserlich ottomanische Gesandte am neapolitanischen Hofe, vr. Salomon Spitzer, hat von Sr. Majestät dem Kaiser von Oesterreich das Commandeurkreuz des Franz-Josephordens erhalten; der Vertreter der israelitischen Gemeinde in Wien, Herr Sichrowski, den türkischen Orden Medschidie. — Herr vr. Jellinek hat am letzten Festtage seine Antrittspredigt gehalten und im weitesten Sinne des Wortes die Gemeinde begeistert. Nordamerika. Charleston, 30. September. (Privatmitth.) Die Agitation gegen den Schweizer Vertrag geht hier in lebhaftester Weise vor sich. Ob aber unsre Regierung etwas thun kann, ist fraglich. Die Sache muß wohl vor den höchsten Gerichtshof der Republik gebracht werden, was aber nur dann geschehen kann, wenn ei» Fall der Weigerung oder Ausweisung von Seiten der Schweizer Regierung vorkommt.*) Jndeß ist vom jetzigen General-Staats-Anwalt (Justizminister), Judge Black, daS Beste zu erwarten. Als Richter am höchsten Gerichtshöfe deö Staates Pennsylvanien, entschied er im Jahre 1854, daß die sogenannten Sonntagsgcsetze (Verbot aller Geschäfte am Sonntage u. dgl.) constitulionswidrig seien. Von einem solchen freisinnigen Manne kann man erwar- *) Ei» solcher Fall wurde aber aus Chaur-de-fonds berichtet. Redact. 45

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