Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 45 (2.11.1857)
- Date
- 1857-11-02
- Page
- Seite 616 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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616 fließt * *). Vor der Revolution, meint Herr Zömlen, war eS den Juden unmöglich, sich in Siebenbürgen einzunisten. Die ComitatS- und städtischen Behörden, als AuSerkorne des Volkes (!!!! sie!!!!), hielten eS für ihre Pflicht (!!!!!), die materiellen Interessen deS Volkes zu bewahren**) und vor jeder möglichen AuSpumpung zu schirmen.***) Man hat in Erfahrung gebracht, daß daS Dorf, in welches sich schlagendsten Beweise. — Den Glauben vom Gotte Hadur, dessen auserkornes Volk nur die Magyaren waren, haben Ihre Vorfahren nicht gehabt? Auch das bilden Sie sich nicht ein, daß Gott den ungarischen Husaren während eines Freudenfestes erschuf? — Glauben Sie uns, daß, wenn die Nationen ihre Vorurtheile gegen einander vertauschten, keine einzige weder gewinnen noch verlieren würde. *) Armer Tamas! Was für verkehrte Begriffe mögen Sie von dem Wirkungskreise eines vernünftigen Volkes haben?! Welche vernünftige Nation in Europa lebt einzig und allein von sich selbst und sucht die Quellen ihrer Einkünfte in sich selbst? — Gehen Sie hin und rathen Sie England, daß es Indien fahren lasse. Sagen Sie Holland, daß es mit sich selbst Handel treibe — diese Nationen werden Ihnen sagen: Geh, Einfaltspinsel, zu Deinem Maiskuchen. — Die Ursache, warum die Juden Geld haben, haben Sie, Herr Zömlsn, nicht aufgefunden, weil Sie zu tief suchten. „Van annak a ki meg nem isra“ — das ist die Ursache. Der Jude ist mäßig. Die Bauern in Siebenbürgen, durch den Hang zum Trünke demoralifirt, wurden einzig und allein durch das hundertjährige Elend, in welchem sie das Feudalsystem festhielt, auSgesaugt. Urbarialdienst und Propinationsrecht hielten den Bauer immer in einer Lage der Verzweiflung und zwangen ihn, sein Weniges der Trunksucht zu opfern. Die strenge Handhabung des Propinationsrechtes steigerte die Begierde zum Branntwein, bei welchem der halbsclavische, bis zum Thiere herabgesunkene Bauer Siebenbürgens Trost und Zerstreuung suchte. **) Volk in Siebenbürgen! komm und zeuge wider diesen Lügenmund! Nicht wahr, Volk, erst mit dem Jahre 1849 find Dir die Sclavenketten abgestreift worden? Nicht wahr, für Dich sprach bis zum Jahre 1849 Niemand Recht? Nicht wahr, die Hälfte Deines Lebens, Deiner Freiheit und Deiner Erwerbnisse gehörte Deinem Grundherrn und Deinen „Auserkornen, welche über Dich wachten"? Nicht wahr, Du durftest Dir nie Deinen Vertreter wählen? Nicht wahr, der Eigenthümer der Hälfte Deines Daseins war immer Dein Gesetzgeber, Dein Richter und manchmal zugleich Dein Scherge? Nicht wahr, aus diesem Elende-hat Dich die jetzige Regierung befreit? ***) Das Auspumpungsrecht war ein Privilegium der lieben „Auserkornen", sie haben es daher jedem Andern verwehrt. ein Jude einbohren konnte, auf den Bettelstab gerathen mußte, und diese Erfahrung war die Ursache, daß die Juden von jedem Orte weggedrängt wurden; höchstens war es ihnen durch die Protection einzelner Grundbesitzer ermöglicht, in manchen Orten als Branntweinbrenner oder Pächter zu eriftiren — aus den Städten und freien Plätzen aber waren sie überhaupt ausgeschlossen. *) Nun aber, nachdem die Idee der Gleichberechtigung allen Nationalitäten überall die Schranken geöffnet hat, strömen die Juden massenweise nach Siebenbürgen.**) Jede Maut, jede Pachtung, jede Unternehmung geräth in ihre Hände. In den Städten vermehren sich ihre Waarenniederlagen, ihre Spiritusfabriken und industriellen Unternehmungen.— Die Dörfer füllen sich von Juden und der Bauer bringt seine Erzeugnisse nicht in die Scheune, sondern in daS Haus des Juden, wo er für Getränke verschuldet ist.***) Die Behörden sind viel unmächtiger, als daß sie diesem Uebel steuern könnten und im Grunde genommen, bleibt es ihnen gleichgültig, in wessen Hände immer der Besitzstand der Bauern geräth, denn die Grundsteuer wird immerhin entrichtet werden können!!f) Jetzt folgt die Aufzählung der vielen Vorzüge, mit denen daS Geschick die Juden begabt, und der süße Ausdruck der Liebe des Herrn Zömlen für unsere Nation, welche Liebe aber doch nicht so weit Wurzel *) Sie lügen und verleumden, Herr Zömlen! Man findet in Siebenbürgen hunderte von Dörfern, in denen nie Juden wohnten, und diese Dörfer sind doch verarmt; unv wieder umgekehrt findet man Juden in hunderten von Dörfern, deren Insassen im größten Wohlstände sich befinden. Schreiber Dieses lebt seit dem Jahre 1849 in Siebenbürgen und brachte nie in Erfahrung, daß irgendwo, mit Ausnahme der Bergstävte und einiger sächsischer Orte, einem Juden bei seiner Niederlassung Hindernisse gelegt wurden; vielmehr wurde der Jude überall mit offenen Armen erwartet, wo kein Zömlsn im Wege stand. **) Die Gleichberechtigung schmerzt Sie, Herr Zömlen? Vergebens ist Ihr Seufzen. Sie selbst sind an diesem Uebel schuld; — warum haben Sie sich im Jahre 1848 mit „Szabadsäg, egyenlöseg, tistv6ris6g“ die Kehle heiser geschrien? ***) Als Sie, Herr Zörnlsn, Herr und der Bauer Unterthan war, spazierten die Erzeugnisse des Letztern sud Litulo dacia, praeslatio, noua, etc. manchmal vielleicht auch in Ihre Hände und wurden mit ein Paar Stockprügel belohnt. — Der Jude pflegt mit besserer Münze zu zahlen. -f) Kilätszik a szeg a zsäkböl. Ihnen, Herr Zömlen, scheinen die neuen Einrichtungen nicht zu munden. Sie können wissen, wie wenig Ihre Stimme zählt.