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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-11-02 · Heft 45 (2.11.1857) · p. Seite 615

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 45 (2.11.1857)
Date
1857-11-02
Page
Seite 615 (sequence 7)
Language
German
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615 hervorragendes Mitglied des hiesigen CorporationsvorstandeS, bis dahin Mitglied der Brüdergemeinde selbst, hat, verletzter Eitelkeit wegen, er, der selbst am Jom-Kippur nicht die Synagoge besucht und völlig außerhalb des Judenthum S steht, vor der Einweihung beim Polizeidircctorium angegeben, die Brüdergemeinde bestrebe sich, Neuerungen einzuführen und sich von der Hauptgemeinde zu trennen, so daß die Polizei einschreiten müsse. DaS hat diese denn auch gcthan und die Eröffnung des Gotteshauses, resp. Einweihung bei 30 Thaler Strafe für jedes Mitglied, das den Tempel behufs deS Gottesdienstes betrete, verboten. Nur dem Einflüsse hiesiger jüdischer reicher Männer gelang es, das Verbot aufheben zu lassen. Jetzt hat nun dasselbe Corporationömitglied einige andere Schritte gegen die Brüdergemeinde gethan, die aber ebenfalls erfolglos bleiben werden. (Wir wundern uns nicht, daß eS einen solchen Angeber auch in Posen giebt, da kaum eine preußische Gemeinde dergleichen entbehrt; wir wundern uns auch nicht, daß die Polizei ein solches Verbot erlassen hatte — wir wundern unS nur über Zwiefaches: daß die sogenannte Brüdergemeinde ihre staatliche Eristrnz nicht besser gesichert hat, um von solchen Zufälligkeiten abzuhängen; und noch mehr, daß die Judengemeinden noch immer nicht aufhören, Männer in ihre Vorstände zu wählen, welche auch nicht das geringste religiöse Interesse am Judenthume bethätigen, die auch just nicht durch außerordentliche Intelligenz und Sittlichkeit sich auszeichnen, sondern nur durch — ihre Geldbeutel. Durch hundert Thatsacheu könnten wir erweisen, daß die Gemeinden durch nichts mehr in ihren Zuständen gesunken sind, als durch diese Unsitte. Die Redaction.) Oesierreichischer Kaiserstaat. Zilah in Siebenbürgen, 17. August. (Privatmitth. Verspätet.) In einem siebenbürger ungarischen Blättchen, welches seit drei kurzen Jahren bereits drei Mal eingegangen und unter anderm Namen immer wieder in seiner ursprünglich hektischen Gestalt zum Vorscheine gekommen ist, trat vor Kurzem ein unverschämter Judenhetzer auf, welcher unsere Glaubensgenossen nicht nur aufs Gröblichste verleumdet, sondern gegen dieselben sogar die Pöbelwuth heraufzubeschwören wagt. Zömle'n ist der (wahrscheinlich fingirte) Name dieses Maulhelden. Wir wissen wohl, was die gebildete Welt von dergleichen Pöbelblättern und Pöbclscriblern hält: — sie stellt sie bei ihrem Erscheinen weit tief unter Null. Es wäre daher am rathsamften, dergleichen Erscheinungen mit einem einfachen Lächeln der Nichtachtung zu begegnen und in ihren Bestimmungsort fahren zu lassen; allein das Herz übersprudelt und die Galle muß überströmen, wenn man bedenkt, waS für traurige Folgen solche Zcitungöbellereien, wenn sie auch nur aus den Kehlen kleiner Möpse kommen, haben können — und wer kann sich dann des Redens enthalten? In No. 88. des Közlöny ergießt sich das Herz deö Herrn Zömle'n in Klagen über die gegenwärtige traurige Lage der Dinge in Siebenbürgen und er schreibt diese dem Umstande zu, daß die Zahl der Juden in bedeutender Zunahme ist. Siebenbürgens Industrie (?) und Sensarie (hajhaßat) — fährt der Mann fort — ziehen viele Juden insbesondere aus den durch dieselben bereits ausgcsaugten galizianischen und polnischen Provinzen nach Siebenbürgen.*) Diese Nation, fährt Herr Zömlvn fort, welche trotz ihrer Zerstreuung ihre Religion zusammenhält, macht ihre Interessen durch ein harmonisches Zusammenwirken gegen die Völker Europas geltend, und verdient daher mit jedem Tage mehr und mehr unsere Aufmerksamkeit. Die Juden können sich zufolge ihres GlaubenSprincips, nach welchem sie sich für Jehovas einziges, auserkorenes Volk halten, mit den Interessen der christlichen Völker innerlich nicht vereinen**), sie betrachten daher diese als bloße Quellen, auö denen sie ihre Einkünfte schöpfen, und dies ist der Grund, daß daS Geld — diese zweite Großmacht — ausschließlich in die Hände der Juden *) Herr Zömlmi! Entweder Sie lügen, oder Sie wissen nicht, was um Sie her vorgeht. Seit der Revolution sind kaum 10 jüdische Familien aus Galizien und Polen nach Siebenbürgen eingewandert. Diese wenigen haben das Wasser Ihrer Wölfe nicht im mindesten getrübt und haben nichts in Ihrem Eldorado erworben, was beneidenswerth wäre. **) Lieber guter Zömlsn! — Gewiß sind Sie und Ihre Nation, als eine Minorität unter den Nationen dieses Landes, immer bereit, Ihre gemeinschaftlichen Interessen für die romanische und sächsische Nation auszuopfern! Wir hatten ja hiervon erst vor Kurzem ditz

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