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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-10-26 · Heft 44 (26.10.1857) · p. Seite 605

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 44 (26.10.1857)
Date
1857-10-26
Page
Seite 605 (sequence 11)
Language
German
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603 Es entstehet nun die Frage, werden die jüdischen Geschichtsforscher künftiger Zeiten, oder unparteiische Historiker überhaupt die jüdischen Celebritäten auf den verschiedenen Gebieten der Wissenschaft rc. her« aussinden? Es ist keine Frage, daß die „Allgemeine Zeitung deS Judenthums" als Hauptquellt dienen wird. Wäre es daher nicht gut, wenn die« selbe von Zeit zu Zeit, wenn auch nur bibliogra« phisch, die Werke der Juden (die Leistungen verschweigt sie wohl selten, da ihre Korrespondenten an allen Ecken der Welt sich befinden), auf den Gebieten der Medicin, der Jurisprudenz, der Nationalökonomie, der Musik rc. anfuhren würde? Ich möchte mir sogar erlauben, nicht nur zu befürworten, die Autoren von vollstän« digen Werken, sondern auch Diejenigen, die einzelne Aufsätze über genannte DiSciplinen schrieben, wenn sic sonst irgendwie werthvoll sind, anzuführen. Ein hiesiger praktischer Arzt, der auf der Höhe der Wissenschaft stehet, hat sich angeboten, die betreffenden Notizen für die Allgemeine Zeitung deS Judenthums auf medicinischem Gebiete zu geben, vorausgesetzt, daß die verehrliche Redaction mit dem Anträge einverstanden ist. Hoffentlich werden sich auch die Männer finden, die anderwärtig und anderweitig *) im Interesse der Geschichte Beiträge geben werden. Eö hängt mit diesem Anträge noch ein zweiter zusammen. Während eine Zeitung, wie dies zunächst ihre Aufgabe sein muß, vorausgesetzt, daß sie nicht ganz der Wissenschaft gewidmet ist, blos der Gegenwart Rechnung tragen muß, hätten wir noch eine Schuld abzutragen, die anderswo getilgt werden könnte. Seit dem Ende deS letzten Jahrhunderts, wo ein neuer Geist unter den Juden erwachte, haben sich mehrere unserer Glaubensgenossen auf den verschiedenen Gebieten der Literatur versucht und erprobt. Diese Namen wären es werth, der Vergessenheit entzogen zu werden und kurze biblographische Skizzen derselben mit besonderer Berücksichtigung ihrer Leistungen dürsten von Interesse sein. Wir sind überzeugt, daß Herr Josef Wertheimer gern die Spalten des Jahrbuches, das eine weite Verbreitung hat, derartigen Mittheilungen öffnen würde und wünschte ich, daß diese Anregung von Erfolg sein möchte. Der Einsendungstermin läuft Anfangs März 1858 ab. Die Verfas- *) Wir werden solche Beiträge mit Dank annehmen. Redaction. ser würden sich ein doppeltes Verdienst erwerben um die Sache selbst, und indem sie ein Werk fördern, welchedem Herausgeber viel Mühe verursacht und welches keinen andern Zweck hat, als unserem Volke zu nützen. Die „Real-Encyclopadie", welche das Institut herausgeben will, dürfte allerdings diese Wünsche in vollem Maße zu befriedigen im Stande sein. ES dürften indessen diese Vorläufer manchen Vortheil bieten. Indem ich von der Real-Encyclopädie spreche, kann ich nicht unterdrücken, mein Bedauern über daS v'-iviv ntwp, daS sich bei dieser Gelegenheit kund giebt, auszusprechen.*) Gewiß haben die Leiter deS Institutes, die auf der Höhe der Wissenschaft stehen und denen ein praktischer Blick nicht abzusprechen ist, sich die Schwierigkeiten dieses Unternehmens nicht verheimlicht. Bon den Leitern des Institutes komme ich nun auf Einen derselben, Herrn vr. Jellinek, zu sprechen. Von ihm gilt v»2i mVtta «L . Er zog von Leipzig weg und Alles bestrebte sich, ihm zu zeigen, wie werth er jedem Einzelnen sei. In einer prachtvollen silbernen Votivtafel (sie ist in doppeltem Sinne sehr werhvoll) sprechen die Leipziger ihre Verehrung aus. Nicht minder herzlich und warm wurde derselbe hier empfangen. Die Antrittspredigt am r,n»v irrnn enthusiaSmirte in vollem Sinne des Wortes. — WaS ich hervorheben muß, da es sich hier nicht darum handeln kann, näher auf die Predigt einzugehen, da Jellinek nicht seit heute und gestern erst seinen Ruf begründet hat, ist, daß Mannheimer und Jellinek zusammenwirken. Trotz des kurzen Zeitraumes wurde schon manche wichtige Frage verhandelt und stets gingen sie einen Weg. ES sind auch die Anzeichen vorhanden, daß dieses Bündniß stets sich stärken werde. Rußland. Thvrn, im Oktober. (Privatmitth.) Ein schreckliches Brandunglück hat die beiden an der preußischen Grenze liegenden Städte, Ripin und Dobrzyn in Polen, die meist nur von jüdischen Einwohnern be- *) Dieser „Gelehrtenneid" hat uns noch nie asficirt, und ist jedes Mal das beste Omen des Gelingens gewesen, da die Leutchen spürten, hier wird wieder Etwas — trotz ihnen. Nedaction. 44**

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