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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-10-26 · Heft 44 (26.10.1857) · p. Seite 604

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 44 (26.10.1857)
Date
1857-10-26
Page
Seite 604 (sequence 10)
Language
German
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604 Glauben leben, sondern zu seinem früheren, in welchem er geboren und erzogen wurde, zurückkehren, und so jetzt in seinem schon vorgerückten Alter seine Seele nur mit den Worten in« 'n aushauchen wollö. Dieser Mann ist seinen pecuniären und Familienverhältnissen nach gut gestellt, was also mit Bestimmtheit glauben läßt, daß er diesen Rücktritt nur aus reiner religiöser Ueberzeugung und mit wahrer Reue und Buße thut.*) Oesterreichischer Kaiserstaat. Gr. Karoly, im September. (Privatmitth.) Wir erlauben uns hiermit, eine Angelegenheit zur Sprache zu bringen, von deren Bedeutung alle Gemüther hier sowohl, wie in ganz Ungarn lebhaft und schmerzlich angeregt sind. Es ist das schmerzliche Gefühl, die Nichtgleichberechtigung der Juden immer mehr um sich greifen, immer entschiedener inS Leben treten zu sehen. Wir wollen anstatt aller Lamentationen Thatsachen sprechen lassen; sie sprechen kräftiger als Redner und Buch. Erst vor Kurzem, als hier ein Häuschen im Schätzungswerthe von 300 Fl. zum Verkauf auSgeboten wurde, durfte ein israelitischer Gläubiger, der einen Satz auf demselben hatte, und der seine Forderung beim Hauseigenthümer decken wollte, keinen Antheil am Kaufe haben! Mit großer Spannung sieht ganz Ungarn dem schon seit geraumer Zeit von der hohen Regierung in Aussicht gestellten neuen Besitzrechte entgegen. Auch gestalten sich die Hoffnungen viel günstiger, so daß die Lösting dieser Lebensfrage im Sinne der Humanität und Gerechtigkeit wohl bald erfolgen wird. Ja, in doppelter Beziehung sehen wir diesem Act der Billigkeit mit Zuversicht entgegen, da die, Israeliten mit Abgaben und Steuern ihren christlichen Mitbürgern gleich belastet sind. Was bliebe den treuen israelitischen Staatsbürgern Ungarns übrig, wenn man sie nach wie vor überall zu verdrängen und ihrer Thätigkeit Hemmnisse entgegenzusetzen sortfahren wollte? — Es hat den Anschein, als wenn hier eine zweiclassige Volksschule mit Anfang deS kommenden Wintersemesters nun doch ins Leben treten werde. Leider will man dieser neu zu errichtenden Schule kein besonders günstiges Prognostikon stellen, da sie, wie die *) Wie steht es aber mit seiner Familie, seinen Kindern? Redaktion. meisten Schulen Ungarns, auf nichts als auf das von den Schulkindern zu entrichtende Schulgeld angewiesen ist. Demzufolge wird es wohl Niemanden wundern, wenn eine solche neugegründete Anstalt als todtgeborenes Kind bald wieder zu Grabe gehen müßte! Oder sollten wir uns irren? Wird ein berufsfähiger Lehrer Lust haben, in einem solchen, dem Zufall preisgegebenen „Weinberge des Herrn" arbeiten zu wollen, da er doch mit Grund befürchten müßte, nach Ablauf deS Halbjahrs genöthigt zu sein, seine Wanderschaft wieder anzutreten, ohne auch nur so viel erspart zu haben, um die Reisekosten nach Debrezin (das Eldorado vagirender Lehrer) bestreiten zu können? Bei all dem mögen die künftigen Leiter der projectirten Schule mit Muth und Ausdauer ihre volle Theilnahme zuwenden, und die Saat einer künftigen segensreichen Ernte gewissenhaft und unermüdlich ausstreuen. Wir rufen den Unternehmern von ganzem Herzen unfern aufrichtigen Glückwunsch zu! Jacob Wolheim. Warasdin, 12. Oktober. (Privatmitth.) Am 9ten dieses starb allhier der Lehrer H. Rosen mark, der den Lesern der früheren Jahrgänge dieser Zeitung wohl bekannt ist, und auch mehrere anerkannte Schulwerke versaßt hat. Er hatte bis zu seiner Erkrankung seinem Amte mit edelstem Eifer, mit ganzer Hingebung obgelegen, und eine Saat ausgestreut, die unter dem Segen GotteS noch lange zu edlen Früchten heranreifen wird. Friede seiner Asche! — M. Wien, 15. October. (Privatmitth.) Bei der jüngsten Anwesenheit der Herren vr. Steinschneider und Professor Dr. Wessely wurde von beiden Herren ein Gegenstand angeregt, den ich nicht mit Stillschweigen übergehen kann. Wer eine Geschichte der Juden schreibt, wird nicht darin vergessen, die Verdienste der Juden im Allgemeinen, wo sie sich solche erworben haben, zu schildern. So sind uns bis auf den heutigen Tag die Namen jüdischer Aerzte, Mathematiker rc. früherer Jahrhunderte bekannt, und je mehr das Studium der Geschichte in neuerer Zeit zunimmt, desto mehr berühmte jüdische Namen werden der Vergessenheit entzogen. Unter dem Staube der Actenstücke ruht so manche jüdische Celebrität, die über kurz oder lang die Auferstehung feiern wird. ES kömmt bei diesen Forschungen das zu statten, daß daö Glaubensbekenntniß den Namen hinzugefügt ist.

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