Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 44 (26.10.1857)
- Date
- 1857-10-26
- Page
- Seite 602 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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602 Wahlfähigkeit der Juden besteht also bis jetzt noch gesetzlich in Kurhessen. Preußen. Berlin, im Oktober. (Privatmitth.) In dem Gange unsres Gemeindelebenö ist jetzt eine Stille eingetreten, welche nach den mannigfachen Erschütterungen und Wirren, welche in den letzten Jahren sich bemerklich machten, als eine wohlthätige bezeichnet werden darf. Die Einhelligkeit, mit welcher sich alle besseren Elemente der Gemeinde für die Wiederwahl der früheren Repräsentanten aussprachen, die Folgerichtigkeit, mit welcher diese letzteren den Vorstand durchaus in seiner früheren Zusammensetzung beließen, scheint doch der „kleinen, aber unmächtigen" Partei, die nur in systematischen Oppositions- und DenunciationSgelüsten ihren Vereinigungspunkt findet, imponirt und Stillschweigen auferlegt zu haben, so daß jetzt Gottlob unsre politischen Blätter frei bleiben von jenem ekelhaften polemischen Gewäsche, mit dem man früher die Meinung des Publikums irre zu leiten suchte. — Während dieser äußeren Ruhe, die aber bei dem streitsüchtigen Sinne jenes Völkchens möglicher Weise nur ein Waffenstillstand, ein vorbereitendes Zuwarten ist, befestigen sich die Angelegenheiten im Innern der Gemeinde mehr und mehr und namentlich sorgt die Vertretung derselben mit lobenswerther Liberalität dafür, Cultus, Schule und Humanitätsanstalten auszubauen und zu befestigen. Für den CultuS beschränkt sich freilich daS hier Mögliche auf ein geringes Feld, da jeder nur einigermaßen fördernde Schritt unsre zelotischen Reformriecher in die hellste Wuth versetzt und sie zu zionswächterischen Anklagen und Protesten veranlaßt. Der Vorstand thut deshalb recht, im Interesse des Friedens eö bei dem bis jetzt Durchgeführten zu belassen und den weiteren Fortschritt von der Entwickelung der jetzt gelegten Keime zu erwarten. Jedenfalls bleibt es unverkennbar, daß die äußere Würve des Gottesdienstes in erfreulicher Weise zugenommen hat und man darf mit Sicherheit hoffen, daß manche Unsitte, die sich im alten Gotteshause ihre historische Berechtigung erworben, auf das neue nicht werde übertragen werden. Wann dessen Bau in Angriff genommen werden kann, das ist eine Frage, deren Entscheidung nicht vom Vorstande abhängt, sondern von den Spitzen der Ressort-Behörden. Das darf man aber als sicher annehmen, daß, sobald von den bestimmenden Kreisen kein Hinderniß mehr entgegen gestellt wird, der Bau deS neuen Gotteshauses sich in kürzester Zeit und mit den reichsten HülfSmitteln erheben werde, gefördert von dem energischen Streben der Gemeinde - Vertreter und dem thatkräftig theilnehmenden, für alles Gute sich leicht begeisternden (?) Sinne der Gemeinde. Ueber die Verhältnisse unsrer Schulen denke ich Ihnen bald Ausführlicheres zu berichten; für heute beschränke ich mich auf die Mittheilung, daß der Zustand derselben als ein in hohem Grade blühender und gedeihlicher bezeichnet werden darf und daß namentlich das Institut der Realschule unter-Horwitz' trefflicher und verständiger Leitung einen Aufschwung genommen hat, den man vor wenigen Jahren noch für unmöglich halten mußte. Aus Schlesien, 6. Oktober. (Privatmitth.) In der letzten Sitzung der diesjährigen (siebzehnten) Orientalisten «Versammlung — welche vom 28. September bis zum 1. Oktober zu BreSlau ihre Konferenzen abhielt — ist unter Anderm die Herausgabe einer kritischen Bearbeitung der chaldäischen Versionen zu der Bibel (Targumim)— einschließlich der samaritanischen Paraphrase — beschlossen, die Redaktion dieses Werkes dem Professor vr. Rödiger in Halle anvertraut und Seitens der Versammlung der Wunsch ausgesprochen worden, daß Kundige, wie Rappaport in Prag, Geiger und Frankel in BreSlau rc. rc., im Interesse der Wissenschaft nicht unterlassen mögen, durch Lieferung von Beiträgen daS quästionirte Unternehmen so viel als möglich zu unterstützen. Von den wissenschaftlichen Arbeiten, welche in der Versammlung verlesen wurden, mögen drei, nämlich die von vr. Geiger „über Theologie und Schrifterklärung der Samaritaner" —, ferner die von vr. Levy „über altsyrische Schrift" — und endlich die von vr. Landsberger „über die Fabel des Syntipas" hier besonders genannt sein. vr. Frankel aus Breslau war durch Unwohlsein den von ihm versprochenen Vortrag „über die Effäer" zu halten verhindert. Die Arbeit soll indeß, wie beschlossen wurde, in der von der Versammlung herausgegebenen Zeitschrift so bald wie möglich veröffentlicht werden. — „Judenhaß" girbt'S allenthalben; er tritt nur