Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 43 (19.10.1857)
- Date
- 1857-10-19
- Page
- Seite 589 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226039-3226083--16447-3245304- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
589 Emanuel Hecht. Ich habe diese mit vielem Ruhen und Segen in meiner Schule eingeführt. Die Hecht'sche Geschichte zeugt von dem praktischen Sinn deS Verfassers, sie ist pädagogisch und kindlich gehalten, und ist darum der Klehinger'fchen vorzuziehen. Die beigegebene Karte von Palästina ist eine dankenswerthe Zugabe. — Rach einer neuern allerhöchsten Verordnung vom 15. Mai d. I. sind die bayerischen Kreisregierungen befugt, die israelitischen Schulamts-Candidaten vom Seminarbesuch zu diSpensiren, wenn sie nachzuweisen im Stande sind, daß sie privat sich die genügenden Kenntnisse erworben haben. Ob dieses zur Hebung des jüdischen Schulwesens in Bayern förderlich fein wird, mag die Zukunft entscheiden. — Preußen. Au- Schlesien, Ende September. (Privatmitth.) In BreSlau Hai sich während der verflossenen heiligen Festtage das Bedürfniß einer geräumigen Synagoge wieder einmal ganz gewaltig herausgestellt. Die vorhandenen größer» und kleinern Gotteshäuser waren allesammt am Rosch haschonoh wie am Jom kippur dermaßen überfüllt, daß man wahrlich nicht ungegründete Ursache hatte, für die Gesundheit besorgt zu sein. Wie in jedem Jahre, wurden auch Heuer mehrere Privatlocale — für die Dauer der ^heiligen Zeit" — zu Betlocalen umgeschaffen (d. h. eS wurden sogenannte Minjanim arrangirt); aber auch hier war der Andrang so groß, daß gar Biele, die sich verspätet hatten, wegen Mangel an Raum abgewiesen werden mußten und — wenn sie aus die Theilnahme an dem öffentlichen Gottesdienste nicht gänzlich verzichten wollten — darauf angewiesen waren, dem letztem da oder dort von der Vorhalle resp. vom Hausflur aus ihre Aufmerksamkeit zu widmen. — Diese Erscheinungen sind indeß — zumal sie sich schon zum Oestern wiederholten — an den Häuptern der Gemeinde nicht unbeachtet vorübergegangen. Vielmehr soll nun — wie ich höre — ernstlicher denn je daran gedacht werden, die alte Idee der Herstellung eines „großen Gemeinde-Gotteshauses" zur Wirklichkeit zu machen. ES sind sogar schon einige Bauplätze zum Ankauf in Vorschlag gebracht, und wer weiß, ob ich Ihnen nicht schon in nächster Zeit werde berichten können, daß in dieser Angelegenheit der erste entscheidende Schritt gethan worden! — Uebrige'nS ist BreSlau nicht die einzige Gemeinde, wo seit Jahren über Mangel an entsprechender Räumlichkeit für die Verrichtung deS öffentlichen Gottesdienstes geklagt wird; vielmehr ward diese Klage auch gar häufig schon auS Posen, Berlin, Königsberg und vielen andern großen Städten unseres Vaterlandes vernommen. Nicht minder aber ist eS Thatsache, daß allenthalben, wo erwähntes Uebel obwaltet, lebhaft daS Bedürfniß gefühlt wird, demselben gründlich abzuhelfen, und daß dieses letztere auch unbedingt jetzt schon geschehen würde, wenn man nicht überall auf gewaltige Hindernisse stieße, die durchaus erst aus dem Wege geräumt werden müßten. — Wirft man indeß einen Blick auf die Gemeinden zweiten und dritten Rangeö in unserem Staate, so muß man in der Thal erstaunen ob der ungeheuren Opfer, welche in den letzten Jahren der Herstellung großer, den Bedürfnissen entsprechender Gotteshäuser gebracht worden. Man braucht nur regelmäßig diese Zeitung zu lesen, und man wird fast in jeder Nummer einen neuen Beleg zu dem Gesagten finden. — Und sind nicht in der neuern Zeit von der größten Gemeinde bis zur kleinsten die elatlichen Ausgaben für den CultuS erhöhet worden? Haben nicht fast allenthalben die Rabbiner-, Vorbeter- und andere CultuSamtöstellen eine höhere Dotation erhalten? Giebt eS überhaupt jetzt noch eine größere oder kleinere Gemeinde, in welcher, den Cultus betreffend, derjenige JndifferentiSmuS anzutreffen wäre, welcher vor 10 Jahren beinahe allgemein gewesen? — Und trotz allem Diesem hören gewisse jüdische Journalisten nicht auf zu schreien, daS Judenthum gehe immer mehr seinem Verfalle entgegen! — Was soll man dazu sagen? — Oesterreichifcher Kaiserstaat. Czernowitz, 15. September. (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde, welche ungefähr seit einem halben Decennium dem Fortschritte huldigt, hat die Wiege deS neuen Jahres mit dem würdigen Beschluß geweihet: einen Tempel, daS Symbol der Einheit nach innen wie nach außen, zu errichten. Im Innern wird er dem Separatismus, der die Kräfte der Gemeinde in unzählige Filialbetzimmer (v'-'d») zersplitterte, steuern, und sie zu einer achtunggebietenden Corporation ver- 43