Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 43 (19.10.1857)
- Date
- 1857-10-19
- Page
- Seite 588 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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588 oft so ungünstigen Verhältnissen um so lobenswerther, da genannte Herren trotz ihrer großen Geschäfte, trotz anderer Aemter in ihren vaterländischen Gemeinden, dennoch daS heilige Vermächtniß ehrenwcrther Männer, dieses kleine Tcmpelinstitut, das in einigen Jahren sein öOjähriges Bestehen feiert, nicht außer Acht lassen. — Der Gottesdienst war am VersöhnungStage wirklich erhebend, der Vortrag der Vorbeter deutlich und klar, die Gesänge und Lieder gingen ziemlich eract, bis auf den Vorabend, wo der Chor dann und wann nicht pünktlich einfiel. Die Predigten des vr. Gustav Philippson aus Dessau waren dem Tage angemessen und suchte er, wie immer, sein Auditorium an den Gedanken deS Festes zu fesseln. Schade, daß das schöne Band, welches seil 11 Jahren zwischen ihm und seiner Tempelgemeinde geknüpft war, nun plötzlich gelöst wird. Die israelitische CultuSgemeinde zu Dessau hat denselben, wie man hört, einstimmig zu ihrem Prediger und Religionslehrer gewählt, und folgt er diesem Rufe noch im Laufe dieses Jahres. Seine Abschiedspredigl hielt er zu nV'iyü des VersöhnungStages, über die Worte Jesajas, Cap. 49, V. 15.: „Nb •>dsni ^fDiBN", „Ich werbe Dein nicht vergessen." Nachdem derselbe über die Bedeutung der letzten festlichen Stunde gesprochen, dankte er dem Directorium und der Gemeinde für das Vertrauen, daS sie ihm in einem so langen Zeiträume geschenkt, und ermahnte die ganze Versammlung, vornehmlich die Vorsteher, kein Opfer zu scheuen, diese Gottesanstalt würdig, wie bisher, zu erhalten, der Jubelfeier dieses Tempels mit dem freudigen Bewußtsein entgegenzugehen, im Geiste dieses Beth Jacob für Israel gewirkt zu haben, und mit demselben Texte, den er damals bei seiner Antrittsrede vor 11 Jahren benutzt: trnbN t' „Der Ewige ist Gott", schloß er seine Rede. Ein jeder Einzelne schien von diesen Abschiedsworten gerührt zu fein, und ein Jeder drängte sich nach Beendigung des Gottesdienstes zu dem Prediger, um ihm noch ein herzliches Lebewohl zuzurufen, welches derselbe mit Thränen der Wehmuth erwiderte. Worms, im October. (Privamitth.) Bei Gelegenheit der Rückkehr des Papstes nach Rom hat die dortige Municipalität auch den jüdischen Armen 200 Scudi zukommen lassen. — Am 21. September hielt in Gotha ein protestantischer Geistlicher die Trauerrede am Grabe eines daselbst verstorbenen Israeliten. — Kürzlich ist in Oesterreich der Befehl ergangen, die eine Seite aller der kaiserlichen Armee zu verleihenden Fahnen mit dem Bilde der christlichen Gottesmutter zu versehen. Jetzt sollen, wie die A. Z. berichtet, von den betreffenden Regimcntscommänden nicht zu übersehende Bedenken in Anbetracht der gemischten Glaubensbekenntnisse eingelaufen sein. — Der Maker Schmitz aus Darmstadt erhielt jüngst von dem Kunstverein zu Nürnberg für sein eingereichtes Bild „Der Bischof von Speyer vertheidigt die Juden 1096" den ersten Preis. — Gegen die Erpectorationen deS Dr. W. auS Hamburg auf dem WohlthätigkeitS-Congreß in Frankfurt a. M. Betreffs der Firirung der Wohlthätigkeitssache in Deutschland und speciell in Hamburg, die nach jenem Redner eine interkonfessionelle und von der Liebe in Christo geleitet ist, reclamirte vr. Stern in der Sitzung und ein anderes israelitisches Mitglied des CongrcffeS, Herr H. S. Hertz, Kaufmann aus Hamburg, in den Zeitungen. Auch Rabbiner Hirsch stand auf der Liste der Mitglieder jenes Congresses. — Monsieur Brunner hat in seiner Kirchenzeitung — was unternimmt nicht die Tollkühnheit? — herausgcfordert, über folgende zwei Thesen mit ihm zu disputiren; er will (!) erhärten, daß erstens die Thierschutz-Vereine antikatholisch sind (sie), und daß zweitens die Juden Christenkinder geschlachtet haben. Herr B. wird hier jedenfalls nolens voleos dem Talmud gehorchen müssen, wenn dieser sagt: ijvto pTn1 -ipwb nsi^rr. Bon der pfälzisch - französischen Grenze, Ende September. (Privatmitth.) Wenn ich beim Rückblick inS verflossene Jahr mich frage, was hat unS daS vergangene Jahr in der Literatur (den Literaturverein nicht mit eingerechnet) Gutes gebracht? fo sind es besonders drei Bücher, die ich freudigst begrüßte. Es ist dieses, um „mit dem größten anzufangen", die zweite Auflage Ihres vortrefflichen Bibelwerkeö, ein wahrer Schatz. Wenn dieses Werk schon für Jeden zu empfehlen ist, der noch einigen Sinn für Bibelstudium hat, so dürste es doch jetzt wenigstens keinem Religionslehrer fehlen. Durch die abermalige lieferungsweise Erleichterung der Anschaffung muß auch die Klage über den hohen Preis schwinden. Das zweite Buch ist das Religionsbuch von Herrheimer, 11. Auflage, dessen vorzügliche Brauchbarkeit bekannt ist. Ein recht brauchbares Werkchrn ist drittens: die neueste Auflage der biblischen Geschichte von