Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 43 (19.10.1857)
- Date
- 1857-10-19
- Page
- Seite 590 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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SSV schmelzen, daß sie im Aeußern einen Ring mehr in der Kette der CultuSgemeinden bildet, die von der heiligen Mission der Aufklärung durchdrungen sind. — Die Initiative ging von Sr. Ercellenz dem Herrn Baron v. Schmück, Landespräsidenten der Buckowina, ans, indem derselbe zu wiederholten Malen dem Vorstande die Dringlichkeit eines Tempelinstituts ans Herz legte und hohen Schutz verhieß. Dieses feuerte den Muth an, daß der Vorstand zur Realistrung des lange gehegten Wunsches dieser Tage eine Subscription eröffnete. Und die allgemeine Theilnahme bethätigte sich auf wahrhaft überraschende Weise, denn schon am ersten Tage wurden 15,000 Gulden in Conv. Münze subscribirt. — D.... Sf... Oie Schweiz. Ober-Endingen, 6. Oktober. (Privatmitth.) Von der benachbarten, zwei Stunden von hier entfernten Stadt Baden, wo sechs jüdische Familien wohnen, wurde an den hohen aargauischen RegierungSrath die Frage gestellt: Ob bei den im nächsten Monate stattfindenden Nationalrathswahlen auch die Juden sich zu betheiligen hätten? Der hohe RegierungSrath war der Ansicht, daß dieses nach dem Beschlüsse der Bundesversammlung sich von selbst verstehe und erließ die daherigen Weisungen an die betreffenden Stellen, so wie an die israelitischen Vorsteherschaften in Betreff der Ausfertigung der Stimmenlisten. Sie sehen, daß die Emanci'pation der Israeliten in Aargau nicht bloS auf dem Papier stehen bleibt, sondern zur lebendigen That wird. — ES läßt sich gar nicht anders erwarten, wo solch eine humane Regierung, wie die aargauische, an der Spitze steht, deren klugem Tacte wir diese glücklichen Resultate zu verdanken haben, wie wir sie seit Jahren im Aargau, so wie in dem Gebiete sämmtlicher Eidgenossenschaft erzielt haben und wodurch der jüdische Name an Achtung bedeutend gewonnen hat. Ich kann nicht umhin, einen Act der Humanität öffentlich hier zu erwähnen, der von mehreren unserer hochgestellten Männer ausgegangen ist. Seit dem jüngsten Frühling besuchen zwei unbemittelte jüdische Jünglinge das Gymnasium zu Aarau. Obschon dieselben von hiesiger israelitischer Gemeinde namhafte Unterstützung genießen, so ist diese doch nicht hinlänglich, sie vor Noch zu schützen. Einige bedeutende Männer, wie Landamman» Keller — der bekannte Jesuitengegner — und Dr. Zschokke, verwendeten sich für diese jüdischen Jünglinge, daß sie nun einen Freitisch haben — wo sie koscher essen können — und somit der Roth enthoben sind. Fürs Zweite Jahr ist ihnen schon Hoffnung gemacht auf Stipendium. (Im ersten Jahre deS Schulbesuches wird keines ertheilt.) — Wenn wir die Gesinnung und Denkweise vieler hochgestellten Männer in der Eidgenossenschaft kennen lernen, so dürfen wir von den besten Hoffnungen für die Sache der Juden in diesem Lande beseelt sein. Der erste Wunsch aber, der in unS bei Betrachtung dieser Verhältnisse und bei der Wahrnehmung, wie die Rechte der Juden hier allmählig sicherer gestellt werden und in Folge dessen die Verbreitung der Juden in der Schweiz zunimmt, der erste Wunsch, der in unö hierüber aufsteigt, ist, daß auch die Juden nicht vergessen möchten, daß sie Juden sind und besonders das Ihrige beitragen möchten zur religiösen Erziehung ihrer Kinder. Wenn aber in Städten, wo etwa 15—20 jüdische Familien zu den reichsten der Stadt zählen, das ganze Jahr deS Gottes Israels kaum gedacht wird, da sowohl von Unterrichtsals Betanstalt keine Spur vorhanden ist, so dürfen wir sagen: das gehört zu den Schattenseiten unserer Zeit!*) In diesem Punkte verdient Basel Erwähnung. Hier ist Synagoge und Schule so gut organisirt, wie in den besten und größten jüdischen Gemeinden, obschon nicht mehr als 10 Familien sich hier befinden. Es wäre zu wünschen, daß besonders die Juden in der Schweiz den ächt religiösen Sinn dieser Miniaturgemeinde zum Muster nehmen möchten! Dr. Frankreich. Paris, im October. (Univ. israel.) Wir haben vor uns den „moralischen und finanziellen Jahresbericht vom 1. Juli 1856 bis 30. Juni 1857" der UnterstützungS- und Zufluchtshäuser, die der Herr Baron JameS von Rothschild gegründet. *) Es giebt jüdische Familien, wo die Kinder wohl vom Weihnachtsbäumchen und von der Bescherung deS Christkindleins, nichts aber von dem Ehanukalichtlem wissen.