Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 43 (19.10.1857)
- Date
- 1857-10-19
- Page
- Seite 587 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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387 in Liebe und ächter Humanität nach der Außenwelt in Beziehung auf die Mitmenschen durch Lehre und Beispiel. Mit andern Worten: der Maurer soll sich selbst zu einem vorurtheilSfreien, rechtlichen und edlen Menschen heranbildcn, alle Schlacken von Geist und Gemüth entfernen, seine physischen und moralischen Kräfte zu Nutz und Frommen seiner Mitmenschen anwenden. — So sind die Grundprincipien der Freimaurerei identisch mit dem Streben jedes wahrhaft edlen Menschen, und der Vortheil des Anschlusses an den Orden liegt in der Vereinigung gleichgesinnter Geister zu gleichem Zwecke, in der erhöhten Macht verbundener Kräfte. „Aber sollte nun nicht auch der Jude den durch den Orden gestellten Anforderungen Genüge leisten können, ohne deshalb gezwungen zu sein, sein Judcnthum aufzugeben? — Die Basis der jüdischen und christlichen Religionen liegt nahe beisammen und gleicht sich in vielen Beziehungen*); was aber das Maurerthum fordert, ist überhaupt unabhängig vom Religionsbekenntniß. Der edle Jude, der edle Muselmann liebt ebenfalls Gott über Alles und seinen Nächsten wie sich selbst**), und hierin liegt die ächte Religiosität, die Collectivlehre der Maurerpflichten. — Auch der Jude kann seine Kraft weise verwenden, um die moralische Schönheit an sich und Andern zu wecken und zu fördern. — Selbst die profane Welt hat jetzt zum größten Theil das Vorurtheil überwunden, welches durch Jahrhunderte den Juden ungerechter Weise zum Paria der Gesellschaft, zum Mitglied einer verachteten Kaste herabwürdigte, und fast alle civilisirten Staaten haben die Bekenner der mosaischen Lehre in ihren bürgerlichen Verhältnissen den christlichen Einwohnern gleichgestellt. — Der Freimaurer sei vor Allem vorurtheilsfrei, die Wahrheit soll ja der Ausgangspunkt und Zweck seines maurischen Wirkens sein, und gerade er sollte noch immer an den starren Grundsätzen vergangener finsterer Jahrhunderte hängen? — End¬ *) Alles, was die Moral betrifft, gewiß, denn das Christenthum hat sein Sittengesetz gänzlich dem Zudenthum entlehnt. Red. d. A. Z. d. Jud. **) Sicherlich, denn das Judenthum war cs, welches die Sätze: „Liebe den Ewigen Deinen Gott mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Vermögen" und „liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" zuerst verkündete, und dem Christrnthum und Islam übergab. Red. d. A. Z. d. Jud. lich Facia loquuntur. Sind die vielen Juden, welche unserm Orden schon angehörcn, schlechte Maurer? Hat sich irgendwo hcrauSgestellt, daß der Mosaist als solcher nicht zum Freimaurer passe? Gewiß nicht. „Wenn also der Jude, wie ich dargethan zu haben glaube, durch sein religiöses Glaubensbekenntniß nicht gehindert ist, sich den Bestrebungen unseres Ordens gaUz hinzugeben und seinen Anforderungen zu genügen, dann fällt jeder Grund zur Ausschließung jüdischer Mitbürger von der Aufnahme fort, und wir hoffen, daß auch die wenigen Staaten, welche die Bekennung des ChristenthumS vom Maurer fordern, in nicht zu langer Zeit diesen Standpunkt als unmaurerisch ausgeben werden.*) Ein christlicher Bruder." Leipzig, 4. Oktober. Die hiesige israelitische Gemeinde hat ihrem bisherigen Prediger, Dr. Jellinek, vor dessen Weggänge nach Wien eine kostbare silberne Votivtafel überreicht. (M. C.) Leipzig, 12. Oktober. (Privatmitth.) Die heilige Festzeit ist nun vorüber und eS ist für den religiösen Beschauer ein wahrhaft freudiges Gefühl, die während der Messe so beschäftigten israelitischen Kaufleute in Massen nach den verschiedenen israelitischen Tempeln strömen zu sehen, so feierlich, so innig überzeugt von der Wahrheit ihres Glaubevs, als wollte Einer dem Andern zurufen: „Kommet, daß wir wandeln im Lichte des Herrn!" Die verschiedenen Synagogen waren auch so zahlreich besucht wie nie, und schon während deS lebendigsten Verkehrs in der Vorwoche zeigte sich diese religiöse Begeisterung. Der Leipzig-Hamburger Tempel war diesmal außergewöhnlich besucht und scheint einzig und allein durch die Thätigkeit deS DirectoriumS, durch den Eifer und die Energie des Herrn MagnuS (Aeltester der israelitischen Gemeinde zu Berlin) und seiner beiden Collegen (Drucker in Leipzig und Friedberg in Berlin), so wie durch die Strebsamkeit des Herrn Burchardt in Prenzlau in ein neues Stadium zu treten. Diese Ausdauer und dieser Eifer ist bei den *) Wir haben hier nur hinzuzufügen, auf welche Weise die preußischen Logen den Widerspruch erklären wollen, daß sie jüdische Maurer an allen ihren Acten permanent theilnehmen lassen, aber keine Juden selbst aufnehmen, so daß also eine Reise nach Leipzig oder sonst wohin das ganze Hinderniß hinwegräumt? Grenzt dies nicht anS Lächerliche? Hier dürfte nur ein „Entweder-Oder" gelten. Red. d. A. Z. d. Jud.