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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-10-19 · Heft 43 (19.10.1857) · p. Seite 585

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 43 (19.10.1857)
Date
1857-10-19
Page
Seite 585 (sequence 5)
Language
German
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585 lassen, der Wahrhejt ins Auge, zu sehen, und mehr auf den wirklichen Ausbau im Innern zu trachten. Der jängere und der ältere Prediger. In Kurzem wird der dritte Band meiner Predigtsammlung „Silo ah" erscheinen. Wir können wohl sagen, daß wenige'Predigtsammlungen sich so dauernden Beifalls und des Eingangs in so viele Gemeinden und so vieler Einzelner Hände zu erfreuen gehabt. Der Wunsch nach einem dritten Bande wurde so oft gegen mich ausgesprochen, und die Verlagshandlung erklärte ihre Bereitwilligkeit so entgegenkommend, daß die Zusammenstellung dieser dritten Sammlung mir nur zur Freude gereichen konnte. Bei der Beschäftigung hiermit drängten sich mir mancherlei Gedanken auf. Die beiden ersten Bände erschienen 1843 und 1845, und in den dazwischen liegenden 12 Jahren habe ich, außer gelegentlich, keine Predigten veröffentlicht, denn die 1854 bei Baumgärtner erschienene 2te Auflage meines Predigtmagazins enthält außer Casualreden nur den Wiederabdruck älterer Predigten aus Jahren 1834—1836. Hauptsächlich erwog sich hierbei bei mir das Verhältniß des jüngeren zum alteren Prediger, nicht wie sie etwa neben einander stehen und wirken, sondern wie sie in einer und derselben Persönlichkeit sich darstellen. Es ergab sich mir, daß gerade hier das Verhältniß ein günstiges ist, daß hier die Jugend nicht das beneidenswerthe Alter bildet, sondern, vorausgesetzt Gesundheit des Körpers und Frische des Geistes erhalten sich, jede Stuft ihre besonderen Vorzüge besitzt. Der junge Prediger, wenn er wahrhaft den Beruf in sich trägt, Lehrer des Volkes zu werden, insonders Verkünder des israelitischen Wortes an Israel, kommt mit einer flammenden Begeisterung an sein Amt, welche, wenn sie durch Sprachfülle und Organ unterstützt ist, auch die Zuhörer entflammt und hinreißt. Die Phantasie ist beweglicher in der Jugend, und gefällt sich im Schaffen von Bildern; die Gemüthswelt aufgeregter und geneigt zu sentimentalen Ergüssen. Vor Allem aber kommt der Jugend zu statten, wenn sie tüchtigen Fond hat, daß sie eine neue, frische Auffassung, einen gewissen neuen Gedankengang und Gedankenschatz mit sich bringt, welche eben durch ihre Neuheit Interesse erwecken. Endlich weiß man, daß die Jugend, wenn sie nur erst ihre Kraft etwas erprobt hat, unwillkürlich und unbewußt sich überschätzt) noch nicht durch viele Täuschungen herabgestimmt, ist sie ihres Sieges gewiß, und solcher Siegesgewißheit gelingt auch der Sieg, wenn er auch nur ein augenblicklicher ist. Aus allem Diesem kommt es, daß der jüngere Prediger feuriger, begeisterter, überwindender, phantafiereicher, frischer auf seine Zuhörer wirkt. Allein genauer geprüft, zeigen seine Producte mehr Worte als Inhalt, mehr Bilder als Gedanken, mehr Feuer als Brennstoff, es zu unterhalten. Die Erfahrung geht ihm ab, das Leben ist ihm noch zu allgemein, die würdevolle Ruhe hat er noch nicht erlangt. Der Reichrhum an Worten, die Fülle der Bilder, die Beweglichkeit des Gemüthes verführen ihn, mehr auf der Oberfläche zu bleiben, als in das Innere einzugehen. Anders mit dem älteren Prediger. Wenn diesem einerseits das Vertrauen, welches ein längerer, thätiger Lebenswandel einflößt, die Achtung und Liebe, welche ihm eine dauernde Wirksamkeit erworben, der bewährte Ruf seiner Beredsamkeit schon von vornhinein zu Gute kommen: so ersetzen ihm andererseits die Sicherheit und die gewonnene Praktik, was ihm an Jugendfeuer abgeht; und hierzu kommt der unendliche Vortheil, an Gedanken reifer, an Lebenserfahrung reicher, an Forschung tiefer, an Haltung gediegener geworden zu sein. Wenn der jüngere Prediger sich allzusehr in allgemeinen Phrasen und Bildern ergeht, so versteht es dagegen der ältere, zu individualifiren, d. h. den allgemeinen Aussprllch sofort auf die Einzelverhältnisse anzuwenden, und damit in das Innere jedes Einzelnen zu treffen,' die Wirklichkeit nach allen ihren Richtungen zu berühren und dadurch gestaltend auf sie einzuwirken. Der jüngere Prediger ist mehr Redner, der ältere mehr wirklicher Lehrer; jener bezaubert bei seinem Auftreten selbst ihm unbekannte Kreise, aber nach kurzer Zeit hat man ihn ausgehört; dieser aber spricht immer bedeutend, immer anziehend, immer aus der Fülle darbietend, und gerade die seiner gewohnten Kreise werden ihn am höchsten schätzen, und am liebsten vernehmen. So wiegen sich hier die Vortheile ab, und die verschiedenen Altersstufen schließen sich zu einem schönen Kranze herrlicher Blüthen und Früchte ab. Literarischer Wochenbericht. Magdeburg, 13. October. In diesen Tagen kam uns die letzte Nummer des „Berliner jüdischen Wochenblattes", das dreiviertel Jahre bestanden, und des Israelitulu Romanu, das mit No. 24. endete, zu.

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