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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-10-12 · Heft 42 (12.10.1857) · p. Seite 575

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 42 (12.10.1857)
Date
1857-10-12
Page
Seite 575 (sequence 9)
Language
German
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575 sollen bei der Gründung vieler neuen Schulen und der Fortführung der bisherigen die tüchtigen Lehrer und Oberlehrer Herkommen? Und was helfen die Schulen, wenn eben nicht tüchtige Lehrkräfte an ihnen wirken? Uns scheint, als ob Schulen gründen, ohne daß ein jüdisches Lehrerseminar vorhanden, ein Haus bauen heißt, ohne ihm ein Fundament zu geben. Wir brauchen ein Mehreres nicht hinzuzufügen, und ersuchen vielmehr Diejenigen, welche Einfluß auf die allgemeine Presse haben, diesen Gegenstand oft und ausführlich zur Sprache zu bringen, damit das Bedürfniß immer mehr zum Bewußtsein komme, und dessen Befriedigung desto eher sich Bahn breche. 8. 6. Die Schweiz. Genf, im Oktober. Zum ersten Male nehmen diesmal die Israeliten Antheil an den Wahlen zum Nationalrath, so unverkümmert das erlangte Bürgerrecht in Ausübung bringend. Frankreich. Paris, 29» September. Ein Sänger jüdischen Glaubens weigerte sich, am Abend deS 27sten, das ist Col niddre, in der Oper zu singen, während die Direction den Grund nicht gelten lassen wollte. Durch die Vermittelung Rothschild's erhielt der ehrenhafte Sänger diesen Abend frei. Paris, im October. In No. 41. des „jüdischen VolkSblatteS" haben wir einen Artikel „über die Juden als Soldaten" gegeben; wir können demselben folgende Worte auS dem neuesten Hefte des Arch. isr. de Fr. hinzufügen: In der letzten Expedition nach Kabylien haben eben so wie nach der Krim unsre israelitischen Soldaten ihren Tribut dem Vaterlande gezollt. Ein israelitischer Officier, ein Soldat des 54. Regiments und ein anderer der 2. Fremdenlegion sind den Folgen ihrer Wunden erlegen, und alle drei sind dem religiösen Brauche gemäß beerdigt worden durch die Bemühungen ihrer algierschen Glaubensgenossen und der zahlreichen polnischen jüdischen Soldaten, die sich in der 2. Fremdenlegion befinden. Großbritannien. London, im September. (Jew. Chron.) Man hat vorgeschlagen, die Galerien deS British Museum auch am Sonntag zu öffnen. Einige Männer haben darauf eingewendet, daß man dadurch die Beamten zwingen würde, ihre religiösen Pflichten zu vernachlässigen, indem sie ihren Ruhetag verlören; eö ist davon die Rede, für den Dienst am Sonntag eine gewisse Anzahl Israeliten anzustellen. Holland. Amsterdam, 39. September. (Privatmilth.) Die Gleichstellung der Israeliten hat wohl in keinem Lande so tiefe Wurzeln gefaßt und zieht sich so bestimmt durch alle praktischen Consequenzen wie in Holland. So wurde die Aufnahme in die Rollen deö Brandwesens (Feuersbmnstpolizci), wozu alle männlichen Einwohner vom 20. bis 50. Jahre verpflichtet sind, von dem bereits anberaumten 28. September auf den 5. October verlegt, als der Magistrat erfuhr, daß an jenem Tage diesmal der VersöhnungStag sei. Alle jüdischen Soldaten erhalten jährlich im Nissan und Tischri einen Monat Urlaub, und dies selbst die Marinierö, welche um Handgeld dienen. Alle Gerichtshöfe in Amsterdam halten am Sonnabend keine Sitzung, und wenn eine Rechtssache, bei welcher ein Israelit betheiligt ist, auf einen jüdischen Festtag fällt, so wird sie verschoben. — Von den sechs Polszeicommiffarien Amsterdams sind zwei Israeliten und von den vier Cantonrichtern einer, der Justizofficier des ganzen Arrondissements ist ein Israelit. ES kömmt öfter vor, daß der Delinquent ein Christ ist, und Ankläger, Vertheidiger und Richter Juden. Es sind hier 15 Advocaten und Notare unsres Glaubens. Zu bedauern ist nur, daß die ärmere Classe unter den Juden außerordentlich vertreten ist und immerfort durch Zulauf aus aller Herren Ländern vermehrt wird» Italien. Aus Mittelitalien, im October. (Privatmitth.) Am rPiaN-ü ns© feiert die israelitische Gemeinde zu Reggio ein bedeutungsvolles Fest. Nach freiwilliger, cinmüthiger organischer Regelung der administrativen Gemeindeverhältnisse schritt dieselbe zur Aufnahme eines Oberrabbiners in der Person des Herrn Leo Lattes, bisher Rabbiner in Chieri. Dieser hat nun die Freude, in seiner neuen Gemeinde der Einweihung deS mit sehr bedeutenden Kosten erweiterten prächtigen Gotteshauses beizuwohnen, worin ein geläuterter GotteS- 42

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