Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 42 (12.10.1857)
- Date
- 1857-10-12
- Page
- Seite 573 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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578 magistratualischen Bescheide eine derartige Verlegung erfahrungsgemäß für die überwiegend größereEinwohnerzahl zum Nachtheil gereiche. Trotz des Bedauerns des Magistrats, dem Gesuche deshalb nicht entsprechen zu können, müssen wir den engherzigen Geist, der dem Collegium die Nichtgewährung dieser so geringen Rücksicht dictirte, von Herzen bedauern, da sactisch dergleichen Ausnahmen in anderen Städten, irren wir nicht, z. B. im benachbarten Cosel rc., den Juden zu Liebe gemacht worden sind. Natürlich beruhigte sich der Vorstand mit diesem abschlägigen Bescheide nicht, sondern suchte sein Heil bei der Negierung zu Oppeln, leider mit derselben Erfolglosigkeit. Wäre die Zeit nicht schon zu kurz gewesen, so hätte der rühm« lichst thätige Vorstand sich nicht abschrecken lassen, mit seinem Gesuche bis zu den höchsten Behörden vorzugehen und sie dafür günstig zu stimmen. Denn wenn auch in der Thal durch eine Verlegung des Wochenmarktes ein Nachtheil für die größere christliche Einwohnerzahl erwächst, so hätte cs wohl in der Billigkeit gelegen, ein Mal zu Gunsten der Minderzahl, da sie den Wochenmarkt ganz und gar einbüßen müßte, um des unverhältnißinäßig größeren Verlustes willen für dieselbe, eine Ausnahme zu machen und den Wünschen der jüdischen Bevölkerung auch einmal gerecht zu werden, anstatt einen Act der Intoleranz, als welchen wir die Verweigerung auffassen, zu documrntiren. — r. Oesterreichischer Kaisersiaat. Aus Galizien, 1. October. (Privatmitth.) Den tadelvollen Urtheilen gegenüber, die von Seiten gelehrter Kritiker und kritischer Gelehrten über die Wahl der Jnstitutsschriften des 2ten Jahres in einer bekannten französischen Zeitschrift und in einem unbekannten, ephemeren deutschen Zeitschriftchen laut wurden, sei eS auch uns simplen Nichtgelehrten, die wir wissenschaftliche Schriften lesen, nicht um sie zu kritisiren oder zu bekritteln, sondern um aus ihnen zu lernen und den Kreis unseres Wissens auf dem Gebiete judenthümlicher Wissenschaft zu erweitern, gestattet, einige Worte öffentlich auszusprechen. Fürs Erste wollen die hochgeschätzten Herren Doktoren, die dieses gemeinnützige, segenverheißende Institut ins Leben gerufen und sich der mühevollen Leitung desselben mit seltenem Eifer und Selbsiverläugnung un« terzogen, unfern wärmsten Dank hinnehmen. Wir, die wir in einem Lande leben, welches geographisch abseits von dem Herde deutscher Cultur und Sitte liegt, Bildung und Wissenschaft gleichsam nur vom Hörensagen kennen, wir wissen die Wohlthat der Gründung und Leitung dieser löblichen Anstalt erst recht zu würdigen; und wenn den verwöhnten Gaumen literär - historisch - kritischer Feinschmecker selten fremde Küche mundet, so finden wir, bei unserem natürlichen Hunger und Durst nach den Früchten des Baumes der Kenntniß und des Wissens, die von den Leitern des Instituts uns gebotenen Früchte ihrer Schöpfung köstlich, schmackhaft zum Genüsse und lieblich für die Augen. Fern von uns ist die Anmaßung, mit Männern von anerkanntem Rufe im Bereiche der wissenschaftlichen Literatur deS Judenthums eine Lanze brechen zu wollen; wir wissen es wohl, daß ir:nna, aber es will uns bcdünken, daß diese Männer von ihrem hohen Standpunkte aus ganz übersehen, daß für die bei Weitem überwiegende Mehrzahl der Abonnenten nur populäre Werke geeignet sind, und daß es nicht übertrieben ist, wenn im leitenden Artikel (Allg. Ztg. d. Jud. No. 38.) behauptet wird: „daß die meisten von jenen Anklägern als wissenschaftlich ausgegebenen Schriften für kaum 200 der Abonnenten genießbar, also für 3200 nur Maeulatur sind", und da das Gedeihen dieses neuen Institutes von der Größe der Abonnentenzahl abhängt, so zeugt es nur von dem richtigen Tacte der Leiterschaft, daß sie bei der Wahl der heranszugebenden Schriften mehr der quantitativen als der qualitativen Mehrheit Rechnung trägt. Der sprechendste Beweis für die Richtigkeit dieser Behauptung ist die mit jedem Jahre sich steigernde Tbeilnahme. Nun möge eS uns gestattet sein, auch unsererseits einige fromme Wünsche im Interesse des Instituts der geneigten Beherzigung einer löblichen Leiterschaft empfehlend, hier vorzutragen. 1) Seitdem durch Rappoport und Zunz die antiquarisch-kritische Forschung wach gerufen und sich zu einer Wissenschaft des Judenthums herausgebildet hat, ist das ganze vaste Gebiet der Hagada, das viele Jahrhunderte hindurch brach gelegen, der Tummelplatz literär-historischer Thätigkeit geworden, und die Halacha, die früher fast ausschließlich die geistigen Kräfte jüdischer Denker absorbirt hatte, mußte dieser das Feld