Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-10-12 · Heft 42 (12.10.1857) · p. Seite 571

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 42 (12.10.1857)
Date
1857-10-12
Page
Seite 571 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226039-3226082--16428-3245284
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

571 die Pflicht, dem Lehrer, der bei der steten Vertheuerung der Lebensmittel sein Auskommen nicht mehr findet, nach Deuter. 15, 7 u. 8 unter die Arme zu greifen. — Professor Dr. Gustav Weil in Heidelberg wurde an der Stelle des verstorbenen Hammer-Purgstall zum correspondirenden Mitgliede der Akademie in Paris ernannt. Professor Weil war der Erste, der in seiner Schrift: „Die goldenen Halsbänder des Samachschari" dem berühmten Hammer philologische Ungenauigkeiten nachwies und zog sich deshalb die Ungunst des gelehrten Freiherrn zu. Doch kurz vor seinem Tode besuchte Herr v. Hammer seinen Gegner Professor Weil in Heidelberg und gab ihm die glänzendste Satisfaction in seiner Freundschaft; nun wurde der Bekämpfer des Herrn v. Hammer sein Nachfolger in der Akademie. Preußen. Berlin, 25. September. (B. Bl.) Da die Anzahl der Assessoren jüdischer Religion bei den Gerichten sich jetzt natürlich immer noch mehrt, so hat man betreffenden Orts auch daran denken müssen, sie zu placiren und für sie Stellen zu finden, in denen sie durch ihre Religion nicht an Ausübung des Richteramtes behindert werden. In Folge dessen, meldet die „Gerichtsztg.", soll jetzt auch auf Ansuchen einiger jüdischen Familien beschlossen worden sein, Assessoren jüdischer Religion auch bei den Vormundschaftsgerichten und dort namentlich mit der Bearbeitung jüdischer Vormundschaften zu beschäftigen, da dies jedenfalls ein Gebiet ist, auf dem sie durch ihre Religion in keiner Weise behindert sind. Bei dem hiesigen Stadtgerichte soll bereits mit Ausführung dieses Beschlusses vorgegangen worden sein. Aus Schlesien, 15. September. (Privatmitth.) Am 9. d. M. hat das L. Bernhardt'sche Ehepaar zu Breslau daS Fest der goldenen Hochzeit begangen und bei der „zu Ehren der Jubilare" im Tempel der zweiten Brüdergemeinde abgehaltenen besondern gottesdienstlichen Feier, — die mit einer von Ascher componirten Hymne eröffnet und mit Absingung des Psalm 150. geschlossen wurde, — der Rabbiner Tiktin als Festordner fungirt. — Vor einigen Wochen wurden in dem eben genannten Tempel zu Breslau von dem Prediger Pleßner aus Posen einige gottesdienstliche Vorträge gehalten, deren jeder sich eines sehr zahlreichen Auditorii zu erfreuen hatte. — In Kurzem soll — wie bereits bekannt gemacht ist, — inmitten der Synagogengemeinde Breslaus eine „Ergänzungswahl der Repräsentanten" stattsinden, deren Resultate allgemein mit großer Spannung entgegengesehen wird. — Von den beiden Privatdocenten jüdischer Confession, die an der Breslauer Universität habilitirt sind, wird im bevorstehenden Wintersemester einer, nämlich der Prof. Dr. Ferdinand Cohn, a) über „die natürlichen Pflanzensamilien" und li) über „Pflanzengeographie" — und der andere, nämlich der Seminarlehrer Dr. B e r n a y S, a) über „die Geschichte der neuern Philologie" und b) über „Ciceros Briefe an AtticuS" Vorlesungen abhalten. — Wie uns aus glaubhafter Quelle mitgetheilt ist, so dürfte sich binnen Kurzem schon — neben dem genannten Dr. Bernays — noch ein israelitischer Philologe, nämlich der Orientalist Dr. P. Joseph in Breslau, an der dasigen Hochschule als Privatdocent habilitiren. — In der Gemeinde von Gr. Glogau sind neulich zwischen Repräscntanten-Collegium und Verwaltungs- Vorstand sehr ärgerliche Differenzen ausgebrochen, die ihren Grund zum größten Theil in der „neuen Begräbnißordnung" haben sollen. — Zu den kleinern Gemeinden Niederschlesiens, welche sich — wie wir Ihnen in unserm Berichte vom 30. Juli c. in No. 37. dieser Zeitung mittheilten — seit Kurzem guter Preger, resp. Religionslehrer zu erfreuen haben, gestatten Sie uns wohl, heute noch nachträglich die Gemeinde Militsch hinzuzusügen und zu bemerken, daß deren Prediger Dr. Friedeberg (aus Graetz im Posenschen) vor vielen seiner Collegen in hiesiger Provinz in so fern noch hervorragt, als er mit seinen rhetorischen und pädagogischen Fähigkeiten auch ein umfassendes talmudisches Wissen verbindet. — Zum Schluffe noch die — gewiß für viele Leser dieses Blattes nicht uninteressante — Mittheilung, daß der bekannte große Chassidim-Rebben von Rdomsk (in Russisch-Polen) diesen Sommer der Gesundheit halber einige niederschlesische Heilquellen besucht und auf seiner Durchreise durch Gleiwitz sich auf dem dasigen Bahnhofe eines überaus zahlreichen Empfanges Seitens seiner diesseitigen Glaubensgenossen zu erfreuen gehabt hat. Daß ein Chassidim-Chef auch einmal krank wird und inS Bad reisen muß, wird Dich, lieber Leser, nicht Wunder nehmen; eben so wenig, daß man neugierig ist, einen solchen Mann (mit seinem Gefolge) zu sehen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.