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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-10-05 · Heft 41 (5.10.1857) · p. Seite 563

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 41 (5.10.1857)
Date
1857-10-05
Page
Seite 563 (sequence 11)
Language
German
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563 Am jüngsten Sabbath hielt nun der Herr B. Löwinstein seine Abschiedsrede, und hatten wir zum setzten Male die Gelegenheit, Geist und Herz an dem seltenen Rednertalente desselben zu erfreuen; mußten aber auch zugleich mit thränenfeuchten Blicken den uns drohenden Verlust beklagen. Schon einige Tage früher, als in Gegenwart Her löblichen Schul- und ComitatSbehörden der Herr B. Lewinstein die Schlußprüfung in unsrer, von der hohen Regierung zur Unter-Realschule ereilten Lehranstalt hielt, zeigte sich die tiefe Betrübniß, welche sowohl die Zöglinge der Anstalt und das Lehrpersonal wie auch sämmtliche Anwesende über das Scheiden desselben erfüllte. Unser allverehrter, für alles Schöne und Edle erglühende Comitats-Vorstand, der k. k. Statthaltereirath v. Kutscher«, gab auch in einer aus dem Herzen kommenden Rede der gerührten Stimmung der Anwesenden den passenden Ausdruck; wie auch die beredten Ansprachen einiger Zöglinge den wahrhaften Ausdruck inniger Betrübniß darzustellen suchten. Die Anhänglichkeit der Gemeinde zeigte sich jedoch erst in vollem Maße, als Tags darauf ohne alle vorbereitete oder verabredete Solennität und bloS dem Zuge des Herzens folgend die ganze Bevölkerung des Städtchens ohne Unterschied des Alters und Standes, ja der Confession bis über das Weichbild des Ortes hinaus dem Scheidenden das Geleite gab, und ein langer Wagenzug demselben bis zur ersten Station, dem Badeorte Lutzka folgte, wo ein im Freien abgehalteneS gemächliches AbschiedSmahl die Vertreter der Gemeinde, das Lehrpersonal und mehrere demselben besonders befreundete Personen vereinigte, und ihnen auch Gelegenheit gab, in tiefgefühlten und warmgesprochenen Tischreden dem Scheidenden die aufrichtigsten Segenswünsche nachzusenden. Zur Besetzung dieser wohldotirten Stelle hat unsere Gemeinde bereits einen Concurs ausgeschrieben, und ist dieselbe noch dem Herrn Redacteur dieser Blätter, durch dessen Vermittelung und Empfehlung vor zwölf Jahren der Herr B. Lewinstein angestellt wurde, zu innigem Danke verpflichtet. Möge sich auch nunmehr der geeignete Mann finden, welcher, wenn auch nicht den Herrn Lewinstein gänzlich ersetzen, doch allenfalls die ihm gestellte Ausgabe gebührend zu lösen im Stande sein kann. ES gilt hier nicht nur, eine wohlgeordnete, mit tüchtigen Lehrkräften besetzte, von den k. k. Schulbehörden überwachte creirte Unter-Realschule zu leiten, au welcher mehr als 300 Zöglinge Unterricht genieße», sondern es ist auch einer wohlunterrichteten intelligenten Gemeinde das Wort GotteS zu lehren, und einem Publikum Vorträge zu halten, welches durch mehrjähriges Anhören Lewinstein'scher Predigten allenfalls schon etwas wählerisch ist und die Spreu vom Korn wohl zu unterscheiden versteht. Hoffen wir daher, daß unser strebsame Gemeinde- und Schulvorstand, von einem glücklichen Tacte geleitet, unter den Aspiranten den würdigsten herauszustnden wissen wird, lurdr 26 ■o," Simon Bacher. Wien, 27. September. (Privatmitth.) Die Angelegenheit der Handelsschule ist noch nicht zu einem Abschlüsse gebracht. Nur Eines steht fest, daß kein Jude Lehrer werden kann, es wäre denn vielleicht im Schönschreiben. Bereits hat ein junger Kaufmann den Reigen eröffnet, indem er die bereits geleistete Beitragsleistung den Armen Wiens „ohne Unterschied der Confession" zuwies. Diese gesinnungstüchtige Aeußerung wird nicht ohne Beispiel bleiben, da auch protestantischer Seits die Einzahlungen stocken. AIS Gast begrüßten wir dieser Tage unfern gelehrten LandSmann, Herrn Dr. M. Steinschneider in Wien. — Herr Zirndorf hat einen Ruf als Prediger und Religionslehrer nach St. Nikolaus in Ungarn erhalten. — Herr Dr. G. Wolf ist auS Venedig und Mailand, wo er, durch bedeutende Empfehlungsschreiben unterstützt, in de» kaiserlichen Archiven Studien zur Geschichte der Juden in Oesterreich machte, zurückgekehrt. — Um die Cantorstelle für den neuen Tempel in Wien concurriren über zwanzig Candidaten. Die Wahl, wie auch die eines Religionslehrers, wird unmittelbar nach den Festtagen vorgenommen werden. Rußland. Peteröburg, 13. September. (H. N.) Nach einem neuen Ukase dürfen fortan nur solche Israeliten zu Rabbinern ernannt werden, welche auf den inländischen Rabbinerschulen oder sonstigen Schulanstalten ihre Curse absolvirt haben. Wenn eS an solchen fehlt, können auf besondere Erlaubniß und unter Vermittelung des Ministeriums des Innern gelehrte Israeliten aus Deutschland zu diesen Stellen berufen werden. 41**

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