Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 41 (5.10.1857)
- Date
- 1857-10-05
- Page
- Seite 562 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Erledigung dieses Gegenstandes verschlang die ganze Zeit unserer Vormittagssitzung bis 12 V- Uhr. Wir nahmen ein frugales Mittagsessen ein und begannen eine Stunde später unsere Nachmittagssitzung, in welcher wir die in voriger Conferenz noch unerledigt gebliebenen Fragen verhandelten, alS: 1) Welches dürfte die einfachste und zweckmäßigste Methode bei dem Uebersetzen aus dem Hebräischen ins Deutsche sein? Die recht lebhaft gewordene Debatte, in welcher zunächst das Uebersetzen des Pentateuchs ins Auge gefaßt wurde, liefert das Resultat: daß die Schüler, welche dabei in zwei Classen zerfallen, in der Unter- Claffe nur einen Theil der Stunde mit wirklichem Unterricht, welcher im wörtlichen Vorübersctzcn Seitens des Lehrers und dem ebenfallsigen wörtlichen Nachübersetzen Seitens der Schüler, wobei die Oberclasse zuhörend Theil nimmt, hin und wieder auch inS Interesse gezogen wird, beschäftigt, und in dem andern größten Theil der Schulstunde die Oberclasse unter stiller Theilnahme der Unterclasse unterrichtet werden, und daß hier das Uebersetzen im Zusammenhänge und darauf das wörtliche mit Berücksichtigung des Grammatikalischen stattfinden sollte. 2) Ist das Verhalten bezüglich das Vergehen der Schüler außerhalb der Schule ins Bereich der Schnldisciplin zu ziehen? Bejahendenfalls, wie weit soll und darf diese sich erstrecken? Diese ebenfalls nicht unwichtige Frage rief eine recht lebhafte Besprechung hervor. Man einigte sich dahin, daß die Schule, da sie nicht blos eine Lehr-, sondern auch eine Erziehungsanstalt der Jugend sei, allerdings auch Alles, was die Erziehung angeht, in ihr Bereich zu ziehen habe. Da man aber bei außerhalb der Schule vorgekommenen Vergehen selten den wahren Thatbestand der Sache rc. zu ermitteln im Stande sei, sollte man gegen solche Vergehen größtentheils nur rügend, ermahnend rc., und nur in sehr wenigen Fällen mit wirklicher Strafe und körperlicher Züchtigung zu wirken suchen. 3) Welche Mittel sind anzuwenden, um religiösen Sinn der Schüler nicht nur für die Schulzeit, sondery auch fürs ganze Leben zu erzielen? Auf diese Frage gingen alle Stimmen dahin, daß die Erzielung des religiösen Sinnes der Schüler für ihre Lebenszeit die eigentliche ganze Aufgabe der Schule überhaupt sei, und daß der Lehrer bei seinem ganzen Unterrichts- und Erziehungswesen dieses Ziel im Auge haben und es zu erreichen streben müsse. Andere und besondere Mittel stünden ihm hierbei nicht zu Gebote. Erft gegen 5 Uhr war man mit der Beantwortung dieser Fragen zu Ende und die Conferenz wurde geschlossen, nachdem die nächste Conferenz bald nach Ostern, so Gott will, in Abterode bei dem Lehrer Westheim, der seine neu erfundene, seit 18 Jahren mit Erfolg angewandte Schreiblesemethode in seiner Schule praktisch veranschaulichen will, abzuhalten bestimmt worden war. Zum Ende wurde noch beschlossen, daß ein Referat im Sinne des vorliegenden für die Zeitung des JudenthumS adgefaßt und eingesendet werden solle im Namen der Mitglieder der Conferenz der israelitischen Lehrer im Kreise Eschwege. Oesterreichischer Kaiserstaat. Lipto Szt. Miklös, 5. August. (Privatmitth. Verspätet.) „Hinter den bescheidenen Schukpforten jener stillen Schulhäuser Ungarns wird dem edelsten Geiste eine blühende Provinz langsam wiedererobert.^ Mit diesen wahrhaft schönen Worten hat der gesinnungsvolle Herr Zirndorf in seinen Wiener Briefen No. 5l. dieser Blätter sein Urtheil über die in Wien abgehaltene Probepredigt unsres Predigers und Oberlehrers Herrn B. Lewinstein einbegleitet und zugleich den Standpunkt bezeichnet, von wo aus er dessen Bestrebungen und Leistungen gewürdigt wissen will. Wie sehr wir daher uns damals freuten, daß die Verdienste dieses seit mehr als einem Decennium in stiller Anspruchlosigkeit bei uns wirkenden Mannes auch bei seinem Erscheinen in der Residenz die gebührende Anerkennung gefunden, so hatten wir zugleich die schmerzliche Vorahnung, wie derselbe durch dieses Debüt die Aufmerksamkeit eines großen Publikums auf sich gezogen und er demnach den bescheidenen Pforten unsres stillen SchulhauseS, wo er dem edelsten Geiste eine ganze Generation erobert, bald auch entrückt werden dürfte. Diese schmerzliche Vorahnung fand auch eine für uns traurige Verwirklichung, indem bald darauf eine achtbare Gemeinde Mährens (Budschowitz) denselben in edelster Opferwittigkeit zu ihrem Rabbiner acquirirte, wo jedoch sonst im umgekehrten Verhältnisse die Gemeinden Ungarns ihre Rabbiner aus Mähren zu holen pflegen.