Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-10-05 · Heft 41 (5.10.1857) · p. Seite 554

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 41 (5.10.1857)
Date
1857-10-05
Page
Seite 554 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3226039-3226081--16410-3245265
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

554 Jurist in Fürth; Dr. M. ßetteviß in Wien; Fassel, Oberrabbiner in Gr. Kanischa; vr. Aub, Rabbiner in Mainz; R. Kirchheim in Frankfurt a. M.; Nr. B. Beer in Dresden; E. Carmoly in Frankfurt a. M.; Treuenfels, Rabbiner in Weilburg; vr. Siegfried Kapper in Dobris; vr.'H. Grätz in Breslau; vr. Levysohn, Prediger in Worms, zu denen noch die drei Leiter des Instituts zu zählen, so wie noch einige Mitarbeiter ihre Zusage noch nicht ganz definitiv mitgetheilt haben. Die zweite schwierige Aufgabe ist nun die Bertheilung des Stoffes in die Hände so vieler gediegener Männer. Ein Näheres hierüber, so wie Ausführlicheres über die Grundsätze und Form wird in Bälde an die geehrten Herren Mitarbeiter gerichtet werden. Möge der schöne Eifer, mit welchem alle diese geehrten Herren die gemeinsame Aufgabe ergriffen haben, und der sich in dem bereitwilligsten Entgegenkommen betätigte, sich fort und fort bewähren, um mit vereinter Kraft über die ersten Schwierigkeiten hinaus zu kommen, da alsdann die Fortführung leicht sein wird! Literarischer Wochenbericht. Weilburg, im September. Die Glaubenslehre der Synagoge als eracte Wissenschaft re. von S. L. Steinheim. Besprochen von Rabbiner Treuenfels. II.*) Was der Verfasser zu geben beabstchtigt, ist im Titel des Werkes bezeichnet und auf den ersten Seiten näher angegeben. Die Theologie, „der Glaube", d. i. der Compler von Lehren über Gott und Welt in ihrem gegenseitigen Verhältnisse, soll nicht länger als auf dunkeln Gefühlen, auf innerlichen Erregungen oder auf einem besonderen Sinne fußend betrachtet, sondern zu einer „eracten Wissenschaft" erhoben werden; d. h. die Glaubenslehren der Synagoge sollen hier als streng bewiesene Sätze auftreten. Der Beweis soll aber nicht auf philosophischem oder gar mathematischem, überhaupt nicht auf apriorischem Wege geführt werden, sondern nach der in der heutigen Naturwissenschaft befolgten Methode der Jnduction. Wie diese von den sich darbietenden, durch Experimente weiter festgestellten Thatsachen ausgehend, Gesetze ableitet, welche die bloße construirende Vernunft weder erfinden *) Siehe No. 17. Der dort abgedruckte erste Artikel dieser Recenston enthält mehr Allgemeines und steht mit Nachfolgendem in keinem engeren Zusammenhänge. Corresp. noch „denken" kann, und sich dennoch denselben „unterwerfen", sie als gegeben hinnehmen, d. h. „glauben" muß, so will St. die Glaubenslehren, von einer Thatsache ausgehend, auf eractem Wege als unumstößliche Sätze, die wir zu „glauben" haben, darthun. Aber er will nicht etwa, wie hiernach vermuthet werden könnte, von der Thatsache der Schöpfung ausgehend, auf den Schöpfer schließen, und so, auf breit getretenem Wege, die „Beweise für das Dasein Gottes" um einen ganz oder halb neuen vermehren; er schlägt einen ohne Zweifel neuen und eigenthümlichen Weg ein: er will die Thatsache selbst, die den Ausgangspunkt seiner Untersuchungen und die Are seines Systems bildet, als eine solche, als eine sich der Vernunft gegen deren Willen aufdrängende, von ihr zu glaubende Nachweisen. Jene Thatsache ist: die Offenbarung; ihr wesentlicher Inhalt: die Schöpfung aus Nichtsdieser Nachweis soll auf dem Wege der eracteu Naturforschung geliefert werden. Gewiß ein lobenswerthes Beginnen und zugleich ein höchst zeitgemäßes, denn die Naturwissenschaft ist jüngst mit Recht als „der gegenwärtige Vorort der geistigen Bewegung" bezeichnet worden. Das Neue und Eigenthümliche liegt nun einerseits in dieser Methode, welche, den Gang der heutigen Naturforschung einschlagend und auf gewisse Resultate der neuesten Physik bastrt, selbstredend von früheren Theologen nicht befolgt werden konnteandererseits in dem Ausgehen der Untersuchung von der und auf die Offenbarung. Der Verf. sucht die Eigenthümlichkeit und die Vorzüge seines Systems durch Vergleichung mit der neueren christlichen Theologie ins Licht zu stellen; werfen wir lieber einen vergleichenden Blick auf die jüdische Religionsphilosophie. Der Cardinalpunkt derselben ist maour» wzn rrnfian, welche auf die eine oder die andere Weise bewiesen werden sollen; die Offenbarung dagegen steht mehr im Hintergründe des p h i l o s o p h i sch e n Systems; ein eigentlicher Beweis für dieselbe wird nicht versucht; man stellt sie eben auch als Thatsache hin, aber als historische, man beruft sich auf den Consensus, auf die nicht zu bezweifelnde Ueberlieferung der Vorfahren*) — Herr St. will diese Thatsache naturwissenschaftlich beweisen. *) Einen Berührungspunkt hat das Steinheim'sche Werk mit dem K o sa r i, der ebenfalls keine argumenta für das Dasein Gottes aufsucht, die Unzulänglichkeit der philosophischen Speculation über Gott und Schöpfung scharf betont und als einzig mögliche Erkenntnißquelle der Religion die Offenbarung bezeichnet — jedoch beweist er nicht, daß die Vernunft dem Jrrthum verfallen müsse.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.