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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-09-28 · Heft 40 (28.9.1857) · p. Seite 541

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 40 (28.9.1857)
Date
1857-09-28
Page
Seite 541 (sequence 3)
Language
German
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541 eine Wiedervergeltung, deren Qualen und Seelenfoltern weit über den Schmerz gehen, welchen die Hand des Mörders verursacht hat? Wo ist da die größere Humanität gegenüber dem bekannten einfachen und milden Gerichtsverfahren der jüdischen Gerichte? Wenn auf eine schwere Körperverletzung das neuere Strafrecht eine mehrjährige Freiheitsstrafe im Zuchthause verordnet, während welcher das Individuum nur tiefer finkt, seine Familie oft in das größte Elend verfällt, seine ganze bürgerliche Lage ruinirt wird — ist darin eine größere Humanität, als in einer entsprechenden körperlichen Züchtigung, die in jenem berufenen Ausdruck nur eben als Wiedervergeltung angedeutet ist?!*) Wir maßen uns nicht an, die modernen Staaten belehren zu wollen, wie fie es anders und besser machen sollen — wir treten nur der heuchlerischen Verhöhnung der mosaischen Institutionen und der gleißnerischen Lobhudelei der modernen Humanität, welche, bei Licht besehen, in Nichts zerfließt, aufrichtig entgegen. Literarischer Wochenbericht. Stolp, im September. Zur S ch u l l i t e r a t u r. I. Haesters' Fibel oder der Schreiblese-Unterricht für die Unterklassen der Volksschule. Für israelitische Schulen bearbeitet von Emanuel Hecht, öffentlichem Religions¬ und Elementarlehrer im Fürstenthum Birkenfeld. (Damit verbunden: Hebräische Lese-Fibel. Nach einer neuen Methode bearbeitet von Emanuel Hecht.) Essen. Druck und Verlag von G. D. Bädeker. 1857. II. Haesters' Lehr- und Lesebuch oder der sinnliche und sittliche Anschauungsunterricht für die Mittelclassen der Volksschule. Für israelitische Schulen bearbeitet von Emanuel Hecht. Essen, Bädeker 1857. — Schon im vorigen Jahre erschien als dritter Theil: III. Haesters' Lehr- und Lesebuch oder die Vaterlands - und Weltkunde für die Oberelassen der Volksschule. Für israelitische Schulen bearbeitet von Emanuel *) In gleicher Weise wird 3 Mos. 24, 17. u. ff. die körperliche Züchtigung für schwere Verletzung der Geldstrafe gegenüber gestellt. Worin übrigens die körperliche Züchtigung bestand, wird 5 Mos. 25, 2 ff. angegeben: „Und es geschehe, wenn Schläge verdient der Schuldige ff." Die Schläge, deren Zahl das Unheil des Richters nach dem Maße der Uebelthat bestimmte, durften die Zahl 40 (nach der Tradition 39) nicht übersteigen und mußten in Gegenwart des Richters applicirt werden. Die Art der Geißlung wird Macc. Mischn. III, 12—14 beschrieben. Hecht. Essen, Bädeker 1856.— Ueber den im vorigen Jahre erschienenen 3. Theil haben sich bereits der Herr Redacteur der Allg. Ztg. d. Judenth. (1856, S. 586.), Herr Rabbiner vr. Hochstädter im „Mgem. Naffauischen Schnlblatt", 1857, No. 5, und Herr Dreifuß, Redacteur des israel.-französischen Journals bien ä'Israsl (1857) genügend und mit vollem Rechte belobend ausgesprochen und das Buch den israelitischen Lehrern und Schulen empfohlen. — Die zwei zuerst genannten Bücher liegen uns jetzt vor und wir können auch von diesen mit voller Befriedigung Empfehlendes sagen; doch aber darf es bei einem Schulbuche, das sich einer allgemeinen Einführung empfehlen will und sich deren erfreuen soll, nicht mit einigen allgemein hingeworfenen Bemerkungen genügen. Ein Schulbuch und besonders eine Fibel ist, so klein sie uns Großen erscheinen mag, doch etwas Großes und Wichtiges für eine gute Volksschule, weil sie die erste Aussaat für ein noch unbebautes Feld bieten soll und sehr viel darauf ankommt, wie methodisch der Elementarunterricht eingeleitet wird. Und wenn freilich der geschickte und geübte Lehrer aus jedem Buche brauchbar unterrichten kann, so liegt doch (wie beim geschicktesten Künstler) ein großer Unterschied darin, ob er feine und zweckmäßige Werkzeuge, oder abgestumpfte und grobe anwendet. Bei einer Fibel aber, die das Kind zu allererst in die Hand bekommt, muß das Buch sehr methodisch eingerichtet sein, damit der Lehrer dadurch nur die halbe Mühe habe. Und ist es irgend mühsam und eben so Herz wie Geist in Anspruch nehmend, um gut und fördernd zu unterrichten, so ist es beim Elementarunterricht. Darum verdienten die Elementarlehrer und Jene, welche ihnen fördernd in die Hände arbeiten, mehr Anerkennung und Würdigung, als es in der Wirklichkeit geschieht, und unsere alten Weisen haben mit gutem Rechte die Kinderlehrer (nYpnsn '‘npfei) hochgestellt, wenn sie den Vers 3. Cap. 12. im Daniel auf sie anwenden, weil nur auf guten Schulen das wahre Heil der Welt ruht (Sabbath 119, b.). Darum hat sich auch Herr Hecht durch die Bearbeitung der genannten Schulbücher ein wirkliches, bleibendes Verdienst um die jüdische Schuljugend erworben und fie verdienen recht viel in die jüdischen Schulen eingeführt zu werden. — Was nun die Fibel betrifft, so ist fie (sowohl die deutsche, als die hebräische) methodisch, d. h. genetisch geordnet und erstrebt einen sehr zweckmäßigen und gehaltreichen Stufengang. Wir legen auf Letzteres einen besonderen Werth. Sehr richtig sagt Haesters im Vor- Worte zur deutschen Fibel: „Das Kind soll nichts Jnhalt- 40*

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