Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-09-21 · Heft 39 (21.9.1857) · p. Seite 535

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 39 (21.9.1857)
Date
1857-09-21
Page
Seite 535 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226039-3226079--16389-3245242
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

§35 Gelehrter rühmlichst bekannte Herr Dr. Asson. Eben so hat Herr Dr. Levi mehrere Werke über Medicin geschrieben, die bei Fachmännern viele Anerkennung gefunden haben. ES giebt hier überhaupt mehrere Advocaten und Aerzte von jüngstem Datum, die auch als Schriftsteller einen guten Ruf genießen und führe ich noch namentlich den Advocaten Herrn Dr. Fortis an. In andern praktisch wissenschaftlichen Fächern zeichnen sich aus die Herren Dr. TreveS, Ingenieur und Mechaniker, Dr. Enrico Sacerdoti, angestellt bei dem k. k. Bauamt in Triest, Dr. Aug. Saraval, angestellt als Ingenieur bei der Eisenbahn in Botzen. Außer mehreren jüdischen Fabrikanten, die es hier giebt, findet sich auch eine größere Anzahl von Grundbesitzern (hier ist bekanntlich Grundbesitz den Juden gegönnt), die sich durch staatsnützliche Unternehmungen, wie Bodenaustrocknungen, Beförderung des Ackerbaues u. s. w. auSzeichnen. Ich will auch der Kunst nicht vergessen; und so führe ich an, daß die prim» äonn» sssolula am Theater la fenia, Fr. Fortunata Todesco, eine Jüdin ist, und Herr Ritter v. TreveS ist Rath bei der Akademie der schönen Künste. Zum Schluffe sei noch angeführt, daß viele Ehrenämter von Seite der Juden bekleidet werden; so ist Herr Mondolfo Vicepräsident der Handelskammer, u. s. w. Sie werden hoffentlich meiner Ansicht sein, daß die Anzahl der berühmten Männer dieser Gemeinde im Verhältnisse zu ihrer Population eine sehr günstige ist. Szarvas (Ungarn), 25. August. (Privatmitth.) Wie so viele israelitische Gemeinden Ungarns, ist auch die hiesige eine noch sehr junge, denn vor 20 Jahren durften hier, außer einigen Regalienpächtern, noch keine Juden wohnen. Doch mit der immer mehr und mehr zunehmenden Toleranz wuchsen auch die anfangs nur wenigen Juden zu einer immer größer» Gemeinde heran, welche heute mehr als 400 Seelen zählt. Seit Anfang deS Jahres 1852 der Sitz und die Hauptgemeinde eines Bezirksrabbiuates, strebte sie auch, den Anforderungen der Religion und der Zeit möglichst genaue Rechnung zu tragen. So bestehet schon seit 5 Jahren unter meiner Leitung und unter Mithülfe eines das Beste wollenden Schulcomites eine recht schön organisirte und Tüchtiges leistende hebräischdeutsch-ungarische Gemeindeschule Mit einem Talmud- Thora-Verein, und von der anderweitigen Opferwilligkeit meiner Gemeinde möge Das den Beweis liefern, daß innerhalb eines Zeitraumes von 10 Jahren dieselbe ein eigenes Gemeindehaus gekauft, ein hübsches Frauenbad erbaut, und daß im vorigen Jahre unter 5 Monaten ohne jedweden früher vorhandenen Fond ein sowohl nach außen als nach innen stattlich hergestelltes Gotteshaus aufgeführt wurde. Bei dieser Gelegenheit kann ich eines ManneS nicht unerwähnt lassen, der durch Energie und eigene Beisteuer sich um diesen Tempelbau besonders verdient gemacht, nämlich deS Herrn Cultusvorstehers Eduard Berger. Was aber der hiesigen Gemeinde besonders zur Ehre und zum Lobe angerechnet werden kann, ist die Eintracht, die bei allen ihren Unternehmungen herrscht. Und so blühet hier, wo vor kaum 2 Decennien keine jüdische Spur zu entdecken war, eine schöne und kräftig aufstrebende Gemeinde zur Ehre deS JudenthumS empor; möge Gott derselben Wohlstand und Gedeihen nach außen hin verleihen, und wir sind zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. — Bezirksrabbiner D. L. Straß er. Gaya, im August. (Privatmitth.) In der vielberegten Chalizahangelegenheit komme ich mit einer wahren Celebrität — Ezechiel La » da u. Dieser gefeierte Rabbiner, diese Autorität in Israel, spricht sich durchaus erschwerend im 'tüto yri: Th. 2. §. 150. aus. Eigentlich erging dort die Anfrage in einem umgekehrten Falle an ihn, wo die Schwägerin zum Islam übergegangen, und dann zum Judenthume zurückgekehrt, aber in einer solchen Entfernung vom Levir war, daß es ihr nicht möglich war, zu diesem zu gelangen. Bei dieser Gelegenheit bespricht nun der Prager Oberrabbiner auch den vorliegenden Fall, und da Ihr Blatt für halachische Argumente nicht allzu willfährig sein kann, so verweisen wir den Leser auf das erwähnte Responsum. Doch das Eine wollen wir nicht unerwähnt lassen. Nach Landau's Ansicht kann der Getaufte ja in jedem Augenblicke seinen Schritt bereuen, seinen Sinn ändern, und im Geiste und mit dem Herzen wieder Jude werden, wieder Jude sein, ohne ein äußeres confessionelles Anzeichen, ohne eine äußere Manifestation zu geben — in derThat eine gefährliche Lockspeise für den Austritt aus dem Judenthume — und in diesem Augenblicke träte ja die Pflicht der Chalizah ein. Dr. M. D u s ch a k, Rabbiner. 39**

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.