Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-09-21 · Heft 39 (21.9.1857) · p. Seite 536

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 39 (21.9.1857)
Date
1857-09-21
Page
Seite 536 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226039-3226079--16390-3245243
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

536 Die Schweiz. Lengenau, im September. (Privatmitth.) Die hohe Erziehungsdirection des CantonS Aargau befaßt sich nun zum zweiten Male damit, den Religionsunterricht für die israelitischen Schüler der Realschulen Baden und Zurzach, zu regeln. Der allgemeine Jndifferentismus hat nämlich auch unsere Israeliten beschlichen, die ihre Kinder ohne Rücksicht auf den religiösen Unterricht in die hohem Bürger- und Realschulen schicken. Schon vor mehreren Jahren wurde eS daher auf Beschwerden von gehöriger (israelitischer) Seite den Schülern der genannten Realschulen zur Pflicht gemacht, in ihren in der Nähe befindlichen Geburtsorten bei geprüften Lehrern den ordentlichen Religionsunterricht zu nehmen; allein die Sache ging nicht, wie es sollte. Jetzt wird es aber wohl gehen müssen, denn in Zukunft werden sich die Schüler nicht nur ausweisen müssen, daß sie den vorgeschriebenen Religionsunterricht von einem geprüften Lehrer genießen, sondern alljährlich eine Prüfung darin ablegen. Nordamerika. New-Aork, im Juli. (Privatmitth.) Daß mail in den orthodoren Gemeinden New-Norks mit dem alten Schlendrian nachgerade unzufrieden geworden, zeigt die Gährung, die man seit einigen Monaten in denselben bemerkt und in einer derselben, der größten in Amerika — der s. g. Norsolkstreet-Synagoge — zum Ausbruch gekommen. Um einige Hundert Dollars zu sparen, schaffte man letzten Winter die Gemeindeschule ab und verkürzte den Gehalt des LorbeterS und Schamaß. In der Gemeindeversammlung vom 31. Mai letzthin brachten die reformfreundlichen Mitglieder einen Antrag ein, dem gemäß die Gemeinde einen Prediger mit einem Jahreögehalte von 1500 biö 2000 Dollars anstellen sollte. Der Antrag wurde verworfen, — selbst der Präsident der Gemeinde ist mit der stabilen Partei gegen diese unverzeihliche Reform, die Anstellung eines Predigers — worauf die besiegte Partei eine eigene Versammlung hielt, um den Beschluß zu fassen, aus der Gemeinde zu treten, und mit den Fortschrittsmännern anderer Gemeinden eine neue zu bilden. Ehe man jedoch diesen äußersten Schritt that, und da diese Partei bei der genannten Generalversammlung nicht gehörig vertreten war, beschloß man, eine Ertra-Gemeindeversammlung berufen zu lassen, um auf derselben noch einen friedlichen Versuch zu machen. Diese Versammlung fand am 5. Juli statt. Auf derselben hatte nun die Fortschrittspartei wirklich die Mehrheit. Aber darauf war der Präsident mit seiner Partei vorbereitet. Sobald der Bericht und Antrag der ersteren verlesen war, begannen einige Männer der letzteren Streit und Balgerei, worauf der Präsident die Versammlung schloß und — zum Fenster hinaussprang. Später wurden Mehrere der Streitenden wegen Friedensbruchs verhaftet. Die Zukunft wird lehren, was die Folge dieser Sache sein wird. — Die Orthodoren New-Uorks scheinen überhaupt schlagende Gründe sehr zu lieben; ähnliche Balgereien kamen vor einigen Jahren in Dr. Raphalls Gemeinde, so wie in der portugiesischen daselbst vor.— Auch unter den amerikanischen Juden New-Uorks regt sich der Fortschrittsgeist, wie ich aus mir persönlich gemachten Mittheilungen sicher behaupten kann. Hätte die Tempelgemeinde daselbst das englische Element auch nur theilweise in ihrem Gottesdienste, so würde sie sich schnell um daS Doppelte vermehren. Oder wäre ein Reformprediger in New-Uork, der in gutem Englisch predigen könnte, so hätte er bald eine der größten Gemeinden Amerikas für sich; das alte Regime, ob portugiesisch-, deutsch-, oder polnisch-englisch, behagt dem gebildeteren Theile der eingeborenen Juden nicht mehr; sie verlangen nach etwas Anderem, und werden es sich ohne Zweifel bald verschaffen, ohne Lärm, Aufsehen und Skandal zu machen. Holland. Amsterdam, 9. September. (Privatmitth.) Von 1796—1807 gab eS in Holland noch keinen Notar jüdischer Confession; König Ludwig Napoleon ernannte einen solchen, und nicht minder König Wilhelm 1832 in Amsterdam, und später noch einen im Haag. Der hiesige Herr Alerander Tüll starb am 4. Mai d. I., und schon befürchtete man, daß bei dem Geiste, der jetzt in Europa hcraufbeschworen wird, kein Jude wieder zu diesem Amte gelangen werde. Es bewarben sich hier 47 Candidaten um die Stelle, worunter 3 Juden, und einer der letzteren, Herr JacobuS Mulder, der Sohn des bekannten DirectorS vr. S. Mulder, wurde zum königlichen Notar in Amsterdam ernannt, obgleich er nur 6 Monate über daS erforderliche Aller (25 Jahre), und in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.