Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 39 (21.9.1857)
- Date
- 1857-09-21
- Page
- Seite 534 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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534 daß dieselbe beiläufig 2200 Seelen befaßt. DaS Budget für die ordentlichen Auslagen beträgt 52,000 Lire, und da der größte Theil der Gemeinde sehr arm ist, so verstehet eS sich von selbst, daß die Reichen die Last zu tragen haben. ES ist die Summe der CultuSsteuer n Italien öfters eine sehr bedeutende, wovon man sich in dem übrigen Oesterreich wohl kaum etwas träumen läßt. So ist es mir bekannt, daß Herr Hirsche! in Triest jährlich 4000 Fl. zahlt. ES könnte dieseals SVI8 SU leoteur mancher jüdischen Gemeinde im Kaiserstaate dienen. Ein großes Uebel für die hiesige Gemeinde ist, daß dieselbe sieben Synagogen hat. Die Kosten der Erhaltung erlangen dadurch eine bedeutende Höhe, um nur die Beamten vor Hunger zu schützen, und waS eben so arg ist, die Judengemeinde hat nicht so viele Personen, um alle diese ziemlich geräumigen Synagogen zu füllen, und ein leeres Gotteshaus macht keinen guten Eindruck. In der Hauptsynagoge Spagnola ist Musica, wie man hier sagt, d. h. eS bestehet ein Chor, der auf Kosten deS Herrn Ritter v. Treveö eingerichtet und nun von der Gemeinde erhalten wird; jedoch merkt man nichts davon, daß aus italienischen Kehlen das Lob Gottes ertönt. Es ist auch nicht einmal der leiseste Vergleich mit dem Chore im Wiener Tempel zu machen. WaS aber sehr störend einwirkt, ist, daß das Publikum nicht jenen Anstand im Golteshause wahrt, wie er sich ziemt. Ganz laut wird geschwätzt und geplaudert, so daß man manchmal wirklich Roth hat, den Vorbeter zu verstehen. Hingegen muß ich einen sehr lobenswerthcn Gebrauch anführen. ES wird nämlich die Wiederholung (chasara) bei der Schmone essre ganz weggelassen. Wenn der Chasan das Jebarech'cha sagt, legen die Väter den Kindern, die sich um sie sammeln, die Hand auf den Kopf und segnen sie. Es bestehet hier eine Talmud-Thora-Schule und auch eine Mädchenschule; jedoch ist in dieser Beziehung noch so Manches zu wünschen übrig. Insbesondere wäre noch so Manches in Betreff deS eigentlichen Religionsunterrichtes zu wünschen. Die Geschichte unseres Volkes ist den Mädchen, denen eine bessere Frequentation zu wünschen wäre, ein beinahe ganz verschlossenes Buch, und den Knaben ist sie nicht in der Weise geläufig, wie sie sein sollte. Da wäre aller, dingS ein Gebiet, wo sich noch Vieles thun ließe. Außerordentlich wohlthätig zeigt sich die Wirksamkeit deS Herrn Rabbiners A. LatteS. In väterlicher Weise sorgt er für die Armen, und ihm ist eS zu verdanken, daß die Behörden bei Geldvertheilungen, welcher Art immer, in gleicher Weise die jüdischen wie die christlichen Armen bedenken. Ferner sorgt derselbe für Knaben, die sich einem Handwerke widmen wollen und bringt dieselben bei den betreffenden Lehrmeistern unter. UeberdieS hat derselbe eine Soviel» Lloteenies begründet, die den Lehrlingen nach vollendeter Lehrzeit die Mittel giebt, um sich HauS und Herd zu begründen. Eben so ist derselbe bedacht für die Bildung und Erziehung der Mädchen und schickt sie in die öffentlichen christlichen Schulen, wo dieselben schon öfters durch Prämien ausgezeichnet wurden. Eben so freuet eS mich zu berichten, daß die Knaben und Jünglinge mit Auszeichnung Gymnasien, Realschulen und die Universität besuchen. Venedig zählt viele Israeliten, die sich in mannigfacher Beziehung auSzeichnen. Ich erlaube mir, einige davon zu nennen, und lasse der Wissenschaft den Vortritt. Herr Professor S. Romanin, Mitglied deö Imp. Istituto veneto di scienze lettere ed arti und der gelehrten Gesellschaft zu Padua, Verfasser der stori» venezia documentata, wovon eben jetzt der fünfte Band erscheint. Herr Romanin besitzt deutschen Fleiß und deutsche Gründlichkeit, dabei aber eine besondere Feinheit deS StylS. Er gehört zu den Wenigen, die die Werke deutscher Forscher in der Ursprache lesen. Derselbe hat sogar in der k. k. Akademie der Wissenschaften zu Wien einen Vortrag: „Ueber eine bestrittene Urkunde Lothars, welche die venetianische Geschichte betrifft", in deutscher Sprache gehalten, die in den Sitzungsberichten abgedruckt ist. Ich muß insbesondere hier daö hervorheben, daß derselbe zugleich daS Recht seiner Glaubensgenossen vertritt. Möge es demselben gegönnt sein, bald das Werk zu Ende zu führen. Primärarzt des Spitalö ist der sehr verdienstvolle Herr l>r. RamiaS. Ich habe dabei bloS zu bemerken, daß hier kein besonderes israelitisches Spital bestehet. In dem allgemeinen Spital befindet sich eine Abtheilung für jüdische Kranke, denen Koscherkost gereicht wird re. Herr Dr. RamiaS ist auch beständiges Mitglied der Sanitätscommission bei der k. k. Statthalterei; überdies aber ist derselbe Secretair deS I. II. Istituto veneto di seieuze lettere ed arti. Secretair des Atheneo veneto ist der als Arzt und