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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-09-21 · Heft 39 (21.9.1857) · p. Seite 532

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 39 (21.9.1857)
Date
1857-09-21
Page
Seite 532 (sequence 8)
Language
German
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532 licke Schulsache; es darf jedoch vorausgesetzt werden, daß jeder israelitische Lehrer schon deö Beispiels wegen, daS er der Jugend zu geben schuldig ist, nicht unterlassen werde, dem Rabbiner die ihm gebührende Achtung zu erweisen. Brünn, am 6. Mai 1857. Der Statthalter Lazansky m. p. Vorstehender h. Statthalterei-Erlaß wird hiermit in Abschrift zur weiteren Veranlassung mitgetheilt. Boskowitz, den 13. Juli 1857. Mit Hochachtung Abraham Plazek. Einem ehrsamen Gemeindevorstande zu Jamnitz. Wien, 11. September. (Privatmitth.) Die Beschncidungsfrage, angeregt durch Herrn Rabbiner Dr. Ehrentheil, füllt jetzt beinahe die gesammte deutsche Journalistik. Sie ist eine csuse celebre geworden. Die Angelegenheit hat jedenfalls eine große Bedeutung. Nichts desto weniger erlauben Sie mir auszusprechen, daß, wie mir scheint, Herr l)r. Ehrentheil in seinem Eifer für die Sache etwas zu weit gegangen sei, indem er beim hohen Ministerium als Kläger auftritt. Es ist das einmal eine interne Angelegenheit und ich halte eS für sehr mißlich, wenn interne Angelegenheiten gebracht werben. Es kann sich hier durchaus nicht darum handeln, für spätere Fälle vorzubeugen, denn es liegt in der Macht eines jeden Rabbiners, keinen Knaben in das Geburtsbuch einzutragen, in so lange derselbe nicht beschnitten ist, und dann muß sich der Vater entscheiden. Hier in dem gegebenen Falle scheint dieses nicht beachtet worden zu sein. WaS soll also jetzt das Ministerium für den Fall entscheiden? Es kann wohl eben so wenig die Taufe oder die Beschneidung anordnen. Bis das Kind aber selbstständig geworden ist, dächte ich, kann man demselben durchaus nicht den Religionsunterricht in der jüdischen Glaubenslehre versagen. Vielleicht wird das Kind dadurch so glaubensstark, daß es dann aus freiem Antriebe sich dieser Operauon umerzieht. — Jedenfalls aber halte ich es für kein Glück, über eine innere Angelegenheit eine äußere Mach! zu fragen, und kann nur wiederholen, daß ich aus vollem Herzen den Feuereifer deö Herrn Dr. EhreiuheU zu würdigen weiß. — Unklar ist es mir jedoch, waS das Memoire deS Herrn Rabbiner Fasse! bezweckt. Aus mannigfachen Handlungen der österreichischen Regierung geht zur Genüge hervor, daß sie in religiöser Beziehung durchaus keine Freigeisterei gestattet und es kann also nach wie vor nur die Frage sein, was in dem vorliegenden Falle zu geschehen hätte. — Wie ich mit Bedauern vernehme, ist mehreren Israeliten, die in jüngster Zeit petirt haben, denselben zu gestatten, Grundbesitz anzukaufen, diese Bitte versagt worden. Bis jetzt kam dieses selten vor und wurde diese Bitte stets gewährt. Es scheint überhaupt in diesem Momente ein anderer Geist zu wehen. Möge das herannahende neue Jahr für uns ein segensreiches sein! Wien, im September. Da die specifisch katholischen Journale Oesterreichs sich so häufig mit bitterster Feindseligkeit gegen die Juden äußern, so ist eS wohl hier am Platze, den Anfang eines Artikels wiederzugeben, welchen die „Oesterreichische Zeitung" brachte, und die „Augsb. Allg. Ztg." wiederholte. Er lautet: „Die katholische Kirche ist in Oesterreich die herrschende, begünstigt wie in keinem andern Großstaat der Welt. Hier ist es so überflüssig, die Kirche zu vertheidigen, wie in Rußland die Monarchie, oder in den Vereinigten Staaten und in der Schweiz die Republik. Ein Fünftheil der Bevölkerung, gespalten in ein halbes Dutzend verschiedener Bekenntnisse, wünscht als Höchstes, in seinen Menschenrechten nicht gekränkt zu werden. Es verhält sich im ausgedehntesten Sinn des Wortes defensiv, und ist froh, wenn man ihm ungeachtet seines Glaubens seine politischen und bürgerlichen Befugnisse in gleichem Maße mit seinen Mitbürgern beläßt. Weil die katholischen Journale hier nichts zu vertheidigen haben, weil von ihren Rechten keines gekränkt werden könnte, so übernehmen sie eine ganz andere Rolle. Es ist wahr, sie affectiren manchmal zu glauben, daß man ihre Kirche angreifcn wollte, und rüsten sich zornig zur Abwehr. Das sieht so aus, als ob ein Regiment Soldaten das Ba« jonnet fällen würde, um ein Paar unbewaffnete Männer, welche auf der Straße gehen, von sich abzuhalten. Wer sich ohne Grund so ängstlich anstellt, der will seine angenommene Furcht zum Deckmantel eines Unrechts benützen, der sinnt auf einen Angriff, auf eine Ausrede für eine Gcwaltthat. Wir haben nicht ohne Ueberlegung das Wort ausgesprochen, daß die katholischen Journale Oesterreichs Schaden und Verwirrung stiften: Verwirrung, weil sie ohne Beruf über Dinge urtheilen, in welchen ihnen keine Au«

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