Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 39 (21.9.1857)
- Date
- 1857-09-21
- Page
- Seite 530 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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530 daS Nichtbeschneiden noch mehr in die Mode zu bringen. Durch die Drohung, solche Juden nicht mit Jüdinnen zu copuliren (man möchte wohl mit Macduff dem Herrn Fasse! zurufen: „er hat wohl keine Töchter!"), schreckt wenig ab, da es theilS an geistlichen Copulantcn nie fehlen wird, theils man solcher im Judenthum ja leicht entrathen kann. Uebrigens giebt es ja noch mehrere Kategorien von Juden, die eigentlich nicht jüdisch hcirathen sollen, z. B. Bastarde, SabbathS-Parrhösiasten u. dgl. m. Wäre eS nicht klüger, wenn unsere Heroen ruhig daS Haupt in ihren Mantel verhüllten? Der alte Codex hat nun einmal diese Lücke gelassen, und sie mit Barbara, Celarent re. zu stopfen, das geht jetzt nicht mehr an. Sehr zahlreich können übrigens die Contravenienten nur dann werden, wenn man recht vielen Lärm gegen sie schlägt. Oesterreichifcher Kaiserstaat. Prag, 20. August. (Privatmitth.) Das Ende des Schuljahrs (in Oesterreich dauert das Schuljahr vom Oktober bis Ende Juli) fordert mich aus, Ihnen einige Nachrichten über die geistigen Pflanzstätten der Jugend zu geben. Prag hat so viele Schulen und (namentlich Privat-) Lehranstalten, daß es in Oesterreich wohl als Muster dienen kann. Auch haben die meisten derselben bei den Prüfungen erfreuliche Resultate aufgewiesen. Es ist nicht zu verkennen, daß im verjüngten Oesterreich mit der Zeit ein Lehrerstand hcranwächst, der dem Lande herrliche Früchte tragen wird, doch geht das natürlich nicht mit einem Mal, wie mit einem Zauberschlage, sondern wird und muß die Folge einer allmähligen Entwickelung sein. Dies im Allgemeinen Gesagte gilt auch von den hiesigen jüdischen Schulen. Werfen wir einen Blick auf die seit Jahrzchenden bestehende Josephstädter (jüdische) Hauptschule, so ist der Eindruck keineswegs ein angenehmer. Ich will heute nicht davon reden, daß die braven Lehrer an derselben so schlecht besoldet sind, daß sie zur Erhaltung ihrer Familien auf Privatstunden angewiesen sind, sondern davon, daß sie meist nur von der ärmern Classe besucht wird, unter der noch der schönste Jargon florirt. Die Wohlhabendem lassen ihre Kinder entweder im Hause unterrichten, oder schicke» sie in andere öffentliche und Privalaustalten. Letztere gedeihen um so mehr, da sie auch vom Lande vielfach benutzt werden. Nun hat der Director der Josephstädter jüdischen Hauptschule vor einigen Wochen über einige der jüdischen Privatanstalten eine Beschwerde an die Behörde gerichtet, des Inhalts, daß sie ihre Befugnisse überschreiten, theils durch einen zu ausgedehnten Untcrrichtsplan, theils durch Annahme von Schülern, während sie nur Pensionaire haben dürften u. s. w. Der Erfolg soll für die betreffenden Jnstüutsinhaber indeß nicht ungünstig gewesen sein. Recht erfreulich ist das Aufblühen der vor etwa einem Jahre von Frau Rosenberg gegründeten Waisenanstalt für jüdische Mädchen. Von vielen edlen Frauen unterstützt und von einer tüchtigen Lehrerin und Erzieherin, Fräul. Fröhlich unter Beistand eines Comite's geleitet, geht diese Anstalt einer schönen Zukunft entgegen. Den ersten, jetzt ausgegebenrn Jahresbericht wird jeder Menschenfreund mit Befriedigung lesen. Könnten wir etwas AehnlicheS doch auch von dem Waisenhaus für jüdische Knaben sagen! Doch davon spricht man nicht gern. Desto lieber aber davon, daß auch in der hiesigen höhern Handelsschule die jüdischen Schüler den Ruf behauptet haben, den sie in Deutschland, und trotz des österreichischen pädagogischen Wochenblattes, auch in Wien sich erworben haben. Bei der öffentlichen Prüfung (zu der daS hohe Ministerium erpreß von Wien einen Commiffär gesandt hatte, weil es die erste Prüfung an der ersten und einzigen höhern Handelsschule in Oesterreich war) wurden von elf Preisen, der erste und zweite und noch drei, also im Ganzen fünf, an jüdische Schüler, die etwa ein Drittel der Gesammtzahl ausmachen, ertheilt. Beiläufig sei gesagt, daß auch aus der jüdischen ReligionSlehre geprüft wurde. Da die Frage über den Erwerb von Grundbesitz noch immer eine offene ist, so verdient bemerkt zu werden, daß die Pesther Handelskammer sich letztens eben so verständig, wie human zu Gunsten der Juden ausgesprochen hat. Brünn, im August. (Privatmitth.) Einen erhebenden Act für die hiesige israelitische Cultusgenoffenschaft bildete das Leichenbegängniß ihres Vorstehers, deS Herrn Philipp Gomperz, welcher am vergangenen Tischah beab im 75. Jahre seines Lebens selig verschieden und am 2. d. zu Grabe getragen wurde. Der Name Gomperz wird schon fast ein Jahrhundert hier in Brünn achtungsvoll genannt. Der Verewigte