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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-09-21 · Heft 39 (21.9.1857) · p. Seite 529

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 39 (21.9.1857)
Date
1857-09-21
Page
Seite 529 (sequence 5)
Language
German
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529 Identification der TE-schachril und Essäer ein, 1) daß Erstere nach Berachot 22, s. so hießen, weil sie nach einer Pollution ein Morgenbad nahmen, und 2) daß Zosephus den Essäern ein Baden vor Tische und Abends, aber ein Morgenbad gerade nicht zuschreibe; Beides habe ich S. 397. oben gegen diese Identification eingewendet. — S. 238. will er von Herrn Dr. Beer einmal mündlich vernommen haben, daß sei; aber das Las er ja gedruckt bei mir S. 391.! — Und einige Zeilen weiter ^erlaubt er fich", die Mischna Demaj jer. 2, 3. buchstäblich so zu emendiren, wie er bei mir S. 391. sie emendirt gefunden hatte! Den Namen dieses Herrn kann ich leider nicht angeben, da ihn derselbe oder der Nedacteur für die zugesagte Fortsetzung aufgespart hat, diese aber noch immer nicht erschienen ist. Auch füge ich kein weiteres Wort hinzu; wie das Verfahren zu bezeichnen sei, daß Jemand einen Autor blos da anführt, wo er dessen Ansichten kurzweg verwerfen will, diejenigen Ansichten und Ergebnisse desselben aber, welche bei ihm Gnade finden, für die seinigen ausgiebt, auf 6 Seilen 12 Plagiate: möge der Leser entscheiden.*) vr. Herzfeld. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hamburg, Anfang September. (Privatmitth.) Die Stelle eines HülfSpredigerS am hiesigen Tempel ist noch nicht besetzt. Unter den verschiedenen Bewerbern wurden zwei, die Herren Candidat Chronik und Or. K o r n zu Probepredigten aufgefordert. Jeder predigte ein Mal nach einem selbstgewählten und ein Mal nach einem ihm von der Cultuscommisston (in welcher die Herren vr. Kley, Salomon und Frankfurter) gegebenen Terk, und lieferte außerdem einen theologischen Aufsatz, ebenfalls nach Aufgabe. Wir lernten in dem (erst 24 Jahr alten) Herrn vr. Korn ein gerades Herz, ein strebendes Talent, eine feste Gesinnung, und in Herrn Chronik einen reichbegabten Geist, eine classtsche Ausbildung, *) Niemand könnte über ähnliches Verfahren mehr klagen, als wir. Auch wir können Schriften anführen, wo unsere Ansichten wörtlich wiedergegebe» wurde», unser Name aber nur angeführt ward, wo man uns einen Hieb beibringen zu können glaubte. Wir schwiegen stets, weil — in solchen Dingen die Nachwelt doch das Recht des Eigenthums anerkennt. Die Redaction. eine edle Richtung kennen. Doch gelang eS nicht, in der großen Wahlcommission von 30 Stimmgebenden, welcher die Berichte der Prüfungsbehörde Vorlagen, die erforderliche Majorität für einen dieser Herren zu gewinnen. Demnach wird Herr vr. Frankfurter vorläufig sämintliche Predigten übernehmen. Möglich, daß deshalb die Neilahpredigt am nächsten Jomkippur wegfällt. Der hiesige sogenannte Synagogen-Verein, welcher danach strebt, in den Synagogen vom alten Ritus, namentlich in der jetzt im Bau befindlichen, einen geregeltereil Gesang einzuführen, hat sich jetzt mehr consolidirt, seine Mitglieder fester gebunden, Sitze auf ein volles Jahr vermiethet und einen Chasan, ebenfalls auf ein Jahr, fest engagirt. Letzterer ist auS Prag, und man zweifelt, ob er seiner Aufgabe, etwas Alt-Neues zu erschaffen, gewachsen sei. Beiläufig sei hier bemerkt, daß eS in den hiesigen alten Synagogen zu keiner Zeit an äußerer Ordnung und Ruhe gemangelt hat und daß, abgesehen von seltenen, wohl überall mitunter vorkommenden Störungen, die von so vielen Seilen vernommenen Klagen über geräuschvolles Hin- und Herlaufen, Ueberfchreien und Uedergreifen von einzelnen Personen, Kindern und Fremden hier fast ganz unbekannt waren.*) Die Unzulrägtichkeile» dieses Ritus, die es freilich erst dann find, wenn man darauf aufmerksam wird, liegen auf einer ganz andern Seite! Jndeß — über Geschmackssachen läßt sich nicht streite». Neulich hat eine hiesige Dame unseren Anstalten einige hundert Thaler vermacht und sich in ihrem Testament so ausgedrückt: obgleich ich als Christin gelebt habe und auch so zu sterben gedenke, will ich doch zeigen, daß ich es für Christenpflicht halte, auch etwas für die jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten zu thun re. Ob es wohl je einem Juden eingefallen ist, seinen Legaten für christliche Arme ein solches quasi, entschuldigendes „obgleich" anzufügen? Der Erlaß der österreichischen Regierung über die unbeschnittenen Juden stimmt fast wörtlich mit dem Decret des hiesigen Senats in gleicher Materie. Die Agitation, die Herr Fasse! jetzt unternimmt, kann leider! schlechterdings keinen andern Erfolg haben, als *) Mir liegt z. B. ein etwa 90 Jahre alter Cherus vor, der das Anbiete» von Schnupftaback in der Synagoge, als allzu störend, bei einem Thaler Strafe verbietet!

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