Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 38 (14.9.1857)
- Date
- 1857-09-14
- Page
- Seite 519 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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519 könne, ohne Juden zu treffen. DaS ist kein Wunder. Aus dem benachbarten Elsaß kommen die dortigen Juden in unser Land, wo sie vertragsmäßig wenigstens im Westen sich niederlaffen dürfen. Aber auch vom Rheine her, aus dem benachbarten badischen Seekreis, wo sie sich nicht regen dürfen, haben manche Glaubensbrüder, hauptsächlich im Canton Zürich, ein bequemes Plätzchen gefunden, wo sie sich mit ihren Familien wohl befinden. Ihr Vaterland gewährt ihnen noch immer keine freie Niederlassung. Mögen sie in der Schweiz hiefür Ersatz finden. Sämmtliche' kleinen Gemeinden in der Westschweiz haben keinen Rabbiner. Obschon Franzosen, stehen sie als Bewohner eines fremden Landes nicht unter den französischen Consistorien, so wie auch nicht unter den schweizerischen Rabbinen. Sie beklagen beides nicht. Einige haben sich freiwillig unter die Aegide des Herrn Rabbiners Nordmann in Hegenheim begeben und der Besucher sieht es ihnen bald an, daß ein vernünftiger Geist in ihnen wohnt. Sonst ist über diese neue Colonie nichts Interessantes zu berichten, man mag sich noch so viele Mühe geben. Wollen sehen, wie sich Genf anstellt, das eine Synagoge bauen will. M. I. B. England. London, im August. Nach dem Jew. Chron. hat sich die Universität von Cambridge entschlossen, auch Juden zu graduiren, und geschah dies am 5. Juli mit Herrn Arthur Cohen, einem Neffen des Baron von Rothschild. — Der Vicekönig von Aegypten hat seinen einzigen Sohn, einen Knaben von 5 Jahren, dem Sir Moses Montefiore anvertraut, um ihn der Gesundheit wegen mit nach Europa zu nehmen. Rußland. Aus Litthauen, im August. (Privatmiith.) Ich beeile mich, Ihnen hiermit die Nachricht mitzuheilen, welche wir so eben von Petersburg von einer hochgestellten Person erhalten haben, daß nämlich, nachdem die Rabbinercommission ihre Sitzung vor Kurzem geendigt hat, die Rabbiner das Glück hatten, eine Audienz beim Minister des Innern zu erhalten. Er nahm sie sehr freundlich auf, dankte ihnen für ihre Ergebenheit, und versprach im Namen des Kaisers, fortan Gutes für ihre Glaubensgenossen zu wirken. Am zweiten Tage wurden die Rabbiner durch den Secretair des Ministers berichtet, daß er (der Minister) die Protokolle der Rabbinercommission mit Vergnügen durchgelesen und einen Auszug davon dem Kaiser vorlegen wolle. Hoffen wir also, wie Sie, Herr Redakteur, in No. 20. d. Ztg. sich ausdrücken: Gerechtigkeit und Humanität baldmöglichst siegen zu sehen! Nach Beschluß des zu Petersburg bestallten Comites zur Ordnung der hebräischen Angelegenheiten hat der Herr und Kaiser am 13. Mai c. zu befehlen geruhet: fortan den polnischen Juden zu erlauben, sich in Rußland einschreiben zu lassen. Es wurde solches bisher nur unter großen Schwierigkeiten und nur selten den Juden erlaubt. Am nämlichen Tage hat der Herr und Kaiser nach Beschluß des Comite's zur Ordnung der hebräischen Angelegenheiten und folglich nach Vorstellung des Ministers der Volksaufklärung allerhöchst zu befehlen geruhet: den Jnspectoren der Rabbinerschulen, wie auch den hebräischen Lehrern aller Kronschulen, ebenso den gelehrten Hebräern, welche bei dem Minister der Volksaufklärung und bei dem Fürsorger der gelehrten Kreise angestellt sind, das Tragen der Montur-Fracks und Siurtuken dieses Ministeriums während der Dienstzeit zu gestatten. (Journal S. O.) Zitomir, im August. (Eingesandt.) In der uns verspätet zugekommenen No. 10. dieses Blatteö sucht „ein Correspondent über Brody" unser ganzes Schulwesen anzuschwärzen, schilt die jüdischen Lehrer derselben ungeschult, unwissenschaftlich, und wünscht, daß die Regierung ausländische Lehrer hierher berufe oder Zöglinge nach dem Auslande schicke. Wir wollen der Wahrheit zur Ehre uns die Mühe nehmen, in die Widerlegung jener Anklagen uns einzulassen. 1> Wird in diesen Blättern sehr oft über Mangel an tüchtigen jüdischen Lehrern für Deutschland selbst geklagt, wie kann man also von diesem kärglichen Boden noch Ausfuhr für andere Länder erwarten? Und dann wissen wir noch nickt, ob solche Lehrer uns noth thun; denn profane Gegenstände werden hier in der Landessprache, in der russischen nämlich, vorgetragen, die dem Ausländer meistens fremd ist; TiaVn ,-s-n '121 ö^ptnen aber sind doch in Rußland und Polen zu Hause und als einheimische Producte zu betrachten. Haben wir doch nie m&nin ■m» vom AuSlande geborgt! — Und was die hebräische Belletristik 38