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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-09-14 · Heft 38 (14.9.1857) · p. Seite 520

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 38 (14.9.1857)
Date
1857-09-14
Page
Seite 520 (sequence 10)
Language
German
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520 betrifft, so haben wir Schullehrer aufzuweisen, die durch ihre rühmlichen Produkte sich um die hebräische Literatur viel verdient gemacht haben, und auch im Auslände anerkannt werden. 2) Daß den jüdischen Schullehrern profanes Wissen und die Landessprache fremd seien, ist eine Lüge. Es giebt fast keinen jüdischen Lehrer in den beiden Rabbinerschulen, wie auch in mehreren Schulen erster und zweiter Abtheilung, der nicht neben gründlicher Fachauch Sprachkenntniß besitzt und die Wissenschaften mehr oder weniger cultivirt. — „Aber sie sind ungcschult, Autodidakten!" Ja, Herr Referent, das sind sie freilich; aber auch Mendelssohn, Krochmal, Rappoport und fast alle jüdischen Koryphäen der Vorzeit, wie auch viele der Gegenwart, waren und sind ungeschult, Autodidakten! — Männer, die, nachdem sie ihre Jugend im Talmudstudium verbracht, sich dann ausschließlich der Wissenschaft ergeben und manchen schweren Kamps für die Bildung zu bestehen gehabt, und manches schwere Opfer für die Verbreitung des Lichtes gebracht haben, Männer, die sich bereits mehrere Deeennien mit der Ausbildung der Jugend beschäftigen, früher privat, jetzt öffentlich, und die unter ihren Privatschülern Gelehrte, wie auch gebildete Kausieute auszuweisen haben; kurz Männer, die unter der pädagogischen Fahne ergrauten, sollten mit mehr Schonung behandelt werden; leider aber müssen wir noch die Worte Jschaja's fühlen: ipr2 isi-it *72522. 3) Ist es eigentlich nicht zu läugnen, daß mancher Zögling wenig Neigung für 2^2727 “nabn zeigt, so ist doch weder der Lehrer, noch sein Vortrag daran schuld; nur ist der Talmud weder Roman, noch Novelle, welche beide der Schüler in fremden Sprachen findet und mit Heißhunger verschlingt. Solche Schüler aber achten in der Regel auch wenig auf alle ernste Gegenstände, — dagegen giebt es aber auch solche, und zwar die Mehrzahl, die dem ernsten Studium obliegen, ihre Bestimmung verstehen, und ihre Aufgabe mit der größten Hoffnung für die Zukunft lösen. 4) Ist der Zweck des praktischen Jahres der Rabbinercandidaten bei einem Rabbiner, um religiösen Acten, wie Trauung, itsfbn ,us u. dgl. beizuwohnen, die sie in der Schule unmöglich praktisch erlernen können; dazu aber braucht man nicht nach dem Ausland zu reisen. Freilich könnten sich die Zöglinge manches Wissen im Auslande erwerben, aber mehr Einfluß dadurch auf daS Volk zu erlangen, wie sich der Referent ausdrückt, ist Jrrthum, da das hiesige jüdische Publikum wenig Zutrauen zu dem deutschen Rabbinerthum hat. Schließlich habe ich die Ehre, Ihnen folgenden Specialbericht über die Rabbinerschule in Zitomir mitzutheilen. Anno 1847 von der löbl. Regierung gegründet, zählt dieses Institut circa 200 Zöglinge, worunter 47 Kronspensionaire sind, die, während der Zeit ihres Studiums von der Regierung mit Allem versorgt, dafür die Obligation haben, nach beendigtem Studium 10 Jahre als Lehrer oder Rabbiner, je nach dem Zwecke ihres Studiums, bei übrigens firem Gehalte zu fungiren. — Das Institut hat 8 jüdische und eben so viel christliche Lehrer, einen Direktor und einen Oberaufseher aus den Christen und einen jüdischen Jnspector, die sämmtlich ihren Gehalt vom Staate erhalten. Die Schule wird in 7 Gymnasialclassen, wovon die ersten drei VorbereitungSclassen genannt werden, und 3 Curse cingetheilt; der erste Kursus für Pädagogen-, die andern zwei für Rabbinercandidaten, die nach Beendigung derselben noch ein Jahr bei einem Rabbiner oben benannten Zweckes wegen zu prakticiren haben, und nach einem dann stattfindendcn Totaleramen zur Rabbinerwürde promovirt werden. Pädagogen hat die Schule schon bereits geliefert, welche in den Schulen erster und zweiter Abtheilung zur Zufricdenhcit Aller segensreich wirken. — DaS Programm der jüdischen Gegenstände ist folgendes: 1) Bibel, nach Mendelssohns Uebersetzung, in den höhern Claffen aber nach dem Bibelwerke des Herrn Dr. Philippson erklärt; 2) Hebräische Grammatik und Styl; 3) Geschichte der Juden nach Herrn Di*. Jost; 4) Mischna; 5) Gcmara mit Raschi und Tosefot; 6) Alfos, Rosch Tur, Maimonides, Schulchan-aruch, chaje-adam; 7) More Ncvochim, Kuzry, chobat-halbabot, Akeda ic.; außerdem noch folgende profane Gegenstände: russische und deutsche Sprache, Geographie, Geschichte, Mathematik rc. Auch hat neulich die Regierung eine Summe jährlich zur Unterhaltung eines besondern Betlocals für Schüler und Lehrer bewilligt, da sie bis jetzt in dem engen Schulraume ihren Gottesdienst halten mußten. Ein Chor, aus der Schuljugend gebildet und von einem besonders dazu bestimmten Musiklehrer geleitet, ist hier schon seit einigen Jahren inö Leben gerufen. — Möge also jeder für das Judenthum inleressirte

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