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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-09-14 · Heft 38 (14.9.1857) · p. Seite 516

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 38 (14.9.1857)
Date
1857-09-14
Page
Seite 516 (sequence 6)
Language
German
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516 Zeitungsnachrichten. OesterreichLscher Kaiserstaat. Hollischau in Mähren, 4. August. (Privatmitlh.) Wir sind hier in vollem Wahlkampfe begriffen. Der Vorstand nämlich hat in corpore seine Entlassung eingereicht und zwar hat er dabei nur dem Wunsche der Gemeinde entsprochen. Ich muß nur dabei bemerken, daß der Bürgermeister stets selbstständig für den ganzen Vorstand handelte. Nachdem aber das. Bevormundungssystem aufgehört hat, so mußte diese Anomalie weichen. Zu wünschen wäre es nur, daß jetzt ein tüchtiger Bürgermeister daS Amt übernehme. Hollischau gehörte früher zu den vorzüglichsten Gemeinden, und cs hat noch jetzt die Elemente, eine solche zu werden, wenn der rechte Mann an die Spitze käme. Für das hier begehende Bethhamidrasch, eine Klause, gegründet von dem damaligen mährischen Landesältesten, Herrn Herz, hat Herr R. Kohn in Kremsier eine Stiftung von 3000 Fl. gemacht, um die Gehalte der daselbst sich befindlichen Lamdonim zu erhöhen. Zu wünschen wäre eS, daß auch Etwas geschehen möchte, um die Bibliothek durch neuere Werke zu vergrößern. Eben so hat Herr Di-. G. Wolf, ReligionSlehrer in Wien, zum Angedenken seiner seligen Mutter eine Stiftung zum Besten einer zu gründenden jüdischen Volksschule gemacht. Zum Schluffe noch ein Pröbchen von hierarchischem Gelüste und von der Autokratie „kleiner Herren". Seit längerer Zeit bestehet in vielen Gemein-? den Israels, Wien, Prag, Proßnitz, Berlin, Paris rc. der fromme Gebrauch, die Gräber der Verstorbenen mit Blumen zu schmücken. Jüngst kam hier ein ähnlicher Fall vor und zwar von einem Manne, der selber das Wort Gottes lehrt; doch der Rabbiner verweigerte dies. Nach dem ynr: iipu gefragt, antwortete derselbe, er sei nicht schuldig, diesen anzugeben. Das Synhedrion war verpflichtet, sein Urtheil zu begründen. Doch ein Hollischauer Rabbiner spricht: Sic volo, sic jubeo. Ist Ihnen, Herr Rabbiner, bekannt, daß es nicht gestattet sei, die Gräber zu schmücken? — Ich bitte um Antwort.*) *) Der Herr Rabbiner in Hollischau wußte eben keinen triftigen Grund anzugeben, aus welchem es verboten sei, das Grab mit Blumen zu schmücken! Redaction. Wien, 9. August. (Privatmitth.) Es dürste beiläufig ein Jahr sei», da theilte ich den Lesern dieser Blätter mit, daß ein Statthaltereierlaß in Ungarn den untern Behörden aufträgt, die Juden, die sich unrechtmäßiger Weise in Grundbesitz eingeschlichen haben, zu erpropriiren. Jener Erlaß wurde damals den Behörden mitgetheilt, jedoch nicht officiell für die Ocffentlichkeit bestimmt. Ein ähnlicher Erlaß ist jetzt in Betreff Siebenbürgens von der Hermannstädter Statthaltcrei erschienen und zwar auf Entscheidung deS Justizministers, und eigenthümlich genug wird derselbe in der officiellen „Wiener Zeitung" mitgetheilt. — Es hat die Judenfragc seit beiläufig einem halben Jahre bei uns mannigfache Phasen durchgcmacht. Es fragt sich nur, wie die endgültige sein wird. Für die aus den Contributionsgeldern errichtete Volksschule zu Pesth sind die Lehrer von Seite deS Unterrichtsministeriums ernannt. Die erste jüdische Schule in Oesterreich, wo ein derartiger Vorgang stattfindet. Ferner ist bei diesen Ernennungen zu bemerken, daß keiner von den Herren als Director oder Oberlehrer dcstgnirt ist. Man scheint jetzt überhaupt von dem Principe abzugehen und die Direction abwechselnd einem Lehrer übertragen zu wollen. Wien, 28. August. Die österreichische Ortsgemeinde Roinöhofeu hat dem israelitischen Gutsbesitzer, Herrn Ferdinand Wertheimer aus Augsburg, in dankbarer Anerkennung seines vielseitigen gemeinnützigen Wirkens das Ehrenbürgerrecht verliehen. (Linzer Bl.) Wien, Anfang September. (Privatmilth.) Die Genehmigung der Handelsschule für Wien ist vom Ministerium herabgelangt. Juden sind als Lehrer der Geschichte, Geographie, Naturlehre ausdrücklich ausgeschlossen, dafür bedarf es eines sehr freisinnigen CommentarS, ob sie als Lehrer der Mathematik, der Sprachen, deS Schreibens zugelassen werden. Man vernimmt von einer beabsichtigten allerunthänigsten Vorstellung bei Sr. Majestät dem Kaiser. Die Juden haben von den 300,000 Fl., die zur Errichtung gespendet wurden, sage die Hälfte fast beigetragen, und zwar mit der ausdrücklichen Bedingung, daß auch Juden als Lehrer angestellt werden. Thätcn sie nun nicht besser, ihren Beitrag zurückzuziehen, um für denselben eine eigene Handelsschule zu errichten? Man erwartet dies sogar von ihrer ehrenhaften Gesinnung. In gleichem Falle mit ihnen sind die Protestanten.

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