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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-09-14 · Heft 38 (14.9.1857) · p. Seite 514

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 38 (14.9.1857)
Date
1857-09-14
Page
Seite 514 (sequence 4)
Language
German
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514 Alles, was von den späteren Religionen dem Judenthume entlehnt worden, diesem nicht mehr als angehörig angesehen werden dürste, so sähe es allerdings schlimm um dasselbe aus. Wir haben dies schon oft genug von Nichtjnven erlebt, die demselben ja sogar sein „liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" und „liebe den Fremdling wie Dich selbst" absprechen wollten — aber nach allen gesunden Menschenbegriffen bleibt ein von einem Anderen geborgtes Gut Eigenthum des Letzteren. Daß dies aber nur einem solchen Juden ansteht, der feierlich erklärt, sein Kind in der Religion seiner Väter, in der Religion des Judenthums zu erziehen, demungeachtet aber die tiefsten Schmähungen auf Moses, die mosaische Justiz u. s. w. häuft, wird Herr Dr. Levit selbst einsehen. — Wenn derselbe den Inden vorwirft, daß die Juden die Humanitätsgesetze Mosis, wie das Ueberlassen der Feldränder u. s. w. an Arme, nicht streng erecutiren, so können wir wohl mit Recht auf die unter den Juden, Gott sei Dank, noch immer herrschende Wohlthätigkeit Hinweisen, und daß sie im wahren Geiste der mosaischen Humanitätsgesetze ohne alle Parteiberückstchtigung die Vorschriften der Barmherzigkeit und Nächstenliebe üben. Aber alles Dies gehört nicht zur Sache, noch weniger, daß die Nabbinen die hohe Priestermütze Arons nicht tragen u. dgl. m. — was eben nur dazu beiträgt, zu zeigen, in welche Sphäre diese hohe und ernste Frage in den böhmischen Landstädtchen heruntergezogen worden ist. Es sind dies Auswüchse unsrer Zeit, die wir, gegenüber dem vielen Großen und Herrlichen, das sie in ihrem Schoße trägt, ertragen müssen. Das Judenthum hat schon größere Stürme überstanden, und unbeirrt von solchen Kämpfen und Anschuldigungen, geht es seinen großen Entwickelungsgang durch die Geschichte der Menschheit! Dr. Ludwig Philippson, Rabbiner. Literarischer Wochenbericht. St anislau, im August. Von der inhaltsreichen hebräischen Zeitschrift „BTT-p xe", die von dem mit tiefen talmudischen Kenntnissen ausgerüsteten und mit genialem Dichtertalent begabten Herrn Joseph Kohn in Lemberg mit großen Opfern redigirt wird, und welche in der Allg. Ztg. d. Jud. von einem Berichterstatter irriger Weise als eingegangen bezeichnet wurde, wird nicht nur das vierte Heft in den nächsten Tagen die Presse verlassen, sondern die Zeitschrift auch ferner zum Vergnügen aller Literaturfreunde fortgesetzt werden. H. K. Charleston, im Juli. Zu dem Capitel über die „Samaritaner" in dem neuesten Werke des Dr. Jost will ich folgende gewiß sehr merkwürdige Stelle aus dem jüngst, erst vor einigen Wochen, erschienenen Werke über Palästina von einem mir persönlich bekannten Archäologen Amerikas — der im Jahre 1856 das heilige Land bereiste — hierher setzen, da sie sicherlich sowohl für den Verfasser als die Leser des Jost'schen Buches von Interesse sein muß. Nachdem der Verfasser erzählt, wie er den samariranischen Tempel besucht unv Früherbekanntes mitgetheilt, fährt er also fort: „Dolore bidding them farewell, 1 asked the younger Rabbi to read to me from the old manuscript of the Jaw. He read fluently. I desired to hear Lut one pari of the writing, since in all others il is similar to the Jewish version. In the portion of Exodus, whicli in our version is the tvventielh chapter, 1 found the Samaritan addition to the Decalogue, „Ihou shalt worship the Lord thy God in Mount Gerizim.“ *) Von diesem Zusatze in dem samaritanischen Pentateuch habe ich bis jetzt noch nichts gelesen. Sollte er allen früheren Reisenden entgangen sein, bis ihn ein amerikanischer Archäolog entdeckte? Von der B ode, im August. Deutsche Lesefibel nach der Schreib-Leselehre methodisch bearbeitet von N. Rackwitz, Lehrer. Krotoschin 1857. Das Büchlein dürste vielen Lehrern eine recht willkommene Gabe sein. Wir haben zwar keinen Mangel an guten Fibeln nach der jetzt allgemein verbreiteten Schreib-Lese-Methode. Doch diese von christlichen Schulmännern für christliche Schüler bearbeiteten Fibeln haben mehr oder weniger eine christlich confessioneüe Färbung. Wie nachtheilig aber eine solche Lectüre für den unbefangenen Sinn des jüdischen Kindes ist, welche Verlegenheiten dem Lehrer dadurch oft entstehen, wird wohl mancher geehrte College schon empfunden und im Interesse der Kinder gewünscht haben, in ihren Händen ein Schulbuch zu sehen, das, ohne positive Glaubenssätze zu predigen, die im zarten Kindesherzen schlummernden Keime der Religiosität und Humanität weckt und anregt. Diesem Bedürfnisse kann vorliegende, von einem praktischen jüdischen Schulmanne bearbeitete Lesefibel abhelfen. Dieselbe entspricht allen Anforderungen, die man an ein derartiges Schulbuch stellen kann. Die in derselben enthaltenen Schreibe- und Leseübungen sind planmä- *) Tent Life in the Holy Land. By M. C. Prime. New- York 1857. p. 335.

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