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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-09-14 · Heft 38 (14.9.1857) · p. Seite 512

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 38 (14.9.1857)
Date
1857-09-14
Page
Seite 512 (sequence 2)
Language
German
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SIS und erscheint jetzt zu unsrer Freude durch die Subvention des Instituts. Was sollten aber die 3400 Abonnenten des vorigen Jahres mit einer an 30 Bogen fassenden Schrift über die Thiere, die im Talmud Vorkommen, und die in dieser großen Auflage an 2000 Thaler Herstellungskosten gemacht hätte? Wir fragen jeden Vernünftigen, ob solche Vorwürfe nicht geradezu an Absurdität grenzen?! Hinsichtlich unsres Planes, eine Real-Encyclopädie oder Conversations-Lericon des Judenthums herauszugeben, so gehen die Vorbereitungen Schritt vor Schritt vor sich. Die erste, und bedeutendste Aufgabe ist, die größtmöglichste Zahl der gediegensten Kräfte zur Mitarbeitung zu vereinigen und die Arbeit planmäßig und umfassend zu vertheilen. Wir haben die Freude, bereits die Beitrittserklärung vieler gewichtiger Männer erhalten zu haben, deren Reihe sich täglich vergrößert, und deren Namen, wie sie unS Vertrauen, dem Publikum Erwartung einer glücklichen Lösung dieser großen Aufgabe einflößen, wir nächstens veröffentlichen werden. Ergreifen wir die Gelegenheit, um den vielen Männern zu danken, deren thätige Mithülfe allein das Institut zu begründen vermochte und dauernd zu erhalten vermag. Die Leiter des Instituts können ihrerseits sich sagen, daß sie es nach bester Einsicht mit großer Selbstaufopferung pflegen. Das Institut ist noch jung; seine Leistungen können daher ihre ganze Höhe noch nicht erreicht haben. Schmähen und Befferwissen ist so leicht, während die Ausführung so schwierig. In diesem Augenblicke, wo wir des fortschreitenden Bestandes immer sichrer werden, wo sich das Institut als ein gesunder, lebenskräftiger Organismus bewährt: bieten wir gern Allen die Hand und den Gruß des Friedens, die an dem Werke Mitarbeiten wollen. Möge hier nicht abermals das alte Uebel in Israel sich zeigen, daß, hat Eintracht kaum ein Werk aufgerichtet, kleinliche Leidenschaft es wieder zu zerstören sucht! Die Deschueidung in Oesterreich. Wie es allerdings kaum eine Zeit gegeben, in welcher auf dem Gebiete der Religion die entgegengesetztesten Ansichten zu Tage kamen, und die verschiedenartigsten Formationen Platz griffen, wie in der unsrigen, so sehr, daß dem Beobachter auch die sonderbarste Erscheinung nicht mehr unerwartet kommt — so gehört sicherlich die Anforderung, den Beweis zu fuhren, daß die Beschneidung als der wesentliche Aufnahmeact in die israelitische Religion anzuerkennen, zu den eigenthümlichen Producteu unsrer Zeit. Seit fast vier Jahrtausenden hat die Religion, welche in Abraham ihren ersten Urheber, in Moses ihren Begründer bekennt und verehrt, ununterbrochen diesen Act als das Zeichen ihres religiösen Bundes, nicht mit Worten, sondern mit der That erwiesen, hat selbst in den Zeiten der größten Verfolgung nicht unterlassen, ihn von ihren Bckennern zu fordern, hat in ihm alle ihre zahllosen Generationen vereinigt, und die Millionen seiner Bekenner aus dem eigenen Stamme heraus an Zahl und Verbreitung wachsen gesehen — und jetzt erst dürfte es dem Einfälle irgend eines Einzelnen freistehen, dieser Religion den Beweis abzufordern, das; die Beschneidung wirklich zur Aufnahme in die Religion Israels erforderlich sei? Wir erklären offen, wie wir dies schon einmal bei Gelegenheit desselben Streites in Frankfurt am Main erklärten, daß wir es, den bestimmtesten Vorschriften der heiligen Schrift und der Thatsache der vier Jahrtausende gegenüber, für unwürdig halten, eine Beweisführung darüber zu geben, daß das Judenthum die Beschneidung der Knaben als wesentlichen Act der Aufnahme in die israelitische Religionsgenossenschaft (m^n) anerkennt, und daher, wer diesen Act willkürlich, und ohne die längst festgesetzten Ausnahmen, unterläßt, als nicht in daS Judenthum ausgenommen, ansieht. Es kann hier nicht in Betracht kommen, daß es jetzt Individuen giebt, welche der Ansicht find, sie und ihre Kinder seien Juden, auch wenn die Beschneidung unterlassen worden — in jeder Religion waren und sind Individuen vorhanden, welche heterodore Ansichten haben; es kann selbst nicht in Betracht gezogen werden, wenn sich eine ganze Secte aus solchen Individuen bildete — denn welche positive Religion hat nicht schon die bunteste Musterkarte von Secteu auszuweisen gehabt. Aber es kann eben so wenig in Frage gestellt werden, daß, wenn gedachte Individuen auf die Freiheit Anspruch machen, in ihrer Heterodcme unbehindert zu bestehen, der betreffenden positiven Religionsgenossenschaft die Freiheit nicht abgesprochen werden kann, jene Heterodoren, welche schon ihren Aufnahmeact verweigern, als nicht zu ihr gehörig anzusehen und von anderen, durch ihre Organe tmi> nach ihren Vorschriften zu vollziehenden Acten auszuschließen. — In obigen Sätzen haben wir das Allgemeine in der in Oesterreich so vielfach ventilirten Beschneidungssrage genau präcisirt, und können von ihnen aus leichter die

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