Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 37 (7.9.1857)
- Date
- 1857-09-07
- Page
- Seite 505 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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505 hin kam, und jetzt hat die Gemeinde schon — in einem ihr eigenen Gebäude — eine dreiclasfige Unterrichtsanstalt aufzuweisen, welche mit zu den besser» in Oberschlesien gezählt wird. Man muß es aber auch der Gemeinde selbst zum Ruhme nachsagen, daß ihr bei der Organisation der Schule kein Opfer zu schwer gewesen, und daß sie auch jetzt noch gern Alles thut, was nöthig ist, um das junge Institut zu fördern und ihm zu einer immer kräftigern Entwickelung zu verhelfen. Rybnik kann in dieser Beziehung gar manchen andern Gemeinden zum Muster dienen — und ein sehr lächerlicher Einwand wäre es, wenn Jemand sagte, Rybnik habe über große Geldmittel zu gebieten und mit solchen könne man Alles machen. Geldmittel haben andere Gemeinden auch, vielleicht noch größere; — aber Rybnik hat noch Etwas mehr als Geld, es hat einen energischen Vorstand und dieser den ernstesten und besten Willen. — Neben Dr. Frankel, welcher die Schulanstalt dirigirt, verdient noch Herr W. Löwy als tüchtige Lehrkraft genannt zu werden. — Die Schule in Ratibor ist dreiclassig, jedoch nur Privatanstalt. Die „Concession zur Errichtung einer Schule" befindet sich nicht in den Händen der Gemeinde, sondern in denen eines sehr alten Lehrers, der sie schon vor 3—7 Decennien erworben und kraft derselben eine Privatschule organisirt hat. Sämmtliche drei Classen, an denen drei Lehrer wirken, sind von kaum 90 Kindern frequentirt. Die meisten jüdischen Kinder in Ratibor besuchen christliche Lehran- ' stalten und genießen nur den Religionsunterricht in der oben genannten jüdischen Privatschule. Die Gemeinde ist an dieser Schule nur in so fern betheiligt, als sie den Lehrer, welcher den Religionsunterricht erlheilt, aus der öffentlichen Kasse besoldet. Wollte die Gemeinde die „Concession zur Errichtung einer öffentlichen Elementar- und Religionsschule" erwerben, es müßte ihr dies sehr leicht werden, und wollte sie dann nur einige Opfer bringen, sie könnte in kurzer Zeit eine Schule organisiren, der sie sich selbst vor der in Gleiwitz nicht zu schämen brauchte. — Die Gleiwitzer Schule ist bis jetzt die größte in ganz Schlesien. Es wirken an derselben 9 Lehrer, von denen einige lebenslänglich angestellt sind. Einen nähern Bericht über dieses Institut behalten wir uns vor. — Von Ratibor noch die Bemerkung, daß daselbst — außer der oben erwähnten dreiclassigen Schule, — noch eine jüdische Privatanstalt en miniature besteht, deren Leiter der bekannte Dr. Levy ist, welcher bis vor wenigen Jahren in Breslau als Privatlehrer fungirt hat. — In Boguschütz, einem Dorfe in Oberschlesien, wurde neulich eine neu erbaute Synagoge eingeweiht, wobei die Rabbiner Dr. Jaffe aus Myslowitz und Abraham Levinsohn aus PeiSkretscham als Festredner fungirten. — Oesterreichischer Kaiserstaat. Aus dem Tokayergebirge, im August. (Privatmitth.) Das hohe k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht hat, so melden die amtlichen Blätter, zu Classen lehrern an der neu begründeten israelitischen Musterhauptschule in Pesth, den Oberlehrer in Totis, Abraham Lederer, und die geprüften Hauptschullehrer in Böhmen, M. Schwarz, L. Mendel und I. Harz, dann zu Religionslehrern den Rabbinen und Religionslehrer in Pesth, S. Cohn, und für das hebräische Fach den Lehrer E. Schütz ernannt. Welche Wohlthaten seit der Thronbesteigung unseres allergnädigsten Kaisers Franz Joseph den Israeliten durch die Gründung von Volksschulen geworden ist, ist allgemein gewürdigt und anerkannt. Sehen wir doch selbst dort Schulen entstehen, wo vor Jahren nur ein einziger Bannspruch eines chassidischen Rebben genügt hätte, die Anstalt auf immer zu untergraben. Es kann für den israelitischen Lehrer nur wohlthuend sein, wenn, wie eS bei uns im Laufe deS Monates geschehen ist, die Herren Domdechanten, als Jnspectoren, die Schulen visitirten und eine Anzahl von Schulbüchern als Geschenk für die arme israelitische Schuljugend im Namen der hohen Regierung anboten. Auch in anderer Beziehung ist unser Magyarenland im Fortschritte begriffen. So ist vor Kurzem in Szegedin ein Chorgottesdienst eingesührt worden, so wie das erledigte Cantorat in KecSkemet durch einen tüchtigen Obercantor besetzt worden. Der frühere Obereantor der letztern Gemeinde, Herr Carl Adler in Pesth, hat sich in daS Privatleben zurückgezogen. Möge es ihm gelingen, einen neuen, seinen tüchtigen Fähigkeiten entsprechenden Wirkungskreis zu finden! In Oberungarn ist zwar der geregelte Gottesdienst noch selten, jedoch hat Eperies durch Anstellung eines tüchtigen Cantors, und S. a. Ujhely durch den un- 37