Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 37 (7.9.1857)
- Date
- 1857-09-07
- Page
- Seite 504 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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504 der Stelle des Dr. S. LandSberg, ehemaligen Predigers in Hirschberg, ist seit Kurzem vr. Isidor Rosenfeld auS Nordhause» angestellt, von dessen Wirksamkeit man sich ebenfalls — und mit Recht — die besten Erfolge verspricht. — Fast alle Prediger in den niederschlesischen Gemeinden sind zugleich Religionölehrer. Mehrere von ihnen erlheilen den jüdischen Religionsunterricht auch an Gymnasien und Realschulen. Jüdische Elementarschulen hat Niederschlesien biS jetzt nur noch sehr wenige auszuweisen. In dieser Beziehung sieht es in Obcrschlcsien schon bei weitem besser aus, obwohl auch hier noch — im Allgemeinen, wie im Einzelnen — gar Vieles zu wünschen übrig bleibt. Fast überall fehlt daS richtige Maß, der richtige Tact. Man geht entweder zu langsam oder zu rasch zu Werke; man kriecht oder man überstürzt sich. Beides ist leicht zu tadeln. Aus Schlesien, 4. August. (Privatmitth.) Oppeln hat eine zweiclassige Gemeindeschule, an welcher Rabbiner vr. Wiener den Religionsunterricht ertheilt. vr. Wiener, — in Schlesien sowohl als auch in Posen schon, wo er ehedem wirkte, als tüchtiger Schulmann bekannt, — hat für das UnterrichtSwesen in Oppeln schon viel gethan und sucht die dasige Schule auch jetzt noch immer mehr zu heben und zu fördern. Der neu angestellte Lehrer Wimmelbacher (aus Ratibor) soll, wie wir hören, auch einen Synagogenchor einrichten. — Gr. Strehlitz hat vor wenigen Jahren ein neues Gotteshaus erbaut, das an geschmackvoller Einfachheit und Niedlichkeit nicht bald seines Gleichen findet. Die Ordnung, die darin herrscht, ist musterhaft. Ihren eigenen Geistlichen hat die Gemeinde nicht, läßt sich aber von dem nahe wohnenden Rabbiner Abr. Levinsohn in Peiskretscham vier Mal deS Jahres daS „Wort GotteS" verkündigen. Die Schule ist zweiclassig und befindet sich in einem der Gemeinde gehörenden Gebäude, von welchem nur zu bedauern ist, daß sich in seinem engen Hofraume auch die Koscherfleisch-Halle befindet. An dem nach Memel versetzten Lehrer Stadthagen hat die Gemeinde einen tüchtigen Pädagogen verloren, und wäre es um die Jugend sehr schade, wenn man sich in der Wiederbesetzung der Stelle übereilen (oder gar schon übereilt haben) sollte. — Tarnowitz ist eine friedliche Gemeinde, an deren Schule Lehrer Schlesinger mit den besten Erfolgen wirkt. — Die Gemeinde Myslowitz hat durch den großen Brand im vorigen Jahre sehr gelitten. Ganz besonders zu bedauern ist, daß die dadurch herbeigeführten Zustände auf daS Schulwesen sehr nachtheilig eingewirki haben. Der Rabbiner der Gemeinde, vr. H. Jaffe, hat für Armen- und Krankenpflege schon sehr viel geihan. — Die Gemeinde Nicolai hat ihren Lehrer, Herrn Singer, lebenslänglich angestellt, und demselben dadurch den besten Beweis von Anerkennung und Dankbarkeit geliefert. Unseres Erachtens aber hat die Gemeinde mit gedachter That sich selber eine noch weit größere Gefälligkeit erwiesen. Denn wenn ein Lehrer an einer Schule durch mehrere Jahre mit gutem Erfolge gewirkt und sich auch sonst eines religiösen und moralischen Lebenswandels beflissen hat, so muß der Gemeinde daran liegen, sich diesen Lehrer zu erhalten, i. e. sich denselben sicher zu machen, — was sic aber am besten dadurch erreicht, indem sie die zeitweise (contractliche) Anstellung des betreffenden Lehrers in eine definitive (lebenslängliche) verwandelt. So lange die Gemeinde dies nicht thut, hat sie jeden Tag die Kündigung deS Lehrers zu gewärtigen. Die Nachtheile aber, die häufiger Lehrerwechsel im Gefolge hat, sind allzusehr bekannt, als daß eS nicht überflüssig wäre, auf diesen Punkt hier erst noch näher einzugehen. Beiläufig sei nur noch bemerkt, daß Gr. Strehlitz den Lehrer Stadthagen noch lange behalten haben und heute nicht in die unangenehme Nothwendigkeit gekommen sein würde, die gut geschulte Jugend einem Andern zu übergeben, wenn es nicht — gleich so vielen andern Gemeinden — vor dem Worte „Definitium" wie vor einem grausigen Gespenst zurückgeschreckt wäre. Auö Schlesien, 10. August. (Privatmitth.) In diesen Tagen ist dem Vorstände der Seilerhof-Synagoge zu Breslau ein Paar silberne Leuchter von kostbarer Arbeit mit der Anzeige zugegangen, daß Zwei, die nicht genannt sein wollen, dieses Geschenk einsenden und wünschen, desselben beim Gottesdienst in der „Synagoge zum Seilerhof" sich zu bedienen. Rybnik hat eine hübsche, nach modernem Styl erbaute Synagoge und an derselben einen sehr geübten Sänger als Vorbcter. Als Prediger und Religionslehrer fungirt dort seit einigen Jahren vr. Daniel Fränkel, der sich namentlich um das Schulwesen in seiner Gemeinde schon sehr verdient gemacht hat. Dasselbe lag noch sehr im Argen, als Fränkel dort-