Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 37 (7.9.1857)
- Date
- 1857-09-07
- Page
- Seite 503 (sequence 7)
- Language
- German
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503 können, also hier in der jüdischen. DaS preußische allgemeine Landrecht bestimmt, daß die Kinder der Religion der Mutter folgen sollen. Würden daher die Kinder nach ihrer Geburt getauft worden sein, so würde die behördliche Anordnung völlig begründet sein. Die Redaction.) Nordhausen, 20. August. (Privatmitth.) Ein seltenes Fest wurde am vergangenen Sabbath in hiesiger Synagoge gefeiert. Es war die Feier der goldenen Hochzeit der Hirsch Marburg'schen Eheleute Hierselbst. In der festlich zu diesem Behufe geschmückten Synagoge war der Traubaldachin, unter diesem zwei Sessel, aufgestellt, auf welchen das Jubelpaar Platz nahm, nachdem dasselbe von dem Vorstande der hiesigen Gemeinde in seiner Behausung beglückwünscht und in die Synagoge geleitet worden war. Der hiesige Königl. Landrath, das gesummte Magistratscollegium hatten sich ebenfalls in officieller Weise in der Synagoge eingefundcn, um Zeugen der seltenen Feier zu sein, welche dadurch eine seltene Weihe erhielt, daß Ihre Majestät die Königin, unsere allverehrte Landesmutter, dem Jubelpaare die Psalmen Davids in einem Prachtbande und verziert mit den Bildnissen des Königlichen Herrscherpaares zum Geschenk gesandt und in dasselbe Allerhöchst eigenhändig Folgendes geschrieben hatte: „Den Particulier Hirsch Marburg'schen Eheleuten zu Nordhausen aus Veranlassung der Feier ihrer goldenen Hochzeit zum Andenken gewidmet. Sanssouci, den 8. August 1857. Elisabeth." Dieses sinnige Geschenk war durch die günstigen Berichte .des hiesigen Magistrats und der Königlichen Regierung zu Erfurt über den ehrbaren und gotteöfürchtigen Lebenswandel der Jubilare veraillaßt worden. Gesänge, vom hiesigen Synagogenchor trefflich ausgeführt, leiteten die Feier ein und schlossen dieselbe. Nachdem der hiesige Rabbiner, Herr Auerbach, die gediegene Sabbathpredigt beendet, reihete er an dieselbe die Feier der Jubelhochzeit an, sprach über das Glück und den Segen einer zufriedenen und musterhaften Ehe, wie in solcher das Jubelpaar ein halbes Säculum gelebt habe, und rief den Segen des Allerhöchsten, des Vaters im Himmel herab auf dasselbe, damit eS noch lange Jahre in bisheriger Rüstigkeit zur Freude seiner Familie hienieden walle. Kein Auge blieb bei diesem SegenSspruche trocken, als man das Paar selbst, umgeben von blühenden Enkeln, tief bewegt und doch zufrieden, von gottgläubigem Vertrauen sah; aber mit ganzer Inbrunst schloß sich auch die ganze Gemeinde, schlossen sich alle Anwesenden dem SegenSspruche für das erhabene Königspaar an, welches seine Huld Denjenigen angedeihen läßt, die solche verdienen, und daS seine Unterthanen, ohne Unterschied des Glaubens, mit gleicher Liebe umfängt. Schließlich bemerke ich noch, daß Herr Marburg der Gemeinde 200 Thlr. zur Unterhaltung eines ->d TK» bei vorgedachter Veranlassung übergeben hat, so wie Spenden an die jüdischen und christlichen Armen hiesiger Stadt vertheilen ließ. Aus Schlesien, 30. Juli. (Privatmitth.) Von Breslau haben wir zu berichten, daß die diesjährige Industrie-Ausstellung daselbst wieder recht viele Gegenstände von jüdischen Fabrikherren der Provinz auszuweisen hat. In einem Ausstellungsberichte in der Brsl. Ztg. hieß es u. A.: „DaS Gebiet deS Lurus erreicht in den prachtvollen Ausstellungen von D. Jmmerwahr, Adolph Sachs und Moritz Sachs, so wie in den reichen Stickereien von H. Lövy seinen Höhepunkt." — Die Träger dieser Namen sind lauter Breslauer jüdische Einwohner. — Nächst Breslau ist die größte jüdische Gemeinde Niederschlesiens die von Gr. Glogau. Dortselbst ist am 28. v. M. die erste jüdische Leiche in einem Sarge beerdigt worden. Die Gemeinde hat vor nicht langer Zeit einen ganz neuen Begräbnißplatz einrichten müssen, weil der alte zu dem Terrain gehört, welches von der Oberschlesischen Eisenbahngeseüschaft zur Anlegung eines neuen Bahnhofes angekauft worden. Die Translocation der Leichen vom alten nach dem neuen Gottesacker hat mehrere Monate gedauert und die genannte Gesellschaft sämmtliche hierdurch entstandene Kosten tragen müssen. — Die jüdische Gemcindeschule in Gr. Glogau ist einclassig und nur von sehr wenigen und ganz jungen Kindern besucht. — Die Gemeinde Görlitz, welche in den letzten Jahren sehr angcwachsen ist, hat vor wenigen Monaten den vr. Freund (aus Schmiegel) als Prediger und Religionslehrer ausgenommen und an demselben in jedweder Beziehung eine sehr gute Acquisition gemacht. — In Liegnitz wirkt der Prediger vr. Moritz Landsberg mit dem besten Erfolge. — An