Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 37 (7.9.1857)
- Date
- 1857-09-07
- Page
- Seite 501 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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501 Versen von ihm und über ihn ausgestattet. Auch folgt selbstständig ein Brief Abarbanel's vom Jahre 1472. Das Leben dieses großen Mannes ist so reichhaltig und seine Schriften so zahlreich, daß er eine besondere Behandlung verdiente, und wir meinen, Herr Carmoli habe seine Aufgabe für den Zweck dieser Sammlung mit genügender Ausführlichkeit und weiser Sparsamkeit gelöst. Wir heben noch hervor, daß Kirchheim aus den Schätzen Carmoli's den oben angeführten Brief Abarbanels und das Gedicht seines „Sohnes" über die traurige Ze^t, so wie zwei Briefe Zerachjah's an Hillel und Ferrara abgeschrieben und hier mitgetheilt hat. Er fügt eine scharfe Rüge über die allzudreiste Kritik der Zeitschrift Ha - Chaluz hinzu, welche uns aus der Seele gesprochen ist, so sehr wir der biblischen Kritik zugeneigt sind. Wenn man so kühn sich aufschwingt, den ersten Vers der Bibel für fehlerhaft zu erklären, so weiß man in der That nicht, wo die Kritik ihre Grenzen finden soll. Kirchheim zeigt dabei an andern Beispielen, daß er selbst die genauer» Nachweise vorkommender Abschreibefehler da, wo es statthaft ist, dergleichen aufzusuchen, sehr wohl zu würdigen weiß, nur fordert er mit Recht, daß die Nachweise klar seien, und man an die heilige Schrift nicht mit bloßen Einfällen sich wage. Die mitgetheilten Antworten Zerachjah's auf Hillel's Anfragen find in hohem Grade interessant. Wir haben vielleicht die Grenzen einer Beurtheilung bereits überschritten. Es war uns nur darum zu thun, die Reichhaltigkeit dieser Sammlung, welche dem altern Kerem Chemed gleichsteht, darzuthun. Wir wollen dem Werthe der Beiträge eines Dukes, es sind deren vier, mit seiner bekannten Umsicht geschriebene, und Anderer, welche beigesteuert haben, nicht zu nahe treten. Es würde unsre Leser ermüden, wollten wir alle Einzelheiten hier rräher charakterisiren. Es genügt, auf das kurze Vorwort S. D. Luzzatto's zu verweisen, welcher alle befähigten Gelehrten auffordert, ihre Schätze älterer, bisher nicht bekannter Schriften, ihre Forschungen und Abhandlungen in Bezug aus früheres Schriftthum in dieser Sammlung niederzulegen, damit sie immer mehr zur Quelle ausgebreiteter Sachkenntniß werde. Wir zweifeln nicht, daß Freunde der Wissenschaft einer so gewichtigen Stimme Gehör leihen werden, so daß der uneigennützige, ja, kein Opfer scheuende Herausgeber bald in Stand gesetzt sei, einen dritten Band folgen zu lassen! I. M. Jost. Berichtigung. Bei genauerer Durchsicht der ersten Abtheilung meines Geschichtswerkes fand ich S. 233. eine mangelhafte Anmerkung, welche ich hier ergänze. Sie soll also lauten: Grätz überträgt III. S. 107.: Beurtheile jeden Menschen nach dem M aß st ab e der Unschuld. Dies ist nicht getreu. mst tpb heißt nach der Schale der Rechtfertigung (das Bild ist von der Wag-Schale der Gerechtigkeit; ein Maß stab wäre hier nicht an seinem Orte. Eben so wenig ist eine andere Uebersetzung zu billigen, welche lautet: Richte jede That nach der Seite der Unschuld swie, so ist vndrn bs ntf, jede That?^). Wer die mannigfachen Schwierigkeiten der Correctur, wenn man in weiter Ferne die Handschrift lassen muß und dabei oft gedrängt wird, einigermaßen kennt, wird leicht begreifen, wie mir der Ausfall eines Stückes der Anmerkung entgehen konnte. Jedenfalls sei die Irrung hiermit beseitigt. I. M. Jost, vr. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus Oberhessen (im Kurfürstenth.), im August. (Privatmitth.) In der Provinz Oberhessen befinden sich etliche und zwanzig Synagogengemeinden und fast eben so viele öffentliche israelitische Schulen, von denen aber dermalen nur 19 besetzt sind, indem eine schon längere Zeit vacant ist, andere noch nie besetzt gewesen sind, weil deren Besetzung wegen zu schlechter Dolirung bis jetzt nicht hat gelinge» wollen. Die Gemeinden sind in numerischer Beziehung sämmtlich schwach, da sich ihre Mitgliederzahl zwischen 10 bis 30 hält, welche zudem oft noch in verschiedenen Ortschaften wohnen und nur durch Schule und Synagoge verbunden sind; in finanzieller Beziehung sind sie zum größten Theile sehr mittelmäßig, da die meisten sich durch Synagogenbauten mit Schulden belastet haben. Daß eS unter solchen Umständen nicht leicht war, das Schulwesen zu ordnen, läßt sich denken und hat der Provinzialrabbiner, Herr M. Gosen, der in seiner Eigenschaft als Rabbiner und als Präses des VorsteheramteS für die Organisation der Schule der Provinz sehr viel gethan hat, sich hierdurch wirklich sehr verdient gemacht. Dieser würdige Nestor der deutschen Rabbiner glaubt aber nicht sein Werk damit gethan zu haben, daß er die Organisation dieser Schulen herbeigeführt und so dem Gesetze genügt hat, sondern