Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 37 (7.9.1857)
- Date
- 1857-09-07
- Page
- Seite 500 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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500 ni's, Ebn Sina'S und Anderer auszeichnen. So abgerissen die hier gehäuften Notizen zusammengetragen find, so lehrreich find fie für Freunde altern Schristthums. Jede Kleinigkeit hat hier einen besondern Werth als Baustein des großen Labyrinthes. Als sehr bedeutend möchte ich hervorheben die wissenschaftlich geordneten Monographien Geig er's über Mosch und seinen mit Recht viel berühmter» Bruder David Kimchi. Dem Moseh find, nach Geiger's gründlichen Forschungen, nur zwei grammatische Werke zuzuschreiben, und rw 2NN, nicht aber das von Andern ihm beigelegte aiü blDtt; wichtiger noch find die Beweise für Moseh'S Autorschaft der fälschlich dem Aben Ezra zugeschriebenen Kommentare zu Ezra und Nehemjah und zu den Sprüchen. Nicht nur die Beweise für diese Wahrheit, sondern auch die Anmerkung der fortgesetzten Jrrthümer in dieser Beziehung berechtigen Herrn Geiger zu aufrichtigem Danke abseiten der Leser, denn nicht Jeder ist im Stande, eingewurzelte Fehler auszureißen. Moseh schrieb auch einen Kommentar zu Hiob, und mindestens erklärende Bemerkungen zu andern Büchern. Außerdem war er Verfasser einiger liturgischer Lieder in der Gebetordnung von Tripolis. Doch verfehlt Geiger nicht zu bemerken, daß die im Römischen Gebetbuchs, wie Luzzarto schon gefunden habe, ihm nicht zugehören; und daß noch zwei jüngere Männer gleiches Namens bekannt sind, wie aus Zunz „Zur Geschichte und Literatur" zu ersehen. Hiermit verbinden wir die später eingerückte Monographie über David Kimchi (geb. um 1160, wie sich daraus ergiebt, daß er 123» schon als Greis auftritt). Geiger schildert ihn als den fleißigsten und sorgfältigsten Sammler, und nennt, was besonders verdienstlich erscheint, alle Quellen, aus denen er geschöpft, so wie andererseits die wichtigsten, die seiner Aufmerksamkeit entgangen waren. Ueber einige der Quellen fügt Geiger Erläuterungen hinzu, so über Ali b. Jehudah Ha-Nazir, der sehr wahrscheinlich eine und dieselbe Person bezeichnet, welche beim Karäer Hadassi unter dem Namen Jehudah b. Alau Tabarani erscheivt; so über Isaak b. Salomo ha-Jisraeli, und Jakob b. Elazar, mit trefflichen Zuthaten zum Verständniß des Zeitverhältniffes zwischen Letzterem und David Kimchi, und des Buches 'ö, "nf welches dieser Bezug nimmt. Hierauf bespricht Geiger die Werke David Kimchi's mit genauer Sachkenntniß, wiederum manche Irrungen berichtigend. Nunmehr aber geht Herr Geiger daran, die Leistungen seines Helden zu beurtheilen. Sehr schön leitet er diese Abhandlung ein mit einer Schilderung der Gesichtspunkte, von denen die Sprachforscher ausgehen, deren Einige lediglich dem Sprachgebrauch huldigen, Andere wieder die innern Sprachgesetze zu erkennen suchen; Andere wieder in den Geist der besondern Sprache eindringen, um aus ihm die unendliche Mannigfaltigkeit der Bedeutungen zu entwickeln, ja sogar die ersten Elemente richtig zu erkennen. Den ersten Weg, welchen die praktische Sprachkenntniß zum Ziele hat, betrat David Kimchi, während die spanischen Philosophen, mit Maimuni an der Spitze, dabei nicht stehen blieben, sondern Alles auf allgemeine Regeln zurückführen wollten. Geiger zeigt nun, wie David Kimchi allerdings bei seiner einseitigen Behandlung stehen blieb, aber doch durch die verständige Auswahl aus seinen Vorgängern wirklich viel leistete, und am Ende den Sieg davon trug, indem sein Name in der Nachwelt stets mit Ruhm genannt wird, während seine Gegner im Schatten stehen. Sehr schön erzählt Geiger zugleich das edle Verhalten David Kimchi's in dem bittern Streite über das Maimonidische Buch Moreh. Wegen des verwandten Inhaltes möge hier auch Luzzatto's Schreiben an Stern über Parchon erwähnt sein. Luzzatto ergreift die Gelegenheit, um nachzuweisen, daßf aus falschen Citaten (meist Gedächtnißfehlern) nicht au Verschiedenheit der Lesarten zu schließen sei. Er führt unter Andern: an, daß der große David Kimchi an 9 Stellen seines Wörterbuches unrichtig citirt hat, — was denn auch dem Parchon begegnet sei. Luzzatto macht äußerst sehr interessante kritische Bemerkungen zum Parchon, welche jeder Leser mit Dank anerkennen wird. — Im Uebrigen darf man wohl voraussetzen, daß die geringen Verdienste Parchon's, welcher gar keine selbstständige Arbeit lieferte und selbst das Fremde mit Nachlässigkeit behandelte, von den Lesern bereits gewürdigt worden, und daß diese hiernach Luzzatto's Lobsprüche mehr auf den Herausgeber beziehen werden, als auf die Werthschätzung des Werkes. Wir wenden uns zu einem andern ausgezeichneten Beitrag: Carmoli's Darstellung des Abarbanel und dessen Abkömmlinge. Der Verfasser ist so vielfach angegriffen worden, daß wir nicht umhin können, seine Arbeit hier als eine vorzügliche zu bezeichnen, in welcher man keine gewagte Behauptungen antrifft, wovon Carmoli, gerade weil ihm außergewöhnliche Hülssquellen zu Gebote stehen, sonst nicht ganz sreizusprechen sein dürfte. Er schreibt zugleich einen classtschen Styl, so daß unS diese Lebensbeschreibung einen wahren Genuß bereitet hat. Sie ist mit den nöthigen Erläuterungen und sehr anziehenden