Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 37 (7.9.1857)
- Date
- 1857-09-07
- Page
- Seite 499 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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49» Herren Amtsbrüder des Zn- und Auslandes, mir Gutachten einzuschicken über die Frage: „Ob ein Jude, der nicht beschnitten worden ist, weil dessen Vater die Beschneidungsvollziehung ohne gesetzlichen Grund verweigerte, als förmlicher Jude zu betrachten und zu behandeln sei?" Da ich meine einzureichende Denkschrift gründlich mvtiviren werde, so genügt mir auch eine einfache Erklärung (ohne Anführung von Beweisstellen), dahin lautend, daß ein solcher nichtbeschnittener Jude nicht zur Thora vorgerufcn, keine erlaubte Ehe mit einer jüdischen Frauensperson eingehen, und überhaupt weder im Leben noch im Sterben anders als ein vom Judenthume sich losgesagter Jude behandelt werden dürfe. Die Herren Rabbinen des Inlandes wollen auf der Aufschrift bemerken: „In religiöser Angelegenheit, Postfrei", und die Herren Rabbinen des Auslandes werden in so heiliger Sache die wenigen Kreutzer Porto nicht scheuen. Es wird gebeten, die Gutachten, resp. rabbinischen Erklärungen bis Ende October l. I. mir einzusenden. Die Denkschrift, so wie die Erklärungen werden der Oeffentlichkcit übergeben werden. Groß-Kanischa in Ungarn, den 24. August 1857. Hirsch B. Fassel, Oberrabbiner. Bekanntlich ist dieselbe Frage bereits früher in deutschen Staaten verhandelt worden, namentlich in Frankfurt am Main. Damals sammelte der selige Rabbiner Trier daselbst die Gutachten von 36 Rabbinen, und übergab sie dem Druck. Diese Sammlung sollte Herr Oberrabbiner Fassel nicht vernachlässigen. Was uns betrifft, so werden wir unsre Erklärung, welche Herr Oberrabbiner Fasset brieflich ganz besonders fordert, in einer der nächsten Nummern dieser Zeitung geben. Literarischer Wochenbericht. Frankfurt am Main, im August. (Schluß der Besprechung, des Ozar Nechmad.) Weit reichhaltiger als der erste Band ist der zweite, 1857 erschienen. Die bedeutenderen Beiträge sind wiederum von A. Geiger; dessen zwei Monographien, Moseh Kimchi und David Kimchi, selbstständige, äußerst lehrreiche Forschungen darbieten, welche in weiteren Kreisen bekannt zu werden verdienen, zumal der Name Kimchi auch außerhalb der Judenheit mit Ruhm genannt wird; dasselbe gilt von der Lebensbeschreibung des Don Isaak Abarbanel, mit trefflichen Notizen von E. Carmoli, woran sich ein schätzenswerter Beitrag von N. Kirchheim, ein Brief des Isaak Abarbanel, und ein Gedicht des Jehudah Abarbanel anschließt. Was sonst noch geliefert worden, ist größtentheils bibliographisch kritischen Inhalts, worunter die Beiträge von S. D. Luzzatto, von Geiger, von Kirchheim, von Dukes, wie man voraus erwarten darf, Neues in Menge darbieten, wenn gleich Manches davon ohne Nachtheil wegbleiben konnte, was unsrer Ansicht nach von einem Briefe des verstorbenen Reggio, so gern man auch dessen Darstellungsweise liest, eben so von den gegen Spinoza gerichteten Bemerkungen Luzzatto's*) und von seinen ätzenden Beurtheilungen eines Zunz und eines Sachs, so richtig sie auch befunden werden mögen, und von Steinschneiders Aufsatz, am Ende des Buches, gelten dürfte. Den Anfang macht Geiger mit Veröffentlichung einiger alten Denkwürdigkeiten, a) betreffend Donolo, dem frühere Bibliographen einen unrichtigen Namen, bald Dagolo, bald di Nola, oder gar da Nola u. a. beilegen, und der nun aus der Quelle eines Zeitgenossen Damnulos gesprochen werden soll. (Es frägt sich allerdings, wie so dies Wort in nbiinn entstellt werden konnte, wie die alten hebräischen Schriften haben, und ob nicht das griechische Ja/urovXog, eigentlich dawovlog, welches dem Hebräischen näher läge, lautete.) b. betreffend mehrere Briefe an Maimuni und von ihm, jetzt vollständig in dem Werke itnsa rnnn, wo auch der Brief über die Verfolgung, den schon Geiger herausgegeben hatte, mit des Letztem Anmerkungen, sehr wichtigen Varianten. Derselbe fügt noch ein Schreiben Maimu«i's an die Gelehrten Lunel's, welche eine Einleitung enthält, gleich der bekannten vor dem Briefe an die Gelehrten von Marseille, ein sehr anziehendes Schreiben von hoher geschichtlicher Bedeutung, e. ein Schreiben des Paulus von Vargos an Josua Loschi. d. über die Provenzalischen Gelehrten mit Kritiken gegen Reifmann's Zerachjah, und gegen Carmoli, nebst anderen Kleinigkeiten, die man als Zugabe hinnehmen kann. Daun folgt ein Schreiben Luzzatto's an Zunz mit sehr dankenswerthen Ergänzungen und Berichtigungen zu seinem Werke: Zur Geschichte und Literatur, und sehr wichtigen bibliographischen Zuthaten, unter welchen wir die bei Luzzatto und anderen vorhandenen handschriftlichen Uebersetzungen der arabischen Werke Alfarabi's, Alfaga- *) Es ist auch eine von den zahlreichen Marotten Luzzatto's, Spinoza beurtheilen zu wollen, und documentirt doch jedes Mal nur, daß er auch nicht im Entferntesten ihn zu verstehen vermag! Die Redaction. 37 *