Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 36 (31.8.1857)
- Date
- 1857-08-31
- Page
- Seite 491 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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491 ruhig h. zu bezeichnen und sucht in einet Reihe von Artikeln unter dem Namen „Juden" durch eine Menge von Schmähungen über die Juden überhaupt und über die katholischen Volksschulen insbesondere sein schwaches Lesepublikum zu unterhalten. Schließlich noch die Bemerkung, daß seit Kurzem der heilige Wundermann Rabbi Herschle aus LiScka in Szobranrz, einem Badeorte, in der Nähe unseres Gebirges gelegen, verweilt, und täglich Hunderte von Gulden Conv. als Gabe empfängt. Sein Auftreten daselbst ist sehr abenteuerlich und seine Umgebung phantastisch; da er das leicht empfangene Geld eben so leichtsinnig weggiebt, so ist der Zudrang der Hülfesuchenden sehr groß. Wenn auch der Chassidismus in unserem Gebirge nicht im Zunehmen begriffen ist, so hat doch daS Wallfahren der Richtchassidim zu dem heiligen Rebben nicht ab-, vielmehr zugenommen. Vor wenigen Wochen starb der berühmte Rebbi in Kurima, unweit Eperies gelegen; er hinterläßt ein enormes Vermögen, welches sich sammt und sonders in den Händen der guten Jüden befindet, die sich aber hartnäckig weigern, es den rechtmäßigen Erben zurückzuerstatten. Rosenmeyer. Schweden. Gothenburg, im Juli. (Privatmitth.) „DeS Juden Beruf ist, Gott zu dienen." Mit diesen Worten des Paracelsus fange ich meinen Bericht über die hiesigen Verhältnisse an, denn sie entsprechen dem Gefühle und dem Bewußtsein, das sich freudig bei Jedem erregen muß, der unparteiisch den Zustand der hiesigen Gemeinde betrachtet. Ein Geist der Einigkeit und deS Friedens — dieser Geist, der leider aus so vielen andern Gemeinden gewichen —, ein Geist der wahren Menschenliebe, der sich in einem lebhaften Sinn für Wohlthätigkeit sowohl gegen Israeliten als gegen Andersglaubende bethätigt, und ein inniges Gefühl für Israels große Bestimmung, ein Gefühl für das Judenthum und für die heilige Religion der Väter im Geiste und in der Wahrheit — dieses zusammen bildet aus unserer Gemeinde ein harmonisches Ganzes, in welchem man fühlt, wie lieblich es ist, wo Brüder in Liebe und Frieden zusammen wohnen. Möchte überall solche Gesinnung und solcher Friede herrschen, und wahrlich, es würde besser stehen in Israel, und die Anerkennung von außen würde auch nicht fehlen. Man würde es zuletzt fühlen, daß Israel der Welt das Heil gebracht und noch bringen wird; daß es treu gehütet hat den Weinberg des Herrn, damit dessen Früchte einst der ganzen Menschheit zum Heile und zur Labung werden mögen; daß es als treuer Knecht des Herrn für die Wahrheit und den Glauben gelitten und gekämpft hat. Unser schönes, freundliches Gotteshaus ladet nicht vergebens ein zur Erbauüng und Andacht; ein schön geregelter Gottesdienst, in welchem alle Hauptgebete in der uns noch theuern hebräischen Sprache vorgctragen werden, wo aber auch die Muttersprache i» herrlichen Psalmen mit Orgelbegleitung und in schönen schwedischen Gebeten zur Erhöhung der Andacht beiträgt, entspricht ganz den Forderungen der Zeit, und auch Nichtjuden fühlen es, wenn sie zu unS kommen, daß hier ein HauS des Herrn sei, und haben eS durch oft wiederholte Besuche dargethan. Erfreulich ist es, zu sehen, mit welcher Freude man an Sabbathen und Festtagen zum Tempel eilt; zu vernehmen, wie so Viele sich an den Wochentagen nach den Erbauungsstunden des Sabbaths sehnen; zu erfahren, wie der Sabbath dadurch immer mehr zu Ehren kommt, und wie er wenigstens im Innern des Hauses durch den frommen Sinn der Frauen selbst in solchen Familien gefeiert wird, wo man früher weder Sabbath noch Festtag in Ehren hielt. Wir haben in der Person unsres neuen Rabbiners, des Herrn I)r. Wolff, welcher früher mehrere Jahre Rabbiner in Culm war, gerade einen Mann bekommen, der unter hiesigen Verhältnissen erfreulich und segensreich wirken kann. Er hat sich in der kurzen Zeit, in welcher er hier gewesen — er trat seine Stelle erst zu Peßach dieses Jahr an — die Liebe und das Vertrauen der Gemeinde erworben. Ein heiliger Eifer für seinen hohen Beruf, eine schöne Rednergabe, eine gemäßigt liberale Richtung, Anspruchslosigkeit und Bescheidenheit mit kräftigem Willen vereinigt — alleö Dieses befähigt ihn, Tüchtiges zu leisten, wo der Boden ohnehin so ergiebig ist. In einem Aufsatze in No. 26. dieser Zeitung hat ein Berichterstatter von hier aus geäußert, daß daS von der hiesigen Cultuscommisston beabsichtigte Streichen der Stellen, die den Wunsch um Wiederkehr nach dem heiligen Lande enthalten, der göttlichen Verheißung entgegen sei, die im 5. B. M. Cap. 30, 3 —7 enthalten ist. ES ist eine ganz neue Entdeckung, 36