Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 36 (31.8.1857)
- Date
- 1857-08-31
- Page
- Seite 492 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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daß die heilige Schrift uns die Wünsche vorschreibe, die wir hegen und in unfern Gebeten auSdrücken sollen; daß der Inhalt unsrer Gebete unS von Moseh selbst vorgeschrieben sei. WaS nun dir angebliche Sünde betrifft, die wir begangen oder im Begriffe sind zu begehen, so haben wir ja den Hamburger Tempel, die Rabbinerversammlung, die Gemeinden in BreSlau, Frankfurt a. M. für unS, so wie auch daS Bewußtsein, daß, wenn sich daS Herz im Gebete zu Gott erhebt, Wahrheit die erste Pflicht, Lüge die größte Sünde sei. Der Wunsch und die Hoffnung, daß die Zeit herannahen möge, in welcher Messias der Welt den Frieden und das Heil bringen wird, in welcher ein allgemeines Band der Bruderliebe die Menschheit vereinigt, und die Kenntniß deS Herrn die Erde erfüllen wird, die Zeit des Heils für Israel und die ganze Menschheit, dieser Wunsch und diese Hoffnung beseligt und begeistert uns ganz anders als die Hoffnung, einst wiederum daS Land Palästina zu besitzen. Wir läugnen nicht die Erfüllung irgend einer göttlichen Verheißung, glauben aber, daß Israel zu etwas Höherem berufen sei, und gerade dieses Höhere, dieses rein Geistige ist der Gegenstand unserer Wünsche, dem wir in unseren Gebeten einen Ausdruck geben wollen. Doch darüber ist schon lange gestritten worden, und die Wahrheit hat schon schöne Siege gewonnen und wird sich immer mehr geltend machen; immer mehr wird man fühlen, daß Israels Beruf nur dann erfüllt ist, wenn die ganze Menschheit ein Israel, einen Kämpfer für und mit Gott bildet, aber gerade dadurch aller äußere Kampf endet, aller nationale und kirchliche Haß schwindet. Der erwähnte Berichterstatter sagt ferner: „Unter so vielem LobenSwerthen giebt es doch Manches, was zu mißbilligen ist, aber vielleicht noch entfernt werden kann; dahin rechne ich besonders die Einführung deS schleppenden ChoralgesangS der protestantischen Kirche, mir erscheint er sehr langweilig und ermüdend." Wir wollen unS freuen, daß der schleppende Choralgesang daS höchste Uebel ist, daS er nennen zu können scheint, und hoffen mit ihm, daß Alles immer mehr vollendet werde, und wünschen zugleich, daß man nirgends größere Mängel finden möge, als es hier der Fall ist; denn ohne alle Mängel giebt cS ja Nichts unter den Menschen. *) Unter die literarischen Erscheinungen hier zu Lande, die für uns Juden von besonderem Interesse sind, gehört auch der zweite Theil eines größeren Werkes — von einem der ausgezeichnetsten Theologen Schwedens, Pfarrer Jgnell —, betitelt: „Die Geschichte der menschlichen Entwickelung." Dieser zweite Theil handelt nämlich von der weltgeschichtlichen Bedeutung deS israelitischen Volkes, und erfreulich ist eS zu sehen, wie der vorurtheilsfreie Verfaffer diese vollkommen anerkennt. Am Schluffe der Schrift, nachdem er Israel mit den großen Völkern deS AlterthumS verglichen und dessen Kämpfe und beharrliche GlaubenStreue geschildert, sagt er: „Wie das Leben deS Körpers größtentheilS von den Verrichtungen der inncrn Theile abhängt, so herrscht auch rücksichtlich der Völker eine Bedeutung, welche nicht von ihrer Größe oder Waffenmacht, und auch nicht von ihrer äußeren Bildung und Verfeinerung bestimmt wird. Eine ganz andere Beurtheilung hat sich jedoch in der christlichen Kirche geltend gemacht. DaS jüdische Volk ist verachtet und verfolgt worden. Es hat Christus zum Tode geführt, und dieses hat es in seinen zerstreuten Nachkommen unter den christlichen Völkern büßen müssen. Während man nun daS Volk selbst verachtet, verhöhnt und verfolgt hat, hat man doch diejenigen Bücher als von Gott gegeben und infallibel geschätzt, welche auch von den Juden selbst als solche verehrt werden. Aus solche Art prieS man die Frucht, während man den Baum selbst verdammte. Aber bei dieser Beurtheilung haben wir nicht nöthig unS länger aufzuhalten. Sie gehört zu denjenigen Schatten der Nacht, welche schon zum großen Theil zerstreut und verschwunden sind." Ja, möge eS bald recht hell werden, möge bald das Licht der Liebe und des reinen Glaubens alle finstern Schatten des Hasses und der Verfolgungssucht zerstreuen — mit diesem Wunsche will ich diesen meinen Bericht schließen, öl. daß nur irrthümlicher Weise der betreffende Bericht in No. 26. d. Ztg. g-geben worden ist, da er vielmehr nur in einem Privatbriefe an uns einen Platz gefunden hatte; wir heben ganz besonders hervor, daß der Abfasser jenes Berichtes in No. 26. die Gemeinde Gothenburg mit besonderster Anerkennung würdigt. Was daS Uebrige betrifft, so läßt sich Vieles darüber sagen. Wir geben diese Erklärung völlig unaufgefordert. Redaction. *) Wir ergreifen diese Gelegenheit zu der Erklärung,