Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 36 (31.8.1857)
- Date
- 1857-08-31
- Page
- Seite 488 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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488 für die Reform zu machen — sondern lieber aus dem so reichen Material des jüdischen Glaubens und der jüdischen Geschichte eine Saat des Positiven, nicht aber des Jndifferentismus auszustreuen. — Erwähnte Momente könnten nur die traurige Veranlassung bieten, abermals die Berliner Zeitungen zum Tummelplatz der verschiedensten Angriffe und Schmähungen zu machen, und das nichtjüdische Publikum mit neuem Stoff zur ekroniiiue 8eandalense hiesiger Gemeindeverhältnisse zu versorgen." — Bemerkung der Redaction. Wir gestehen, daß wir bei der Lesung der quästionirten Novelle weder an ein Rcsormsüchteln des Verfassers, noch an eine ernstliche -Absicht desselben, das alte orthodore Leben in den abgeschlossenen Gemeinden kleiner Provinzialstädte zu verspotten, dachten. Wir fanden vielmehr, daß, da dieses Leben so harmlos und die darin gewordenen Charaktere so liebevoll und gütig gezeichnet werden, der Verfasser eher eine alte Vorliebe für dasselbe ausgeprägt, als daß er es principiell zu bekämpfen und zu vernichten gedacht. Wir halten daher sowohl die eine wie die andere Aeußerung in dem oben Gegebenen für Ausbrüche einer krankhaften Empfindlichkeit auf beiden Seiten, welche abermals Zeugniß geben, in welchem ungesunden Zustande sich die Judenheit Berlins befindet. Eine solche Novelle wird gelesen und entweder als abgeschmackt bei Seite gelegt, oder als humoristische und charakteristische Schilderung genossen. Dann ist es vorbei mit ihr. Wozu da abermals ein Sturm im Glase Wasser! Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hamburg, 3. August. (Privannitth.) Aus No. 29. dieser Zeimng habe ich ersehen, daß der Herr Moritz Deutsch, Obercantor der großen Synagoge zu BreSlau, ein Musikinstitul für jüdische Cantoren und Lehrer errichtet und dadurch sich ein Verdienst um die geregelte Ausbildung jüdischer Cantoren erwerben wird. Jeder, der es mit dem öffentlichen Gottesdienst in Israel redlich meint, muß ein solches Streben zu unterstützen suchen, und zwar Jeder nach den ihm verliehenen Kräften; denn, — was könnte uns Israeliten wohl wichtiger und ehrwürdiger sein, als der Ausdruck unserer religiösen Empfindungen in öffentlicher Andacht, nachdem unS durch die göttliche Gnade in unserer Zeit so viele Mittel zu diesem Zwecke zu Gebote stehen. Unter diesen Mitteln ist aber auch die Erfahrung mitzurechnen, und was diese spricht, will ich hier mit einigen Worten erwähnen. Seit dreißig Jahren habe ich als Cantor sowohl im deutschen, wie im portugiesischen Minhag und Aussprache fungirt; beinahe ein halbes Jahrhundert beschäftige ich mich mit dem Studium der hebräischen Sprache, bin den Bestrebungen auf diesem Felde in Israel gefolgt, und habe für Ausbildung der neuern hebräischen Musik Folgendes nolhwendig befunden. Bei Anwendung der Mtlsik im hebräischen Vortrage muß genau auf b'sbia und mb« auf an» und pm vai gehalten werden; denn wenn dies nicht beobachtet wird, macht selbst die schönste Musik beim Kenner der Sprache einen widerlichen Eindruck. Hierin sollten wir von unfern portugiesischen und italienischen Glaubensgenossen lernen; da übt das Kind diese Regeln im Lesen des Hebräischen von Jugend auf, und wer in ihren Synagogen weilt und ihre Gebete Vorträgen hört, wird entzückt von dem Rhythmus, der darin herrscht. Hingegen sind selbst die schönsten Compositionen neuerer deutscher a«m, selbst Sulzer nicht ausgenommen, — nicht nach diesen Regeln streng durchgesührt. Ich brauche nur den von Herrn Sulzer componirten Psalm 29. anzuführen, wo das Wort Adonai den Ton bald auf dem Ado, bald auf der letzten Sylbe nai hat, da doch nach dem Urtext die letzte Sylbe dieses Worts immer den Ton hat. Warum hat dieser Meistersänger sich hieran nicht streng gehalten? Die Musik kann es, nur das Setzen derselben hat Schuld. Wollte ich aber alle solche Fehler in den neuen Compositionen anführcn, ich müßte ein dickes Buch schreiben und würde in Streit und Hader gerathen mit Allen, die für ihre Arbeiten eingenommen und keine Belehrung annehmen wollen. Wer zu dem Hebräischen will Musik setzen, muß gut Hebräisch wissen und sich mit einem Manne verbinden, welcher, gleichfalls ein guter Grammatiker, — die Ausgabe habe, jedes Musikstück zu dem Zwecke durchzugehen, um es mit der Betonung und dem Rhythmus in Uebereinstimmung zu bringen, bevor es definitiv zur Ausübung kommt; denn ist es einmal in Usanze gegeben, dann sind die Fehler schwer auszuscheiden. Besonders hat derselbe auf vsgescli karte, ultimo, xenultimo und Metheg zu sehen, und Nichts passiren zu lassen, was diesen Regeln widerstreitet. Der Componist muß sich dieser Correctur fügen und dabei nicht ermüden, seines eigenen Rufes