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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-08-17 · Heft 34 (17.8.1857) · p. Seite 463

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 34 (17.8.1857)
Date
1857-08-17
Page
Seite 463 (sequence 7)
Language
German
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463 hoben. Nicht ganz mit Unrecht wurde demselben früher hie und da der Vorwurf gemacht, daß es sein Augenmerk hauptsächlich auf die übrigen wissenschaftlichen Fächer gerichtet, und seine Thätigkeit weniger seinem wahren Lebenselemente, dem Hebräischen, zugewendet habe. Allein seit der vor wenigen Jahren durch Sachverständige bewirkten Aufstellung eines neuen Lehr-Programms wurde diesem Mißverhältnisse kräftigst gesteuert, und so genügt die Anstalt gegenwärtig auch in dieser Beziehung allen gerechten Anforderungen. Das Ergebniß des am 30. Juni d. I. unter der Leitung des Herrn Professors Heindorf und des Herrn Ober-Rabbiners Botz en hei me r aus Crefeld mit sieben Lehrcrzöglingen vorgenommenen Eramens darf als ein überaus günstiges bezeichnet werden. Dieselben beantworteten mit Präcision alle Fragen in der Religionslehre, bekundeten sowohl in der Etymologie als Syntar der hebräischen Sprache eine anerkennenswerthe Gewandtheit, analysirten einige Pentateuch- und Psalmenstücke, waren in der jüdischen Geschichte bis zur Periode der Geonim bewandert und lasen mit Geläufigkeit die betreffenden Commentare, so wie einige dem jüdischen Lehrer unentbehrliche Piecen aus den talmudischen Schriften. Hoffentlich wird auch die Prüfung in den übrigen wissenschaftlichen Elementarfächern vor der königlichen Prüfungs-Commission zu Soest ein ähnliches Resultat liefern. Nach Maßgabe solcher Leistungen darf aber auch das Seminar seine Ansprüche auf die Begünstigung des Publikums höher steigern, und würbe uns die Wahrnehmung zur besonderen Freude gereichen, daß die Beiträge für dasselbe namentlich aus der Rheinprovinz schon in diesem Jahre reichlicher als früher fließen. (D. Z.) Berlin, 13. Juli. (Privatmitth.) In unsren Gemcindeangelegenheiten will sichö noch immer nicht besser gestalten. Hätten wir Juden uns nicht durch unsre uralten Erfahrungen den Grundsatz nil gämirsri zu eigen gemacht, fürwahr! man müßte über den Verlauf der hiesigen Angelegenheiten gar sehr erstaunen. Mit einer fast an Stimmeneinhelligkeit grenzenden Majorität hat die Gemeinde bei der jüngst vollzogenen Ergänzungswahl ihre bisherigen Vertreter wieder gewählt und somit die Behauptungen obwaltender Differenzen entschieden widerlegt. Ein zweites Vertrauensvotum hat die gegenwärtige Verwaltung von der Gemeinde dadurch erhalten, daß diese ihr zum Zwecke der von den Vertretern beabsichtigten Gründung eines neuen Krankenhauses durch freiwillige Beiträge die Summe von nahezu 50,000 Thalern zur Verfügung gestellt hat. Man sollte also meinen, es sei jenen fünf Dunkelmännern --- den Bundesgenossen Gerlach's und Mandanten Wagener'S — nunmehr heimgeleuchtet und man dürfte nicht mehr fragen nuu. Gleichwohl aber fehlt unS durch die Verdächtigungen jener Pseudo- Altgläubigen noch die Basis für die Entwickelung und Regelung unsrer Verhältnisse, und in diesem Sommer wird voraussichtlich der so dringend norhwendige Bau einer neuen Synagoge, obgleich das Grundstück hierzu für den Preis von 60,000 Thalern angekauft ist, nicht in Angriff genommen werden können. Steele a. d. Ruhr. (Privatmitth.) Der Einsender des Artikels in Ro. 27. dieser Zeitung auS Anrath hat gewiß sehr Recht, wenn er auf den in Rheinland und Westphalen leider noch fortwährend auf der Tagesordnung stehenden Lehrerwechsel und den Nachtheil, der durch diesen Umstand für die Gemeinden erwächst, hinweist. Daß es jedoch auch in diesen beiden Provinzen noch Gemeinden giebt, die sich nach Kräften bestreben, diesem Uebelstande abzuhelfen und die schon so oft gehörte und gewiß nicht ungegründete Jeremiade über precäre Stellung der israelitischen Lehrer ihrerseits verstummen zu machen, geht auS folgendem Factum hervor. Jüngst schloß die israelitische Gemeinde zu Essen mit ihrem schon seit 15 Jahren dort heilsam wirkenden Lehrer Blumenfeld einen neuen Contract auf 10 Jahre ab, bewilligte ihm in demselben 75 Thlr. Gehaltszulage, stritte somit seinen Gehalt auf 400 Thlr. Möge dieses für Lehrer und Gemeinde gleich ehrenwerthe Beispiel recht viele Nachahmung finden! Möchten aber auch die Gemeinden das Heil ihrer Jugend bedenken, ihre Lehrer nicht einseitig beurthcilen, sondern denselben eine ruhige Wirksamkeit und zufriedene Stellung gönnen! I. Goldberg. Oesterreichischer Kaiserstaat. Prag, im Juli. (Privatmitth.) Wiederum ist ein Veteran, der Gründer des hiesigen Tempels, heim-

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