Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 34 (17.8.1857)
- Date
- 1857-08-17
- Page
- Seite 462 (sequence 6)
- Language
- German
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die gebührende Achtung und Autorität genießt. Man erkennt allgemein an, welche Verdienste dieser Verein nicht blos wegen Unterstützung der Kranken und Siechen, sondern überhaupt durch sein Bestehen um die Gemeinde und ihre Institutionen sich erworben hat. — Das 50jährige Jubelfest desselben ward daher von der ganzen Gemeinde mit begangen. — Früh 9 Uhr war feierlicher Gottesdienst bei beleuchteter Synagoge. Nachdem der Chor Malobu intonirt hatte, folgte die Rrcilirung der Psalmen 41. und 103., sodann wurden zwei Strophen eines von Herrn Oberrabbiner Dr. Landau hierzu besonders gedichteten deutschen Chorals gesungen. Herr Oberrabbiner betrat nun die Kanzel und hielt eine sehr angemessene, den edlen Wirkungskreis des Vereins nach allen Seiten hin beleuchtende Predigt, worin der den Verein beherrschende Geist nach seinen verschiedenen Beziehungen (unter Anlehnung an Jesai. II, 2.) als ein Geist der Weisheit, der Thatkrast, so wie der Erkenntniß und Gottesfurcht dargestellt wurde. Ein inbrunstvoll gesprochenes Gebet um ferneren Schutz und Segen des Allgütigen schloß den gehaltvollen Vortrag, worauf die zwei letzten Strophen des Chorals und zum Schluffe Psalm 117. gesungen wurde. Der Gottesdienst machte in allen seinen Theilen einen sehr erhebenden Eindruck auf die zahlreichen Anwesenden, worunter Bekenner aller Confessionen, auch einige Mitglieder der Vorgesetzten städtischen Behörden sich befanden. Die Stimmung war allseitig so gehoben, daß Jeder von der Ueberzeugung durchdrungen ward, cs sei hier ein ächtes Brüderfest begangen worden. Und diese Stimmung erfüllte auch sämmtliche Theilnehmer deS Festmahls, welches der Verein an selbigem Mittage abhielt und wozu auch mehrere würdige Gemcindeglieder, die nicht Mitglieder des Vereins sind, als Ehrengäste geladen waren. Bei dem Mahle hielt der Vorsteher vr. B. Beer eine einleitende Festrede, die vier Worte Abba, Achwah, Schalom, we-reulh (Liebe, Brüderschaft, Eintracht und Genossenschaft) gleichsam als Tert hinstellend, daran sowohl die verschiedenen Pflichten deS Vereins als auch überhaupt eine Darstellung der vier Hauptperioden der ganzen israelitischen Geschichte, in denen jene vier genannten Tugenden nach und nach vornehmlich ans Licht treten, anknüpsend und zum Schluffe auf unsre gegenwärtige Stellung im Staate hinweisend, die unter dem edlen Monarchen, König Johann dem Weisen, zur vollen Rechtsgleichheit sich gestaltet hat. „Wir haben daher heute ein zwiefaches Schehecbianu auszusprechen, den Tag der 50jährigen Stiftung unsres Vereins und die volle Gleichstellung unsrer Glaubensgenossen in Sachsen erlebt zu haben"; ein enthusiastisches Lebehoch auf Se. Majestät den König, wozu der Redner aufforderte, folgte hierauf. — Herr Vorsteher M. El im ei er brachte sodann einen sinnigen Toast auf die Staats- und städtischen Behörden, Herr Vorsteher vr. meä. Hirsche! sprach sehr geistreich über das Verhältniß zur Gemeinde und brachte einen Toast auf das Wohl des Obecrabbiners und der anwesenden Gemeindevorsteher, welches der Gemeindevorsteher, Herr I. A. Bondi, in gemüthlicher Rede erwiederte. — Vor dem Tischgebete sprach noch der Oberrabbiner vr. Landau, unter Anderm auf den aus dem Kranken-Unterstützungs-Institute hervorgegangenen Mendelssohn verein hindeutend, und so schloß das Fest zur Zufriedenheit Aller und wird gewiß innerhalb unsrer Gemeinde, die seit vielen Jahren nicht so fröhlich beisammen war, noch lange Zeit einen wohlthuenden Eindruck zurücklasftn. — Noch muß bemerkt werden, daß auch der Synagegenchor durch seine melodienreichen und trefflich ereculirtcn Gesänge zur Verherrlichung deS Festes mitwirkte. Dresden, im Juli. (Privatmitth.) Der hiesige Mendelssohn-Verein hat eine Ueberstcht seiner Einnahmen und Ausgaben seit den Jahren 1851 bis 1856 veröffentlicht, wonach in diesen 6 Jahren die Einnahme sich auf 2648 Thlr. belief, von denen die königliche Familie an 400 Thlr. gezahlt hat. Die Ausgaben betragen 2394 Thlr., von denen jedoch 1400 Thlr. auf den Ankauf von StaatSpapieren kommen. Die Ausgaben sind insonders für Schul- und Lehrgelder, Stipendien u. s. w. armer Kinder jüdischen Glaubens verwendet. Das Vermögen deS Vereins besteht gegenwärtig in circa 2000 Tblrn. Preußen. Dom Rhein, 6. Juli. Die Wirksamkeit deS israelitischen Lehrer-Seminars zu Münster, dem die Rheinprovinz und Westphalen seit seinem Entstehen viele gute und manche ausgezeichnete Lehrer verdanken, hat sich in der jüngsten Zeit noch bedeutend ge-