Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 34 (17.8.1857)
- Date
- 1857-08-17
- Page
- Seite 461 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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461 sowohl ohne die mittelalterlichen Schrecken der Verfolgung, als auch ohne die Verzerrung der Gestalten zu zeichnen, und uns in das innigste Wohlgefallen an demselben zu versetzen ohne dessen Absterben bedauern zu machen. Mag man nun auch einzelne Personen zu sentimental und weichlich finden, so wird dies doch durch den köstlichen Humor, der über das Ganze gebreitet ist, hinlänglich ersetzt. Man sieht dem Ganzen an, daß es aus der unmittelbarsten Kenntniß in der Jugendzeit erstanden ist, und daher alles Gemachte und Gekünstelte von sich fern hält. Die Gestalten lebten, und leben hier und da noch. — Außerdem bringt das Jahrbuch: „Chisdai, Sohn des Isaak, eine biographische Skizze von Dr. David Cassel." Solche Biographien sind sicher in dergleichen Jahrbüchern ganz an ihrer Stelle, und da gerade die besprochene Persönlichkeit mannigfaltige Anhaltspunkte gehabt, konnte diese Skizze zu einem reicheren Gemälde werben, als die Ueberzahl der jüdischen Gelehrten und Staatsmänner zu veranlassen vermag. Der Verfasser, mit reichem Wissen ausgestattet, hat seinen Gegenstand würdig behandelt, obgleich wir nicht verhehlen, daß sein Styl der Lebhaftigkeit entbehrt, und daher öfters matt und farblos erscheint. In so fern also das Jahrbuch seinen Raum mit tüchtigen Piecen ausfüllte, und eö vorzog, nicht Vieles aber Gutes zu bringen, können wir uns von ihm sehr befriedigt erklären. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Kaiserslautern, 21. Juli. (Pnvatmitth.) In Jugenheim, der größten jüdischen Gemeinde der Pfalz, schlug am 16. dieses der Blitz in die Synagoge. Glücklicher Weise gelang es, der rasch um sich greifenden Feuersbrunst Einhalt zu thun, und das prachtvolle Gotteshaus, eine geringe Beschädigung abgerechnet, zu retten. — Der jüngst in Landau erfolgte Uebertritt einer Christin zum Judenthume hat große Sensation erregt, und wird in jüdischen und christlichen Kreisen vielfach besprochen. — Unter 400 Sträflingen in dem hiesigen K. Central-Gefängnisse befinden sich gegenwärtig nur 4 Israeliten, wovon einer nicht einmal der Pfalz angehört. Da die Israeliten den 40. Theil der Bevölkerung des Kreises auSmachen, so stellt sich das fragliche Berhältniß als ein sehr günstiges dar. Leider konnte bis jetzt noch nicht bewirkt werden, daß den Sträflingen die Arbeit am Sabbath — an den hohen Festtagen ist dies bereits der Fall — nachgelassen wird, weil dieses mit der Hausordnung und der baulichen Einrichtung der Strafanstalt unverträglich sei. Daß dem in der Thal so sei, und daß nicht Intoleranz dabei obwalte, geht daraus hervor, daß in den jenseitigen, anders eingerichteten Strafanstalten die israelitischen Sträflinge ihre Sabbath- und Festtage feiern, dahingegen an Sonn- und christlichen Festtagen arbeiten. — Zu der im nächsten Monat stattfindenden Prüfung im K. Schullehrer - Seminar dahier haben sich dem Vernehmen nach auch einige Israeliten gemeldet, was um so erfreulicher ist, als dermalen der Mangel an Lehrern so fühlbar ist, daß vor Kurzem ein Lehrer auS dem Badischen in einer diesseitigen Gemeinde angestellt wurde. Dresden, 22. Juli. lPrivatmitth.) Am letztverwichenen Sonntag (27. Thamus) halte in unsrer Gemeinde eine schöne Feier statt, die auch in diesen Annalen des Judenthums Erwähnung verdient; es war dies die Jubelfeier des Kranken-Unterstützungs- Instituts, welches an diesem Tage vor 50 Jahren gestiftet worden war. Als Programm gewissermaßen hierzu hatte der Vorsteher des gedachten Instituts, Dr. Beer, bereits einige Tage vorher eine Schrift unter dem Titel „Geschichtliche Darstellung der fünfzigjährigen Wirksamkeit deS Kranken-UnterstützungS- JnstitutS für Israeliten zu Dresden" veröffentlicht, auf deren Inhalt wir hier verweisen müssen. DaS gedachte Institut, im Jahre 1807 von 40 meist jüngeren Gemcindegliedern gegründet, umfaßt jetzt eine Milgliederzahl von 196 Personen, worunter sämmtliche Gemeindevorsteher und sehr viele ältere und betagte Gemeindeglieder. Stand dieser Verein (hebr.: Chebrath Mischeneth ha-Cbolira) in den ersten Jahren nach seiner Gründung zum Theil in Opposition mit der damals herrschenden starrmittelalterlichen Ansicht, war derselbe gleichsam der erste Hebel zu allen seitdem in unsrer Gemeinde vorgenommenen Reformen sowohl hinsichtlich deS CultuS als der Gemeindeverfassung, so bildete er sich sodann durch die besonnene und umsichtige Haltung seiner Vorsteher und Verwaltungsglieder nach und nach zu einer Corporation auS, die jetzt in allen Schichten der Gemeinde