Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 33 (10.8.1857)
- Date
- 1857-08-10
- Page
- Seite 449 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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449 sind, so können wir doch nicht umhin, im Interesse für seine Person dem Manne recht bald einen Wirkungskreis zu wünschen, der in besserem Einklänge mit seiner umfangreichen, tiefen klassischen Bildung und seiner aufopfernden Hingebung an sein Amt steht; bei seinem unverwüstlichen Fleiße ließe sich eine freiere, felbstgeschaffene Wirksamkeit allgemein wissenschaftlicher Natur erwarten, welche der Sache des JudenthumS von bedeutendem Nutzen werden könnte. Schon aus seinen Predigten sieht man, wie dieser Mann die Sprache in ungewöhnlicher Weise beherrscht; sie fließt in einem reißenden Strome unaufhaltsam fort, markirt durch eine eigenthümliche naturwüchsige Kraft und Prägnanz des Ausdrucks, an das Gemüth gerichtet kindlich einfach und ungemein wohlthuend, düster, streng und treffend im Tadel, geistreich und lebhaft in Auseinandersetzung und Erklärung. Die ganze Rede ist ein einheitlicher, wohlgelungener, durch die Kraft des Augenblicks zusammengesetzter Bau, und man hört es gleich nach den ersten Sätzen, daß man einen großen Redner vor sich hat. Aller Scenenmacherei und Effecthascherei von Natur abhold, ist sein Wort allein der Träger aller öffentlichen Feierlichkeiten. Wir haben der Einsegnungsfeier zwei Mal beigewohnt; das ganze ungeheure Auditorium, dessen übergroßer Andrang durch polizeiliche Hülse gemäßigt werden mußte, war durch diese Feier von der hohen bürgerlichen und religiösen Bedeutung einer Confirmation tief durchdrungen. Eine Rede über die Bedeutung der Confirmation im Allgemeinen und im Judenthume eröffnete die Feier, darauf folgte das Religionseramen der Confirmanden, ein Gebet jedes Einzelnen, und eine Schlußrede, welche mit einer Ermahnung und einem Segen der Confirmanden endete. Diese Schlußrede war ein Meisterwerk und die Krone des Ganzen. Getragen von einem Geiste väterlicher Milde und Ernstes kam und ging sie von Herzen zu Herzen. Wir erinnern uns, wie der Redner den Knaben drei Cardinaltugenden ans Herz legte: Frömmigkeit, Mäßigkeit und Muth, und wie er dann, sich an das Gemüth der Kinder wendend, mit so einnehmender Einfachheit und aus so aufrichtigem Herzen vor dem Wege des Bösen warnte, daß man sich in einen Familienkreis versetzt wähnte, in welchem ein Vater seinen Kindern eine Abschiedsmahnung ertheilt. Der Segen war einfach und erhaben; ohne Phrasengeklingel, Gedanken von Frömmigkeit und Liebe eingegeben. Eine meisterhafte Redefähigkeit und ein heiliger Ernst des Mannes trat uns bei dieser Feier entgegen; den Kindern wird dieser Tag ewig im Gedächtniß leben, die ganze Versammlung war von heiligen Eindrücken tief bewegt, Thränen entströmten Aller Augen, die Gemeinde hatte ein großes Familienfest und Israel ein Fest der Ehren an diesem Tage gefeiert. Die Schule ist von diesem Manne gänzlich umgestaltet worden. Er fand einen von dem vermögenden Theil der Gemeinde angestellten, übrigens recht geschickten Religionslehrer- und Elementarlehrer vor, ein Theil der Kinder genoß gar keines Unterrichts. Mit der Ankunft des Dr. Jonas wurde eine zweiclassige Religions- und Elementarschule gegründet und er übernahm die Leitung derselben, indem er den Vorgefundenen Lehrer für die zweite Classe weiter engagirte. Die Schule hat inzwischen zu Gunsten deS vermögenden und allein steuernden TheileS der Gemeinde dahin eine Veränderung erfahren, daß die zweite Classe die eigentliche Gemeindeschule und die erste Classe eine Privatschule mit erhöhetem Schulgelde für die reicheren Gemeindemitglieder bildet. Die Lehrer für die zweite Classe haben inzwischen zwei Mal gewechselt; von dem Dr. JonaS engagirt und besoldet füllten sie ihren Platz vollkommen auS, indem sie sich seinen Anordnungen pünktlich fügten. Auf diesem Felde hat der Mann in der Thal Staunenswerthes geleistet. Sein unermüdlicher Fleiß und sein bedeutendes Lehrgeschick bewirkten in kurzer Zeit, daß die jüdische Schuljugend die christliche so überflügelte, daß die angesehenen christlichen Bürger der Stadt den Dr. Jonas um die Aufnahme ihrer Kinder in seine Schule und zwar in die erste Classe baten. Dies war gesetzlich nicht zulässig, so lange die erste Classe einen Theil der Gcmeindeschule bildete, und so konnte er dem Wunsche der betreffenden Eltern nicht anders entgegenkommen, als die Kinder in Sprach- und Realgegenständcn privatim zu unterrichten. Da nun die christlichen Kinder die Stadtschule nicht weiter besuchten und somit alles Religionsunterrichts entbehrten, da außerdem die Last des Privatunterrichts so drückend wurde, daß sie die Kräfte des Dr. Jonas zu übersteigen drohte, so verband sich derselbe mit dem Rector der evangelischen Schule, Herrn Völkerling, und vereinigte seine jüdischen Kinder erster Classe und seine christlichen Privatschüler zu einer Privatschule, in welcher der Rector Völkerling den Religionsunterricht für die christlichen