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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-08-10 · Heft 33 (10.8.1857) · p. Seite 448

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 33 (10.8.1857)
Date
1857-08-10
Page
Seite 448 (sequence 6)
Language
German
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448 meinde, — die noch keine 20 Jahre eristirt, im Herbst vorigen Jahres den Grund und Boden zu einer Synagoge mit 1200 Rthlrn. gekauft und dürste der Bau mit Nächstem in Angriff genommen werden. Wenn es wahr ist, daß Schule und Synagoge die Träger des israelitischen Gemeindewesens sind, so ist für beide während der drei Monate meiner Amtirung unter Mitwirkung unseres würdigen Vorstandes schon viel geschehen. Eine neue Religionöschule wurde gegründet und auch in der Synagoge wurden, wie eS sich nur in einer jungen Gemeinde ohne Chor machen, läßt, mehrere Piecen, die vom Vorbeter allein gesungen werden, eingeführt. Zudem werden auch regelmäßige Predigten gehalten. Bei solchem regen und edlen Gemeinsinn, wie er hier anzutreffen ist, läßt sich noch so manches Schöne und Herrliche erwarten. An der hiesigen Strafanstalt, in welcher unter 1500 Sträflingen auch neun Israeliten ihre Sünden abzubüßen, haben, bin ich zur Wahrnehmung des seelsorgerischen Geschäftes gegen ein Honorar von der Regierung angestellt. Auch in der Anstalt herrscht kein Vorurtheil, und werden die jüdischen Sträflinge durch ihr gutes Betragen vor den andern begünstigt. Nach einem vor Kurzem hier eingegangenen Regierungsrescript bekommen sie nur solche Kost, die mit Butter zubereitet ist. Als Seelsorge halte ich bei ihnen allsabbathlich und ganz besonders an den Festtagen Gebet und Andacht ab. So oft ich eS für nothwendig erachte, halte ich mit ihnen religiöse Unterredungen. Zur Belehrung und Erbauung sind auf meinen Antrag Gebet- und Erbauungsschriften im Werthe von 20 Thlrn. für die Anstalt angeschafft worden. An den hohen Festtagen wird den Sträflingen eine ansehnliche Quantität Koscherfleisch und am Peßach auch noch Mazzoth aus Gemeindemittcln geliefert. Wenn Sie mir erlauben, geehrter Herr Redakteur, so komme ich mit Nächstem, so Gott will, mit einem noch günstigeren Berichte. K.....r. AuS Westpreusien, 14. Juli. (Privatmitth.) Erfreuliche Berichte aus dieser Provinz sind gewiß selten. Der auffallende Mangel an Bildung, dazu die Wohlhabenheit der Bewohner hat überall in den niedern Ständen bestialische Rohheit und in den höhern hohle Blasirtheit erzeugt. Danzig ist in dieser Beziehung der Spiegel der ganzen Provinz; die verschiedenen Stände haben sich streng von einander abgeschlossen, und diese selbstsüchtige Erclusivität verhindert ein frohes und lebendiges Hand in Handgehen zum öffentlichen Wohle. Der Arbeiter, welcher für einen Trunk Branntwein einen Vorübergehenden auf den Tod mißhandelt, entwickelt hier einen ähnlichen kastenartigen Standesstolz, wie der reiche Kaufmann, der in der ersten Rangloge allabendlich literarische Kenntnisse sammelt, die dann in der nächsten Abendgesellschaft den Gegenstand einer höchst geistreichen Unterhaltung bilden. Eine Sammlung von Recensentenphrasen ist ein Schema für die Unterhaltung in der feinen Gesellschaft. Leider hat sich diese Hohlheit auch den öffentlichen Einrichtungen aller Confessionen mitgetheilt, man will hier nichts weiter als Ostentation, Mühe wird nur verwendet auf Knalleffect und eitle Nachahmungssucht. Den Beamten fehlt die Kraft des Widerstandes, und so werden sie von diesem Spülwafferstrom fortgerissen und führen die Geschichte Danzigs weiter auf ihrer alten Bahn. Dagegen, um unsere Angelegenheiten speciell ins Auge zu fassen, wird die Sache des Judenthums durch zwei Männer aus unserer Nachbarschaft in erfreulicher Weise gefördert. Von dem Herrn Rabbiner Lesser in Pr. Stargardt ist in diesen Blättern schon öfters anerkennend gesprochen worden; der Mann unterläßt nichts, was zur Befestigung einer wahrhaft religiösen Gesinnung in seiner Gemeinde dienen könnte. Die erbauliche Abhaltung des Gottesdienstes mit einem eingeübten Chor und die musterhaften Leistungen der von ihm geleiteten Religionsschule sind sprechende Beweise einer segensreichen Thätigkeit in seinem Amte. Seine Predigten, prunklos und ohne übertriebenen rhetorischen Schmuck, athmen nationale und religiöse Begeisterung und ziehen die Herzen seiner Zuhörer mit unwiderstehlicher Gewalt an; wir wünschten, daß Israel eine größere Anzahl ähnlicher Seelenhirten aufzuwrisen hätte, die in gleicher Weise seiner heiligen Sache ihr Leben weihen wie dieser Mann. Der andere Mann, der zu diesem Berichte Veranlassung giebt, ist der vr. Jonas in Neuenburg an der Weichsel. Wenn eS wahr ist, daß in einer kleinen Gemeinde dem Beamten durch die leichter durchgreifende Gewalt seiner Autorität eine ungestörtere Wirksamkeit vergönnt ist als in größer« Gemeinden, so müßten wir im Interesse der Sache eminente Kräfte dauernd für kleine Gemeinden wünschen; aber so handgreiflich die Erfolge des Dr. Jonas in seiner Gemeinde

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