Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 33 (10.8.1857)
- Date
- 1857-08-10
- Page
- Seite 447 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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447 gewählt worden sind. — Von Eduard Löwenthal, einem jungen jüdischen Studiosen in Tübingen, ist eine Sammlung Gedichte erschienen, die das Talent deö jungen Dichters bekunden. Wir werden in einem literarischen Berichte wieder aus diese Schrift zurückkommen. Augsburg, im Juli. (Privatmitth.) Der hochwürdige Bischof v. Deinlein von hier hat bei Gelegenheit der Vornahme der Firmung in Jchenhausen auf Einladung des Rabbinen und Cultusvorstandes die neu erbaute Synagoge besucht und dem Rabbinen dessen Besuch erwidert. Er sprach sich sehr wohlgefällig über die Opferbereitwilligkeit der Israeliten, die einen so herrlichen Tempel zur Gottesverehrung erbauten, aus und äußerte seine besondere Freude darüber, daß die Juden und Christen jener Gegend und vornehmlich in Jchenhausen, so einträchtig zusammen leben. — Die Schule der Sidur-Lomdim faßt auch in unserem Schwaben festen Fuß. Der Sohn eines Parteihauptes ist in Fischach, noch sehr jugendlich, zum Rabbinen bestellt worden. Der Eifer des jungen Mannes erstreckt sich auf alle Lebensverhältnisse seiner Beichtkinder. Vor Peßach ermahnte er die Raucher, am Feste keine Cigarren abzuschneiden, sondern sie abzubeißen, zahnlose Raucher aber möchten eine Nadel bereit halten und die Cigarre durchstechen, auf daß sie Lust bekomme. — Die Haarfrisur der Frauen zieht die besondere Aufsicht des Rabbinats auf sich und eine junge Dame sprach in einem humoristischen Gedichte ihre Gedanken über die haarkünstlerischen Sorgen des Rabbinen aus.*) Die Schuljugend steht unter besonderer Controle, daß sie am Sabbath und an Feiertagen ihre Haare nicht kämme und nur die Vorzeigung einer weichen Sammetbürste kann die Renitenten gegen empfindliche Züchtigung schützen. Bei solcher Vielseitigkeit nun zersplittern sich die Kräfte des jungen Eiferers und der Cultusvorstand will ihm vor Gericht den Vorwurf machen, er vernachlässige die ihm anvertraute Religionsschule und lasse sie von seinen Bachrim versehen. Bei solcher Haarspalterei in anderen Dingen trauen wir dem Rabbinen eine Vernachlässigung der Schule nicht zu. — In Jllereichen ist es zwischen dem Cultusvorstande und dem Rabbinen ebenfalls zu Zerwürfnissen gekommen; denn der Rabbine ist zugleich Lehrer und diese *) Wir werden das Gedicht einsenden. Corresp. Doppelstellung im Amte zieht oft unwillkürlich Mißverständnisse nach sich. Es sind solche Zänkereien um so bedauerlicher, als Schule und Synagoge darunter leiden und Laien, die mit Uneigennützigkeit und Begeisterung der Leitung der Cultverhältniffe oblagen, unmuthig sich zurückziehen und indifferent allen Gemeindeinstituten den Rücken kehren. — Die Scheidungsgeschichtc, die in dieser Zeitschrift geachtete Federn in Bewegung setzte, die Frage nämlich, ob ein Get durch Uebersendung durch die Post möglich sei? ist noch nicht erledigt. Ein als Schriftsteller im jüdischen Ehcrechte bekannter, württembergischer Rabbine soll, nach Erfüllung der vorgeschriebenen Förmlichkeiten, für Zulassung der Scheidung, wenn der Schcidebrief durch die Post gesendet wird, amtlich sich ausgesprochen haben. Die Frau aber fürchtet, daß nach der Scheidung in Bayern sich kein Rabbine finde, der ein zweites Eheverlöbniß einsegnen würde. Nun haben wir auch preußische Mißverständnisse in Ehesachen und es wird auch bei uns in Süddeutschland ein jüdischer vr. Schwarz sich finden, der der hierarchischen Liga gegenübertritt und das zweite Ehebündniß der früher Geschiedenen einsegnet. Freilich, der würdige Rabbi Chayim Schwarz in Hürben, der die Controversen in dieser Angelegenheit hervorgerufen, wird, trotz Maier und Fasset, bei seiner gewonnenen Anschauung konsequent stehen bleiben. Diese Consequenz ist aber eine wissenschaftliche und darum achtbar; jedoch mit haarkräuslerischen, minutiösen Zopf- und Klopffechtereien geben solche Männer sich nicht ab. Ihre Schulen floriren und Einigkeit herrscht in ihren Gemeinden. Wir möchten dem jüngeren rabbinischen Nachwuchs diese würdigen älteren Männer im Amte als Muster empfehlen. Preußen. Insterburg, 8. Juli. (Privatmitth.) Im Allgemeinen findet man hier kein-Vorurtheil. Der Jude ist geehrt und geachtet, und einige von meiner Gemeinde bekleiden seit einer Reihe von Jahren städtische Aemter. Herr Tuchfabrikant Putzrath beschäftigt einige hundert Leute in seiner Fabrik, und ist Vorsteher einiger Institute. Frieden mit den Beamten, — Frieden im Schoße der Gemeinde selbst, — zieren und fördern das hiesige Gemeindcwesen. Was Gemeinsinn nicht Alles vermag! So hat die Ge-