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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-08-10 · Heft 33 (10.8.1857) · p. Seite 445

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 33 (10.8.1857)
Date
1857-08-10
Page
Seite 445 (sequence 3)
Language
German
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445 wäre es dankenswerth, wenn die unzählige Menge von Wahrnehmungen über die Schicksale älterer Schriften aus der Zerstreutheit jedes Mal für einen bestimmten Gegenstand zusammengesucht und gestellt werden, damit künftige Forscher Alles, was schon früher beobachtet worden, sogleich als Grundlage benutzen, und nicht erst von Neuem besorgen müssen, daß ihnen etwas Wichtiges entgangen sei. Wer sich von der Verdienstlichkeit solcher mit Geist aufgefaßten Sammlungen überzeugen will, darf nur Z unz: Zur Geschichte und Literatur, und sein Neuestes: Die synagogale Poeste aufschlagen, um zu begreifen, wie viel Zeit und Mühe durch solche Schatzkammern, die ganze Bibliotheken ersetzen, erspart wird, und wie viele Irrungen durch sie ein für allemal beseitigt werden. Nur möchten wir hinzufügen, daß auch hierin ein gewisses Maß inne gehalten werden dürste, denn die Zuträger verabsäumen sehr häufig die wichtigsten Geistesarbeiten,' um sich mit der Kleinigkeitskrämerei zu beschäftigen, und verleiten dann wieder die umfassendern Gelehrten, derselben ihrerseits besondere Aufmerksamkeit zu schenken, so daß unsre Literatur seit zwei Jahrzehenden fast ganz und gar auf dergleichen Nebendinge sich beschränkt, und den besonder« Nachtheil erzeugt hat, daß die jüngern Gelehrten immer vorzugsweise darnach trachten, solche kleine Lichtfunken auszusprühen, anstatt die ernstere Wissenschaft im Großen anzubauen, und was noch schlimmer ist, sich damit allzu sehr aufblähen, wie die sogenannten wissenschaftlichen Zeitschriften und Flugblätter zur Genüge darthun. Wir verkennen wahrlich nicht den Werth solcher, wenn auch kleinlich scheinender Forschungen, wir halten es nur für einen Verderb, daß sie so einzeln und selbstständig auftreten, und daher nach allen Winden verstreut, so oft man ihrer Ergebnisse bedarf, aus hundert zum Theil gar nicht herbeizuschaffenden Blättern zusammengeklaubt werden müssen, ja daß jeder Befähigte aus seiner Notizensammlung sogleich eine neue Zeitschrift bildet, die ein kurzes Dasein fristet und dann verschwindet. Wie gesagt, Geiger hat in seinem Joseph Kimchi in dieser Beziehung ein recht nachahmungswürdiges Beispiel gegeben. Solche Monographien eignen sich vorzüglich zur Vereinigung alles dessen, was einen besonder« Gegenstand allseitig beleuchtet. Eine Seite über Joseph Kimchi's dichterische Leistungen und deren Schicksale sagt hier mehr, als lange Abhandlungen sonst. Kurz und gedrängt sind auch die weitern Bemerkungen über die Schriften Joseph Kimchi's und manches Mißbrauchs, dem sie unterlagen. Diese Abhandlung bildet die Krone des ersten Bandes der Blumenfeld'schen Sammlung. Die weitern Briefe 33—50 haben manches Anziehende, und namentlich mögen sie die Freunde der hebräischen Sprache bezüglich auf Styl und Ausdrucksweise ergötzen, aber ihr Inhalt ist doch von zu geringer allgemeiner Bedeutung, als daß sie in weitere Kreise einzutreten verdienen. Unsrer Ansicht nach konnten lehrreiche Briefe mit Auslassung aller persönlichen Beziehungen und aller übereilten wissenschaftlichen Aeußerungen, wie solche in flüchtigen Briefen leicht Vorkommen, mitgetheilt werden. Es ist nicht nöthig, der Nachwelt auch das zu überliefern, was ein Gelehrter unter vier Augen einmal äußert, und vielleicht hinterher gern zurücknähme. Die Gedichte, womit der Band schließt, bilden eine artige Perlenschnur. Vorzüglichen Werth haben die beiden Stücke von Jehudah Halewi und Mose b. Ezra, insbesondere durch die von S. D. Luzzatto hinzugefügten Erläuterungen. Minder bedeutsam erscheinen uns neuere poetische Versuche, wie wir uns darüber schon öfters ausgesprochen haben. Die Dichtkunst darf.nicht Sprachkünstelei sein. Wer dichten will, d. h. wer den Beruf dazu empfindet, wen die Muse begeistert, der dichtet in seiner Muttersprache, nicht in einer fremden oder gar todten. Man kann schöne lateinische, griechische, arabische, hebräische Verse machen, welche den ächten Dichtungen ähnlich sind, aber Ergüsse des Herzens sind sie nicht, sondern nur kunstvoll zugeschnitzte Bilder. Die hebräischen Dichter des Mittelalters eigneten sich den Geist der hebräischen Sprache so sehr an, daß in der That aus den Werken eines Mosel) b. Ezra, eines Jehudah Halewi und mancher Andern die wahre Herzensempfindung erkannt wird, und doch enthalten sie etwas Fremdartiges, so daß schwerlich alte Hebräer in deren Arbeiten ihre eigene Sprache vernommen haben würden. Wir lesen sie indeß mit Verehrung und bewundern ihre Gewandtheit im Ausdruck. In neuerer Zeit haben Wessely und Schalom Cohen mit ihnen gewetteifert. Trotz dem können wir nicht umhin, alle derartige neuere Versuche für mehr zu halten, als ein künstliches Spiel, der Verewigung nicht werth, außer in so weit die Ver> fasser selbst ihre Werke zu veröffentlichen für gut fanden. Wir wünschten, daß dergleichen jüngere Versuche nicht in eine Sammlung, wie die des Herrn Blumenfeld, ausgenommen würden. Um so dringender möchten wir diese Schatzkammer allen jüdischen Gelehrten zu dem Zweck empfehlen, daß sie ihre wissenschaftlichen Forschungen und zwar ganz besonders ausführliche Monographien darin nieder-

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