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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-08-10 · Heft 33 (10.8.1857) · p. Seite 444

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 33 (10.8.1857)
Date
1857-08-10
Page
Seite 444 (sequence 2)
Language
German
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444 Abfall vom Judenthum — ohne Ueberzeugung — ist ein religiöser Selbstmord, in welchem mindestens auch die Feigheit enthalten ist, aus irdischen Rücksichten vor der Schwierigkeit im jüdischen Berufe, so weit diese noch vorhanden, zurückzuweichen. Und welcher Art sind gegenwärtig diese „irdischen Rücksichten"? Drohen etwa dem Bekenntniß des Judenthums noch Feuer und Schwert, Folter und Verbannung? Werden nicht Tag für Tag die Mißverhältnisse, in welche die Geschichte die Juden gebracht, gesetzlich gemindert? Vermag es nicht Jedermann, sich Achtung und angemessene Stellung in der Gesellschaft zu erwerben? Und was schadet es, wenn dies dem Juden schwerer wird — wird er dadurch doch noch mehr angeregt zur edelsten Energie in der Entwickelung seiner Kräfte! Und wenn ihm noch mancherlei Wirkungskreise verschlossen sind, werden nicht Kraft und Ausdauer sich immer Wirkungskreise schaffen? Wird es Andersglaubenden nicht auch schwer im Leben? Verkümmern nicht auch da Menschen, welche unter günstigeren Auspieien Großes hätten leisten können? Giebt es nicht auch Momente, die dem Juden zu Hülfe kommen? ... Ja, es giebt unter uns jetzt Leute, und zwar von sonst ehrenwerther Gesinnung, welche meinen, daß die „Umstände" den Abfall vom Judenthume entschuldigen können. Möchten diese einer solchen inhaltsreichen That schärfer in das Auge blicken. Nein, es liegt in dem überzeugungslosen, also nur von den „Umständen" motivirten Abfall ein solcher Verrath an Gott, der Menschheit und sich selbst, daß gerade die „Umstände" das verdammenswürdigste Motiv bilden. Wir haben hier der einfachsten, klarsten Worte uns bedient, damit Jedermann uns verstehe, Niemand der Phrase oder philosophischer Stelzen uns beschuldige. Der Jude denke an sein: „Höre Israel, der Ewige unser Gott, der Ewige ist einzig und einig" — und wenn er dies denkt, so gehe er hin und verläugne es, wenn er es vermag! Literarischer Wochenbericht. Frankfurt am Main, im Juli. (Fortsetzung.) Der 32. Brief bringt einen für Literaturfreunde anziehenden Beitrag, eine Monographie über Joseph Kimchi, b. Isaak, auch unter einem provencalischen Namen Maestro Petit bekannt. Der Mann ist einer besondern Behandlung werth. Er wanderte unter dem Druck der Almosaden gegen die Mitte des 12. Jahrhunderts (die Angabe 1142 ist nicht genau, wie ich bei der Geschichte der Almosaden-Verfolgung Nachweise) wahrscheinlich mit seinem Vater nach der Provence, und hielt sich in Narbonne auf. Er war der erste jüdische Grammatiker in den christlichen Ländern. Geiger weist nach, welcher Unterschied zwischen seiner Auffassung der Sprachelemente und der seiner spanischen Vorgänger obwaltet, und führt dieselbe auf die Zugrundelegung romanischer Sprachen zurück, während jene nur die arabischen Formen kannten. Er zeigt außerdem die Verdienste Joseph Kimchi's um Läuterung des hebräischen Ausdrucks, welcher durch unendlich viele eingeschlichene Jrrthümer entstellt worden war. Es würde uns zu weit führen, die Menge trefflicher Bemerkungen, welche Geiger hier entfaltet, auch nur anzudeuten; jeder Kenner wird sie sehr lehrreich finden. Der Verfasser geht nun über zu den Leistungen Joseph Kimchi's in der Eregese, welche gänzlich abgehet von dem Drusch der frühern Provencalen, und besonders auf reine sprachliche Erklärung hinzielt, eine um so bemerkenswerthere Thatsache, als Joseph Kimchi von den damaligen gleichgesinnten nordfranzösischen Eregeten gar keine Kunde hatte. So geht er auch nicht auf die Einmischung der Philosophie und Naturkunde ein, welche seine spanischen Vorgänger so sehr liebten. Er nahm das Aramäische und Arabische mit zu Hülfe, um den hebräischen Ausdruck zu erläutern. Wesentlich sucht er durch wahre Gelehrsamkeit auf das Rechte zu kommen, nicht durch eigene scharfsinnige Muthmaßungen, und in dieser Beziehung blieb er das Vorbild der Kimchi. Da die Schriften des Joseph Kimchi größtentheils verloren sind, so muß man es dem Herrn Dr. Geiger als ein großes Verdienst anrechnen, daß er hier eine Uebersicht der Bücher, die er verfaßt hat, und manche daraus vorkommende Bruchstücke zusammenstellt, und von den noch vorhandenen Handschriften einige Nachrichten giebt. Interessant ist, was er über den Wetteifer Joseph Kimchi's mit Juda b. Saul Tibbon bemerkt, welche Beide die Herzenspflichten Bafias übersetzt haben. Des Letztem Uebersetzung hat bekanntlich den Vorzug erlangt, und Geiger meint auch, daß die von Kimchi minder gelungen sei, weil er sich minder an das Wort der Urschrift hielt, und mehr Fleiß auf Reinheit des Styls verwendete. Doch, meint Geiger, wäre die Veröffentlichung seiner Uebersetzung gewiß auch sehr nützlich. — Für die Freunde literarischer Merkwürdigkeiten ist das, was Geiger über die Kimchi'sche Uebertragüng des hier (S. 114 — 5) als das Ertragniß eigener und fremder Forschungen vorführt, eine willkommene Gabe. In der That

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