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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-08-03 · Heft 32 (3.8.1857) · page 8

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 32 (3.8.1857)
Date
1857-08-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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436 feit, deren Einweihung am 1. Juni in Verbindung mit Gesangsproduetion, einem Festessen und Balle stattsand. Zu dieser Feierlichkeit stellten sich aus den Nachbarländern (der Schweiz 4, Bayern 1, und den benachbarten Orten Bregenz und Feldkirch je 1) Vereine ein, und betheiligten sich bei Allem. Wer diese Brüderlichkeit der so verschiedenen Nationalitäten und Confessionen gesehen, wer wie Schreiber dieses bemerken konnte, welch' innige Theilnahme Alle beseelte; wer bemerken konnte, wie ganz und gar kein Unterschied zwischen Glauben, Rang und Besitz statthatte: der wird den Hochgenuß auch erfassen können, den die hiesigen Israeliten an diesem Tage feierten; der wird sich auch eine richtige Vorstellung machen können von dem guten Geiste der uns umgebenden Nationen. Ja, Schreiber dieses feiert einen seiner schönsten Lebensmomente, indem er dieses niederschreiben kann, da er der Welt Beweis und Beispiel aus der Wirklichkeit geben kann, daß es nicht nur möglich ist, sondern aus schönste Art verwirklicht war, wie Menschen verschiedenen Glaubens ächte Brüder sein können. O, Ihr Ungläubigen, Ihr Kopsschüttler, kommt, wenn Ihr das Unmögliche nicht glauben wollet, und überzeugt Euch selbst, ja, Ihr werdet noch mehr erfahren, alS Schreiber dieses Euch sagen kann, als die todte Feder zu schreiben vermag. Gestatten Sie nun, den Hergang dieses Festes zu erzählen. Zur Ausführung desselben ward zuerst ein Co mite, dann 2 Festordner zur Leitung und Anordnung des Festzuges rc., Festführer für die auswärtigen Gesangsvereine, die daö Fest mit ihrer Anwesenheit erhöhten, 12 Jungfrauen (wovon 6 die Schärpe stickten), ferner ein Kind zum Tragen der Schärpe und 1 Fahnenträger bestimmt. Um 8 Uhr Morgendes Festtages (der durch Tagesreveille angekündigt ward) versammelte sich der hiesige Männerchor in der durchaus festlich geschmückten Synagoge zum Morgengottesdienst, welcher mit Choralgesang abgehalten wurde. Im Laufe des Vormittags wurden die auswärtigen Gesangsvereine, ihre Fahne an der Spitze des Zuges, von ihren Festführern empfangen und in das elegant geschmückte Gesangslocal geführt. Um 3 Uhr setzte sich der Zug vom Festlocal zur Einweihung der Fahne in die Synagoge in Bewegung. Diesen Zug eröffnete die tüchtige Capelle deS hiesigen Schützencorps und eine Abtheilung der Schützen, dann kamen der jüdische und christliche Bürgermeister und die Gemeinderäthe (beider Confessionen), die zwei Festordner mit dem Kinde, das die Schärpe trug, die 12 weißgekleideten Festjungfrauen, der Fahnenträger mit der einzuweihenden Fahne, von 2 Schützenmeistern geleitet, die Direction des hiesigen Gesangvereines, das Festcomite, die activen und passiven Mitglieder, die fremden Vereine mit ihren Fahnen und ihren Festführern und die Gäste. Zum Schluffe wieder eine Abtheilung des Schützencorps. Sechs Böllerschüsse zeigten an, daß sich der Zug in Bewegung setze. In der Synagoge waren alle Vereine um die Kanzel, aus welcher die Fahnen aufgepflanzt waren, die Gäste auf ihren bestimmten Plätzen, und nachdem die „Ehre Gottes" von Beethoven abgesungen ward, hielt der Herr Rabbiner eine so würdige, weihe- und gehaltvolle Rede, daß alle Anwesenden tief ergriffen waren. Der Tert war aus Mischna Aboth: „Auf drei Dingen beruht die Welt: aus Glauben, Gottesdienst und Menschenliebe." Der Herr Rabbiner zeigte, wie in der Fahne diese drei Dinge versinnlicht werden können. Die Fahne mit ihrem Stabe ist der Glaube, dem man nachgehen, an den man sich halten müsse. Die aus der Fahne gestickte Lyra, die Leier des göttlichen Sängers, deutet auf den edlen Zweck deö Vereines (die Verherrlichung des Gottesdienstes), endlich daS Band auf die Liebe hin, mit welcher sich alle Menschen ohne Unterschied des Glaubens vereinigen mögen. Gleich erhebend war die darauf folgende Weihe der Fahne. Nachher ward sie vom Herrn Rabbiner und die Schärpe vom Herrn Bürgermeister dem Fahnenträger übergeben. Anhaltendes Schießen und Ehrensalven des Schützcncorps verkündigten diesen Act nach Außen und dann wurde das „BundeSlied" von Mozart von allen Vereinen zusammen gesungen. Wie erhebend war es, diese an sich großartige Composition von Sängern der protestantischen, reformirten calvinischen und katholischen Religion mit Juden in einem jüdischen Gotteshause vortragen zu hören. Hierauf wurde bei offener Lade das Gebet für den Kaiser vorgetragen, und nachher unter abermaligem Schießen die Volkshymne mit Musikbegleitung gesungen. Dann fanden die Productionen der gesummten Ver-

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