Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 32 (3.8.1857)
- Date
- 1857-08-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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433 als Chimäre ist; die Achtung und Anerkennung, die ihm vom größten Theile der Gemeinde gezollt wird, soll auch die Eingenommenheit deutscher Theologen gegen Galizien zerstreuen und sie aufmuntern, sich in vorkommenden Fällen um Posten zu bewerben, wo sich für ihren edlen Beruf so weite und Segen verheißende Wirkungskreise eröffnen; endlich soll auch der Regierung, die ihre bisherigen Bemühungen, die galizische Judenschaft moralisch zu heben, durch Hindernisse von mannigfacher Art vereitelt sah, reiner Wein eingeschenkt werden, auf daß sie einsehe, welche Individuen geeigneter sind, ihre väterlichen Absichten zu verwirklichen, ob Diejenigen, die bis jetzt daS religiöse Steuerruder geführt, oder Die, welche Eigennutz und Verleumdung für heterodor auSschreim. — Revenons ä nos moutons. Je höher aber die Wichtigkeit der Aufgabe, je größer die Verantwortlichkeit des Predigers zu Lemberg ist — die Erfolge seines Wirkens werden den andern großen Gemeinden dieses Kronlandes bei Rabbinerwahlen hoffentlich zur Richtschnur dienen— desto schonender sollte die jüdische Presse bei Besprechung dieses Gegenstandes Vorgehen. Warum einem Manne, der so viele Hindernisse zu beseitigen, so viele Schwierigkeiten zu bekämpfen, so viele heterogene Elemente zu versöhnen hat, seine ohnedies so schwierige Stellung noch schwieriger machen? Warum durch in die Oeffentlichkeit geschleuderte Verdächtigungen den Samen der Zwietracht in eine Gemeinde streuen, die, um eine Ausgleichung, Vereinigung und endliche Verschmelzung der Parteien zu erzielen, so große Opfer bringt? — Schreiber dieses ist weder „Pietist", noch „deutscher Mystiker oder „Soharist", ist aber der Meinung, daß all die vorwurfsvollen Erclamationen, die hier und da in Wiener Blättern laut werden, von einigen Malcontenten jener Partei ausgehen, die in dem Cultustempel nichts Anderes sieht, als ein kostbares Möbelstück, das sich eine große Gemeinde anschaffen muß, weil es so Mode ist; die den Tempel äußerst selten besucht, und höchstens an den hohen Festtagen ein halbes Stündchen ihrer kostbaren Zeit opfert, um dem lieben Herrgott eine Staatsvisite zu machen; die sich einen Prediger nach ihrem Ideale dachte, der sich von ihr leiten lassen, nach ihren Eingebungen handeln werde. Daß aber die Art und Weise, wie Dr. Schwabacher wirkt, den Beifall dieser Partei nicht gewonnen (daß er „die Hülfe des weltlichen Armes angesucht habe, um seine Glaubensgenossen von der öffentlichen Uebertretung gewisser Religionsverbote zurückzuhalten", wie dies der geschätzte Berichterstatter aus Mähren glaubenstreu der „Presse" nacherzählt, scheint dem Schreiber dieses rein aus der Luft gegriffen), gereicht ihm gerade zur Ehre und zeigt, wie klar und richtig er die Situation seines neuen Wirkungskreises aufgefaßt, und wie sehr er seiner Aufgabe gewachsen ist. Er will auf die Masse, auf die große, wahrhaft religiöse Mehrheit wirken, die Synagoge und Tempel oft und zahlreich besucht, und zwar: nicht blos, um eine schöne Predigt zu hören, oder sich an den Gesängen des Chores zu ergötzen, sondern um Gott zu dienen, und dem religiösen Bedürfnisse ihres Herzens zu genügen.*) Ein Reisender. Hohenems, im Juli. (Privatmitth.) Eine Feier eigenthümlicher Art, die Pfingstmontag hier stattfand, veranlaßt Schreiber dieses, Sie, geehrter Herr Redacteur, um Aufnahme folgender Zeilen in Ihr geschätztes und so weit verbreitetes Blatt zu bitten. — Dieser Bericht möge als Beleg dienen von dem schönsten Geiste, der in unserm Jahrhundert in Deutschland und besonders in dieser vielleicht minder bekannten Gegend herrscht. Der Hohenemser israelitische Männergesangsverein, seit 16 Jahren in Bestand, hatte sich zunächst die schöne Aufgabe gestellt, den Gottesdienst zu heben, was ihm im Vereine mit dem so tüchtigen Rabbiner und dem strebsamen Sinne sämmtlicher Gemeindemitglieder, besonders des Vorstandes, zum großen Theil gelungen ist. — Durch die günstigen Erfolge gelockt, schlossen sich auch nach und nach christliche Mitglieder (zum deutschen Gesänge) diesem Vereine an, und es gelang diesem, wenn auch kleinem Vereine, sich mit bedeutenden Kosten eine prachtvolle Fahne anzuschaf- *) Wir können die Auslassungen unsres geschätzten Correspondenten an und für sich nur billige». Wir hätten es aber doch lieber gesehen, wenn er den eigentlichen Gegenstand der Anklage, die Anrufung der weltlichen Macht gegen die Uebertreter gewisser Religionsoerbote Seitens des' Herrn vr. Schwabacher einfach als unwahr bezeichnet hätte. Denn wäre sie nicht unwahr, so hätte die Anklage ihre volle Rechtfertigung, und wäre mit aller Kraft zu unterstützen, denn — »ach unsren Religionsbegriffen — heiligt der Zweck niemals die Mittel. Redact. d. A. Z. d. 3.